Fast 200 Banken erheben Negativzinsen

Florian Burghardt Berater

Laut einer Verivox-Auswertung erheben bereits knapp 200 Banken Negativzinsen auf die Giro- und Tagesgeldkonten ihrer Privatkunden. In Extremfällen zahlen die Sparer damit tausende Euro jährlich für das „Parken“ ihres Geldes.

Kurios: Im Extremfall kann es bei einer Bank dazu kommen, dass ein vermögender Privatkunde bis zu 3.000 Euro im Jahr für ein Tagesgeldkonto mit 0,00 Prozent Zins bezahlt.

Kurios: Im Extremfall kann es bei einer Bank dazu kommen, dass ein vermögender Privatkunde bis zu 3.000 Euro im Jahr für ein Tagesgeldkonto mit 0,00 Prozent Zins bezahlt. Bild: Adobe Stock

Die seit über 10 Jahren anhaltende Niedrigzinsphase hat umfangreiche Strategiewechsel vieler Unternehmen und Angebote zur Folge. Beispielsweise bedingt sie bei der Allianz die Einstellung des lange propagierten Pensionskassengeschäfts und auch für die Höhe der Beitragsanpassungen in der PKV ist sie maßgeblich. Dazu erreichen Verbraucher immer wieder Meldungen von Banken, die Negativzinsen auf Giro- oder Tagesgeldguthaben erheben – auch wenn diese zumindest bei Bestandskunden nicht ohne weiteres umsetzbar sind.

Dennoch machen Negativzinsen Schule. Laut einer Übersicht des Vergleichsportals Verivox erheben bereits 145 Banken Negativzinsen für Privatkunden. Betroffen sind dabei Giro- und/oder Tagesgeldkonten. In die Übersicht mit aufgenommen wurden Banken und Sparkassen, die die jeweiligen Werte in online zugänglichen Preisverzeichnissen oder Produktübersichten veröffentlicht haben.

Auch FinTechs bitten Kunden zur Kasse

Bei den meisten Geldhäusern gelten die Negativzinsen erst ab einem Freibetrag. Bei der Deutschen Bank beispielsweise müssen Kunden jährlich 0,5 Prozent des Guthabens abtreten, das 100.000 Euro übersteigt. Bei der Raiffeisenbank Ortenburg-Kirchberg dagegen gelten minus 0,4 Prozent erst für jeden Euro, der eine Million Euro Guthaben übersteigt. Allerdings nennt Verivox auch 5 Banken, die komplett auf einen Freibetrag verzichten. Hier müssen Verbraucher also ab dem ersten Euro auf ihrem Konto bereits bezahlen.

Ab 50.000 Euro auf dem Girokonto bittet seit kurzem auch das FinTech N26 seine Kunden zur Kasse. Wer mehr Geld auf den Konten der Smartphone-Bank parkt, zahlt dafür jährlich 0,5 Prozent. Dabei hatte das Management von N26, das bereits als wertvollstes FinTech Europas bezeichnet wurde, vor gut einem Jahr noch betont, dass es bei ihm keine Negativzinsen geben werde. Betroffen von der Erhebung werden N26-Neukunden sein. Das ist, laut Verivox, bei vielen der überprüften Geldhäuser der Fall.

Bis zu 3.000 Euro Verlust jährlich

Neben den 145 Anbietern, die ihre Negativzinsen im Internet ausweisen, hat das Vergleichsportal auch 13 Banken ermittelt, die zwar keine Minuszinsen, aber Gebühren für das üblicherweise kostenlose Tagesgeldkonto erheben. In diesen Fällen ergebe sich für die Sparer eine negative Rendite, die faktisch einem Negativzins entspricht. Bei der GLS Bank beispielsweise sind das für Kunden ab 28 Jahren 5 Euro monatlich bei einem Zinssatz von 0,00 Prozent. Bei der Raiffeisen-Volksbank Ebersberg können demnach die Gebühren für das Tagesgeldkonto (0,00 Prozent Zinsen) je nach Höhe des Guthabens bis zu 250 Euro monatlich betragen.

Zu diesen 158 Banken kommen noch einmal 11 Anbieter, die laut Verivox zu einem früheren Zeitpunkt Negativzinsen oder Gebühren für ihr Tagesgeldkonto auf ihren Internetseiten veröffentlicht hatten. Diese Informationen seien mittlerweile aber nicht mehr auffindbar. Weitere 24 würden, Medienberichten zufolge, Negativzinsen erheben. Online zugängliche Quellen gebe es bei diesen aber nicht.

Aber müssen Privatkunden solche Negativzinsen und Gebühren überhaupt akzeptieren? Und welche Alternativen gibt es für sie? Darüber sprach procontra kürzlich im Interview mit dem Verbraucherschützer Niels Nauhauser.

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