FAQ für Vermittler: Wer muss sich wann, wie und wo weiterbilden?

Anne Hünninghaus Berater

Auch nach zwei Jahren IDD-Weiterbildungspflicht herrscht bei vielen Vermittlern und Beratern noch Verwirrung, wenn es um deren konkrete Bedingungen geht. Die BaFin legt nun eine FAQ-Aufstellung nach. Hier die wichtigsten Fakten knapp zusammengefasst.

Weiterbildungspflicht

Auch nach zwei Jahren herrscht bei vielen Vermittlern noch Unklarheit zur Weiterbildungspflicht. Bild: Adobe Stock/New Africa

Seit die Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD im Jahr 2018 in Kraft getreten ist, besteht für Versicherungsvermittler in Deutschland eine Weiterbildungspflicht. 15 Zeitstunden müssen sie jedes Jahr in ihre eigene Fortbildung investieren. Die Corona-Pandemie ändert daran nichts, schließlich stehen mit Webinaren und Selbstlernprogrammen Möglichkeiten jenseits von Präsenzseminaren zur Verfügung.

Offenbar besteht zuallererst aber Bedarf nach einem kurzen Lehrgang zur Richtlinie selbst. Hier gibt es – nicht zuletzt durch teils schwammige Formulierungen in der deutschen Adaption der Richtlinie – in der Praxis bei vielen Betroffenen offenbar noch Unklarheiten. Darauf reagierten BaFin und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nun mit einem Katalog der wichtigsten Fragen und Antworten. Die vollständige Ausführung finden Sie hier.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

1. Wer muss sich weiterbilden?

Artikel 10 der IDD verlangt nach „angemessenen Kenntnissen und Fertigkeiten zur ordnungsgemäßen Erfüllung der Aufgaben“ und Kontrollmechanismen zur „ständigen beruflichen Schulung und Weiterbildung“. Konkret zum Kreis derjenigen, die sich regelmäßig weiterbilden müssen, gehören

  • Versicherungsvermittler und -berater mit Erlaubnis (egal ob haupt- oder nebenberuflich)
  • Beschäftigte, die unmittelbar bei der Beratung oder der Vermittlung mitwirken (z.B. befasst mit Schadenregulierung oder dem Erstellen von Versicherungsverträgen)
  • Ausschließlichkeitsvertreter (hier müssen die Versicherungen die Weiterbildung sicherstellen)
  • Obacht: Auch Inhaber einer „Schubladenerlaubnis“, die von ihrer Erlaubnis als Versicherungsvermittler oder –berater keinen Gebrauch machen, unterliegen der Weiterbildungspflicht, selbst dann, wenn eine Gewerbeabmeldung vorliegt.

2. Wo kann die Weiterbildung absolviert werden?

Das bleibt jedem selbst überlassen: Es gibt nämlich keine offizielle Liste staatlich anerkannter oder zertifizierter Anbieter. die IHK prüft also weder einzelne Anbieter oder Maßnahmen, noch darf sie Empfehlungen aussprechen.

3. Welche Inhalte decken die Pflicht ab?

Hier verweist die BaFin auf Anlage 1 der VersVermV, alle darunter gefassten Inhalte sind anzuerkennen.

  • Aber auch dort nicht aufgeführte Inhalte können geltend gemacht werden, wenn der Bezug zur Versicherungsvermittlung/-beratung erkennbar ist, zum Beispiel im Fall von Transportversicherung, Cyberversicherung oder Warenkreditversicherung. Ebenso anerkannt werden Weiterbildungen zu den in Anlage 1 VAG genannten Versicherungssparten.
  • Produktinformationsveranstaltungen werden ebenfalls angerechnet, sofern die Veranstaltungen das jeweilige Produkt zum Gegenstand haben und es sich nicht um reine Verkaufs- oder Werbeveranstaltungen handelt.
  • Veranstaltungen zu Themen wie Finanzanlagen oder Bausparen werden nur teilweise anerkannt, sofern sie beispielsweise die betriebliche Altersvorsorge oder Lebensversicherungen in den Fokus stellen.

Die erfolgreich abgelegte Sachkundeprüfung als „Geprüfte/r Fachmann/-frau für Versicherungsvermittlung IHK“ selbst wird indes nicht als Weiterbildung berücksichtigt. Ebenfalls nicht anrechenbar sind Maßnahmen zur Umsatzplanung oder -motivation im Vertrieb.

4. Wann beginnt die Pflicht und welche Ausnahmen gibt es?

Der Weiterbildungszeitraum startet mit dem Beginn des Kalenderjahres, in dem die Tätigkeit aufgenommen wurde. Das gilt auch, wenn deren Beginn erst im Jahresverlauf erfolgt. Auch in diesen Fällen sind 15 Stunden zu absolvieren.

Befreiungen von der Pflicht werden selten zugelassen, da es über Selbststudium und Co. niedrigschwellige Angebote gibt. Die einzigen Ausnahmen:

  • Ist ein Gewerbetreibender allerdings nahezu das vollständige Jahr erkrankt, muss er via ärztliches Attest beweisen, dass er sich nicht weiterbilden konnte. Im Einzelfall wird er dann von der Pflicht befreit.
  • Von Beschäftigten mit Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung können Arbeitgeber während dieser Zeit nicht verlangen, dass sie ihrer Weiterbildungsverpflichtung nachkommen. Eine Befreiung folgt aber nur, wenn dieser Zeitraum nahezu das komplette weiterbildungspflichtige Kalenderjahr umfasst.

5. Müssen Weiterbildungsmaßnahmen dokumentiert werden?

Weiterbildungspflichtige müssen Nachweise und Unterlagen über Maßnahmen, an denen sie und ihre Beschäftigten teilgenommen haben, sammeln und fünf Jahre ("auf einem dauerhaften Datenträger") vorhalten. Die Dokumente müssen Namen, Datum, Inhaltsbeschreibung und Anbieter beinhalten.

Wichtig: Sowohl die Erklärung als auch die Nachweise und Unterlagen müssen der IHK allerdings nicht zugeschickt werden, es sei denn, es besteht – im Falle von Stichproben oder nach Verstößen in der Vergangenheit – eine Aufforderung dazu.

6. Welche Konsequenzen drohen bei Verstößen?

Wird die Erklärung nicht abgegeben oder die Weiterbildung nicht ausreichend wahrgenommen, kann eine Geldbuße von 3.000 bis 5.000 Euro fällig werden.

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