Fonds Finanz: „Krisenzeiten sind Marktführerzeiten“

Anne Hünninghaus Berater Maklers Lieblinge Top News

procontra: Anfang des Jahres platzte Ihr geplanter medienwirksamer Deal mit dem IT-Haus Softfair. Wird es hier einen neuerlichen Versuch geben?

Porazik: Nein. Wir wurden damals von vielen Seiten dazu angehalten, ein Verkaufsangebot zu machen. Nachdem wir einen fairen Preis aufgerufen hatten, haben die Verantwortlichen einen Rückzieher gemacht. Für uns ist das in Ordnung und jetzt kann uns wenigstens niemand vorwerfen, wir hätten es nicht probiert. Der Kaufversuch war eine Art Selbstverteidigung: Softfair ist ein wichtiges Vergleichsprogramm für uns, es war sehr wichtig, dass kein einzelner Marktteilenehmer Softfair kauft.

procontra: Stichwort Digitalisierung: Wie unterstützen Sie Ihre Makler dahingehend, hybrid zu arbeiten?

Porazik: Wir haben schon die digitale Unterschrift, Taping und Bridge als Videosoftware und viele mehr etabliert und außerdem inzwischen in allen Sparten die Möglichkeit digital abzuschließen.

procontra: Aber es gibt doch sicherlich weitere Pläne und Visionen.

Porazik: Unsere Vision ist, dass ein Makler in Zukunft nur noch drei Dinge braucht: eine Gewerbeanmeldung, eine Anbindung an uns und einen internetfähigen Computer. Wir arbeiten daran, dass seine Tätigkeit möglichst medienbruchfrei und papierlos funktioniert. Bislang machen die Gesellschaften da teils noch nicht mit, da braucht es viel Überredungskunst.

procontra: Es wurde in diesem Jahr oft darüber gesprochen, dass die Corona-Krise auch den Vertrieb in Sachen Digitalisierung befeuert hat. Wie haben Sie das erlebt?

Porazik: Exakt so. Unsere Vermittler haben sich schnell den neuen Tools geöffnet, das Videoberatungssystem wurde – und wird auch weiterhin – von vielen Tausenden genutzt und auch viele Kunden wollen es gar nicht mehr anders. Andererseits ist ein Großteil unserer Makler aber auch wieder zur Vor-Ort-Beratung zurückgekehrt und arbeitet wieder wie vorher.

procontra: Die Krise hat dazu geführt, dass Branchenveranstaltungen in die virtuelle Welt verlegt werden mussten, das traf im März die von Ihnen ausgerichtete MMM und im September die Hauptstadtmesse. Ihre Bilanz?

Porazik: Alles in allem lief das sehr gut. Inzwischen touren wir auch wieder mit unseren Roadshows durch Deutschland. Ich hoffe, dass unsere Messen im nächsten Jahr auch wieder vor Ort stattfinden können. Präsenzveranstaltungen stärken die Bindung und Freundschaft zu unseren Vermittlern. Ich vermisse die persönliche Begegnung mit ihnen sehr.

procontra: Welche Entwicklungen in der Poollandschaft erwarten Sie für die Zukunft?

Porazik: Da wird sich nicht viel tun, wie sich in den vergangenen zehn Jahren auch nicht viel verändert hat. Wie es den Mitbewerbern geht, kann ich nicht beurteilen. Aber wir rechnen immer noch mit einem zweistelligen Wachstum für uns in diesem Jahr und sind daher froh gestimmt. Dank der schnellen Krisenhilfe sind Corona-bedingt rund 800 zusätzliche Makler zu uns gekommen, die nun auch weiterhin Umsatz bei uns schreiben werden.

procontra: In der Branche ist immer wieder von Nachwuchsproblemen zu hören. Macht Ihnen das Sorgen?

Porazik: Nein, ich sehe kein Nachwuchsproblem. Wenn wir vom Vermittlerschwund reden, geht es hauptsächlich um Versicherungsvertreter. Der winzige Rückgang bei den Maklern wird dadurch aufgefangen, dass der Prozentsatz, den der Einzelne beim Pool einreicht, jedes Jahr um 10 bis 15 Prozent steigt. Daher macht uns das keinerlei Schwierigkeiten.

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