Hausratversicherung: Wann gilt ein Auto als aufgebrochen?

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Keyless-Go-Systeme versprechen ihren Nutzern mehr Komfort, gelten aber als verhältnismäßig leicht zu knacken. Doch wer zahlt im Schadensfall? Dies musste nun das Münchener Amtsgericht entscheiden.

Autodieb

Kann von einem Autoaufbruch die Rede sein, wenn der Dieb in den Wagen via Umgehung des Keyless-Go-Systems gelangt? Bild: Pixabay/ TheDigitalWay

Keyless-Go-Systeme versprechen für Autofahrer einen Zuwachs an Komfort: So öffnet sich das Fahrzeug, ohne dass deren Besitzer seinen Schlüssel selbst zur Hand nehmen muss – möglich macht dies ein Funkchip im Wagen, mit dem der Schlüssel kommuniziert.  

Dass die Systeme es Dieben aber einfacher machen, ins Fahrzeug einzudringen, zeigte im Sommer eine Studie des ADAC. Erfahren musste das auch ein Pilot, dem Diebe mehrere Gepäckstücke aus seinem abgestellten Fahrzeug entwendeten. Anschließend ging es um die Frage, ob die Hausratversicherung des Mannes für den entstandenen Schaden aufkommen müsse – diese beantwortete das Münchener Amtsgericht (AZ: 274 C 7752/19).  

Was war passiert?  

Der Mann hatte sein Fahrzeug im Dezember 2018 in Frankfurt geparkt und es für Erledigungen knapp fünf Minuten verlassen. Mittels einer sogenannten „Relay-Attack“, bei der das Keyless-Go-System mittels eines Funksignals überwunden wurde, gelangten Diebe in dieser Zeit ins Auto und entwendeten einen Reise- sowie einen Pilotenkoffer, in dem unter anderem die Uniform des Piloten, Ausweisdokumente und seine Pilotenlizenz enthalten waren. In der Hausratversicherung des Mannes fand sich folgende Klausel:  

„Entschädigt werden auch versicherte Sachen, die (…) durch Aufbrechen eines verschlossenen Kraftfahrzeugs entwendet…werden.“  

Der Fahrzeugbesitzer wollte den entstandenen Schaden in Höhe von 3.314,72 Euro folglich von seiner Hausratversicherung erstattet bekommen, da er die Auffassung vertrat, dass auch eine unbefugte Öffnung des Pkw per Funksignal unter den Begriff „Aufbrechen“ falle. Die Versicherung verneinte hingegen ein „Aufbrechen“ des Fahrzeugs – dafür sei mehr erforderlich als jedes unbefugte Öffnen.  

Das Urteil  

Das Münchener Amtsgericht folgte der Argumentation der Versicherung: Das unbefugte Öffnen des Fahrzeugs per Funksignal falle nicht unter die Versicherungsbedingungen. Laut allgemeinem Sprachgebrauch umfasse „Aufbrechen“ die Anwendung von Gewalt, auch wenn nicht zwingend eine Beschädigung der Sache erforderlich sei.  

Allein für die Kosten- und Risikokalkulation des Versicherers sei es erforderlich, dass der Versicherungsumfang und damit die zu erwartenden Risiken klar abgegrenzt seien. Hier könnten nicht einfach zusätzliche versicherte Risiken durch Auslegung eines eindeutigen Wortlauts in den Vertrag aufgenommen werden.  

Für eine unterschiedliche Behandlung spreche zudem die Nachprüfbarkeit durch den Versicherer. Bei einem gewaltsamen Aufbrechen falle dies relativ leicht, da in der Regel Spuren hinterlassen würden. Im Fall einer elektronischen Überwindung per Funksignal sei es für den Versicherer deutlich schwieriger zu ermitteln, ob Diebe wirklich per „Relay Attack“ ins Auto eingedrungen sind oder der Besitzer einfach vergessen hat, sein Fahrzeug abzuschließen. Entsprechend hoch sei für die Versicherung die Missbrauchgefahr. Folglich müsse die Versicherung im vorliegenden Fall nicht leisten. Das Urteil ist rechtskräftig.      

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