In welchen Bundesländern die Renten am höchsten ausfallen

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen

Die Bezüge steigen seit Jahren, das Gefälle zwischen Ost und West schrumpft nur langsam und die Bundeszuschüsse verzeichnen jährlich neue Rekorde. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen Rentenatlas-Studie der DRV.

Die Brutto-Renten stiegen im vergangenen Jahr um 53 Euro auf durchschnittlich 1.413 Euro.

Die Brutto-Renten stiegen im vergangenen Jahr um 53 Euro auf durchschnittlich 1.413 Euro. Bild: Adobe Stock/tunedin

Die derzeit 21 Millionen Rentner in Deutschland durften sich zum 1. Juli dieses Jahres erneut über eine Anpassung freuen: Im Westen wuchsen ihre Bezüge um 3,45 Prozent, im Osten um 4,2 Prozent. Damit setzt sich eine jahrelange Entwicklung fort: Es gibt immer mehr Rente – und immer mehr Rentner. Die Ausgaben  der Deutschen Rentenversicherung (DRV) steigen daher laut aktuellem Rentenatlas massiv an. Waren es 2014 noch 266,2 Milliarden Euro, so flossen 2019 bereits 324,8 Milliarden Euro hinein.

Während die Erhöhungen für die einen eine gute Nachricht sind, bedeuten sie für das überforderte deutsche Rentensystem eine immer größer werdende Last. Über Versicherungsbeiträge allein lässt sich der Betrag schließlich längst nicht mehr finanzieren. Für 2019 musste die Kasse der DRV über Bundeszuschüsse in Höhe von 78,8 Milliarden Euro aufgefüllt werden. Im Vorjahr waren es noch 75,9 Milliarden gewesen, die über die Steuerzahler zu leisten waren. Die gesamte Rentenversicherung verzeichnete derweil im vergangenen Jahr 326,7 Milliarden Euro an Einnahmen, 248 Milliarden davon wurden über Beiträge generiert.

Wer erhält wo wie viel Rente?

Die Brutto-Renten stiegen im vergangenen Jahr um 53 Euro auf durchschnittlich 1.413 Euro. Am meisten erhalten Rentner im Saarland: 1.545 Euro brutto im Schnitt. Mit der geringsten Rente von 1.292 Euro müssen sich Thüringer zufrieden geben. Nach wie vor macht nicht nur die Region, sondern vor allem das Geschlecht einen großen Unterschied: Die größte Brutto-Rente erhalten männliche Rentner aus Nordrhein-Westfalen mit 1.689 Euro, am wenigsten bekommen niedersächsische Rentnerinnen mit 1.134 Euro. Deutschlandweit zahlen Frauen allerdings auch deutlich geringere Durchschnittsbeträge ein. Am geringsten ist die Differenz zwischen den Geschlechtern in Ost-Berlin.

Die Standardrente wird anhand eines Versicherten ermittelt, der nach 45 Beitragsjahren mit durchschnittlichem Verdienst in den Ruhestand tritt.

BundeslandBrutto-AltersrenteMännerFrauen
Saarland1.5451.6741.171
Nordrhein-Westfalen1.5221.6891.184
Hamburg1.4861.6441.261
Hessen1.4731.6221.190
Baden-Württemberg1.4641.6541.156
Berlin-Ost1.4541.5651.334
Rheinland-Pfalz1.4401.5771.141
Schleswig-Holstein1.4361.5801.164
Niedersachsen1.4231.5681.134
Bremen1.4211.5721.161
Bayern1.4001.5581.142
Berlin-West1.3801.5291.216
Brandenburg1.3431.4601.216
Sachsen1.3091.4461.169
Mecklenburg-Vorpommern1.3061.4051.197
Sachsen-Anhalt1.2991.4261.166
Thüringen1.2921.4171.163
Durchschnitt Bundesgebiet1.4131.5701.173
Durchschnitt Zahlbeitrag1.2691.4111.054

Quelle: Rentenatlas 2020 der DRV

Auch ins Ausland wurden mit knapp 1,76 Millionen Renten wieder ein großer Anteil gezahlt. Beinahe drei Viertel davon verteilen sich auf EU-Länder. Nach Italien, Spanien und Kroatien werden die insgesamt höchsten Beträge an ausländische Staatsangehörige ausgezahlt, die sie durch ihre Beitragszahlungen an die DRV erworben haben. Etwa 14 Prozent der Auslandsrenten gehen an Deutsche, die im Ausland leben, die meisten davon leben in der Schweiz.

Politik vor großen Herausforderungen

Dass die Menschen immer älter werden und das Demografieproblem sich verschärft, stellt die Politik vor große Herausforderungen. Bis 2025 ist das Rentenniveau nach 45 Beitragsjahren auf ein Minimum von 48 Prozent des Lohns festgeschrieben, der Beitragssatz darf die 20-Prozent-Marke nicht überschreiten. Diesere Deckel wird voraussichtlich auf Dauer nicht haltbar sein. An schlüssigen Konzepten scheint es aber noch zu mangeln. Die als vage kritisierten Ergebnisse der Rentenkommission waren im Frühling bei Experten auf wenig Begeisterung gestoßen.

Dass private Vorsorge immer notwendiger wird, macht auch eine andere Zahl deutlich. In Deutschland sind 15,7 Prozent der Senioren armutsgefährdet, heißt es in einer aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamts. Inzwischen sind der Erhebung zufolge mehr Menschen im Rentenalter auf die Sozialleistung angewiesen als vor 17 Jahren: Deren Anteil stieg von 1,7 Prozent zum Jahresende 2003 auf 3,2 Prozent im Dezember des vergangenen Jahres. Besonders betroffen sind Senioren in den Staststaaten, allen voran Hamburg. Aber auch in anderen Bundesländern und Regionen steigen die Lebenshaltungskosten unproportional zu den Alterseinkommen.

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