Intransparentes Tarif-Rating: Makler verurteilt

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung

Ein Makler hatte auf seiner Internetseite einen Vergleich von Haftpflicht-Tarifen mit Sterne-Bewertung angeboten. Bei den Ergebnissen sparte er aber relevante Details aus, so dass das Landgericht Leipzig ihm auf die Finger klopfen musste.

Ein Makler hatte die Sternebewertung des Versicherungsvergleichs auf seiner Homepage selbst durchgeführt. Warum das für Probleme sorgte, musste ihm das Landgericht Leipzig erklären.

Ein Makler hatte die Sternebewertung des Versicherungsvergleichs auf seiner Homepage selbst durchgeführt. Warum das für Probleme sorgte, musste ihm das Landgericht Leipzig erklären. Bild: Pixabay

Eine eigene Internetseite bietet Versicherungsmaklern vielfältige Möglichkeiten, ihren Umsatz zu steigern. Zuallererst sind da natürlich die Kontaktmöglichkeiten. Nur wer einen Makler erreicht, kann mit diesem einen Vertrag abschließen. Viele Vermittler nutzen ihre Webpräsenz zudem als Schaukasten für Verbraucherinformationen, etwa durch die Veranschaulichung von Schadenbeispielen in einzelnen Sparten. Das sorgt für Transparenz und steigert das Bedürfnis nach einem Abschluss.

Eine fortgeschrittene Nutzungsweise der Internetseite ist die Integration eines Vergleichsrechners – wobei schon zahlreiche Vermittler eine solche anbieten. So können digital-affine Kunden, die nicht zwingend ein persönliches Beratungsgespräch anstreben, auf der Internetseite des Maklers Versicherungstarife vergleichen und diese digital über ihn abschließen.

Fallstrick Tarif-Vergleich

Allerdings lauern in diesem Vertriebskanal auch Fallstricke. Einen solchen, den Makler mit Online-Vergleichsrechnern im Portfolio besser beachten sollten, hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) entdeckt. So hatte ein Makler auf seiner Internetseite einen Vergleich von privaten Haftpflichtversicherungen vorgenommen. Dabei hatte er die angebotenen Tarife in der Ergebnisliste des Vergleichs mit jeweils bis zu 5 Sternen bewertet. Ein Stern stand für „sehr schlecht“, fünf Sterne für „sehr gut“.

Da allerdings die Kriterien der „Stern-Vergabe“ nicht nachvollziehbar waren und man sich außergerichtlich nicht einigen konnte, kam es zum Prozess vor dem Landgericht Leipzig (Az. 05 O 1789/19). Auch dieses kam zu dem Schluss, dass der Makler wettbewerbswidrig handelte. Denn das Sterne-Rating der Tarife hatte der Betreiber der Internetseite selbst vorgenommen. Das allein ist zwar nicht rechtswidrig. Wohl aber der Umstand, die Besucher der Website nicht darüber ins Bild zu setzen, von wem die Bewertungen stammen und welche Kriterien dafür zugrunde liegen.

Maklers geheime Bewertung

Zwar hatte der Makler die relevanten Infos nach der Abmahnung des vzbv präsenter auf seiner Internetseite positioniert. Entscheidend sei laut dem Gericht aber, dass zum Zeitpunkt der Abmahnung weder beim Klick auf die Bewertungssterne noch beim Klick auf den Link „So werden Tipps ermittelt“ eine Erläuterung zur Grundlage der Bewertungen zu finden war.

Grundsätzlich sei laut dem Gericht davon auszugehen, dass Bewertungen auf Handelsplattformen von Verbrauchern geschaffen werden, nicht vom Anbieter selbst. Deshalb liege der Schluss nahe, „dass das Vorenthalten einer wesentlichen Information, die der Verbraucher nach den Umständen für eine informierte Entscheidung benötigt, auch geeignet ist, den Verbraucher zu einer geschäftlichen Entscheidung zu veranlassen, die er bei der geboten gewesenen Information nicht getroffen hätte.“

Der Makler wurde deshalb vom LG Leipzig zur zukünftigen Unterlassung solcher Praktiken verurteilt. Die Entscheidung vom 09.09.2020 ist noch nicht rechtskräftig.

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