Haus- und Autopolicen: Deutsche präferieren weiterhin den persönlichen Vertrieb

Anne Hünninghaus Digital Berater

Was zeichnet die ideale Kfz- oder Hausratversicherung aus? Eine internationale Studie offenbart Trends und Verbrauchervorlieben. Deutsche Versicherte stechen in zwei Bereichen als Exoten heraus.

Knapp die Hälfte der Deutschen zieht die persönliche Beratung zu Haus- und Autoversicherungen anderen Vertriebskanälen vor.

Knapp die Hälfte der Deutschen zieht die persönliche Beratung zu Haus- und Autoversicherungen anderen Vertriebskanälen vor. Bild: Adobe Stock/Konstantin Yuganov

In zwei Bereichen sind deutsche Verbraucher recht speziell, wenn es um Versicherungen und deren Vertrieb geht. Das offenbart eine international angelegte Studie der Unternehmensberatung Deloitte. Für diese hat das Unternehmen Präferenzen von rund 8.000 Versicherten aus acht Ländern mit Fokus auf die Sparten „Home and Motor“, also vor allem Kfz-, Wohngebäude-, und Hausratspolicen abgefragt. Zum einen scheint die ungebrochen hohe Affinität zu persönlicher Beratung eine deutsche Spezialität zu sein. Hierzulande liegen Kontaktversuche über Online-Kanäle und die persönliche Vermittleransprache mit jeweils rund 46 Prozent der Nennungen gleichauf. Dieses Bedürfnis nach dem direkten Gespräch wird nur von den Italienern mit 60 Prozent getoppt. Zum Vergleich: Die Befragten im Vereinigten Königreich favorisieren zu 81 Prozent eindeutig die Online-Ansprache, der Vertrieb über Vermittler ist hier mit lediglich zwei Prozent kaum noch gefragt.

Die deutschen Verbraucher liegen derweil beim Wunsch nach Abschlüssen via Mobiltelefon mit 6 Prozent der Nennungen im globalen Vergleich an letzter Stelle, während fast jeder dritte chinesische Kunde beim Versicherungskauf gerne zum Smartphone greift. Allerdings: Durch Corona haben sich immer mehr – auch ältere – Bundesbürger digitalen Kanälen geöffnet und vor allem unter den jungen Versicherten besteht bereits jetzt eine verbreitete Präferenz, Versicherungen online abzuschließen.

Datenschutz: ein deutsches Thema?

Die zweite deutsche Eigenheit – insbesondere in Abgrenzung zu chinesischen Verbrauchern – ist der sensible Umgang mit den eigenen Daten. Nur ein Drittel der Studienteilnehmer aus Deutschland wären bereit, ihrem Versicherer persönliche Daten mitzuteilen, um niedrigere Prämien zahlen zu müssen oder perfekt auf sie zugeschnittene Produkte angeboten zu bekommen. Am ehesten geteilt würden im Kfz-Bereich Daten zu vorherigen Versicherungen (58 Prozent Bereitschaft) sowie zur Autonutzung (54 Prozent). Daten zum eigenen Fahrstil möchte aber nur ein gutes Drittel der deutschen Versicherten preisgeben, so die Studie. Das ist insbesondere für den langsam voranschreitenden Telematik-Trend eine relevante Aussage. Insgesamt sind die deutschen Teilnehmer von allen betrachteten Ländern am restriktivsten eingestellt. Die geringsten Probleme bei der Bereitstellung von Daten haben – wenig überraschend – chinesische Versicherte, dort wären 57 Prozent der Befragten dazu bereit.

Einfachheit ist das wichtigste Kriterium, darauf folgt Flexibilität

Neben diesen Besonderheiten macht die Studie auch generelle, international gültige Trends für den Versicherungsbereich „Home and Motor“ fest. So legten Verbraucher immer mehr wert darauf, dass Produkte transparent und verständlich sind – insbesondere, wenn es um das eigene Auto oder das Zuhause geht. Die Einfachheit einer Versicherungspolice ist für den Abschluss der Studie zufolge das wesentliche Entscheidungskriterium. Länderübergreifend bevorzugen 29 Prozent der Befragten Verträge, die die Grundrisiken absichern und verständlich, leicht zu vergleichen, unkompliziert handhabbar und preislich fair gestaltet sind. Einfachheit steht in diesem Zusammenhang auch dafür, genau zu wissen, welche Schäden abgedeckt sind, und die Sicherheit zu haben, dass Schadenforderungen zügig beglichen werden. Damit werden laut Deloitte auch parametrische Gebäude- und Hausratversicherungen attraktiver, die bereits im Vorfeld konkrete Deckungs- und Regulierungssummen bei bestimmten Ereignissen festlegen. In Deutschland können sich 53 Prozent der Studienteilnehmer vorstellen, Anspruchsbetrag und Zahlungsauslöser schon bei Vertragsabschluss festzulegen.

Zudem besteht der Wunsch nach mehr Flexibilität: Mit 19 Prozent steht Anpassbarkeit bei der Verbraucher-Beliebtheit weltweit an zweiter Stelle. Wenig überraschend ist, dass jüngere Kunden besonders aufgeschlossen für neue Versicherungsformen sind. So zeigt die Studie, dass 26 Prozent der Mieter zwischen 18 und 34 Jahren flexibel anpassbare Hausratversicherungen bevorzugen würden, um ihr mobiles Eigentum zu schützen. Gerade in diesem Segment bieten sich Deloitte zufolge für Versicherer und Vermittler Chancen, neue Zielgruppen für sich zu gewinnen.

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