Falsches Sparen: Jeder Deutsche verliert im Schnitt 404 Euro im Jahr

Anne Hünninghaus Berater Investmentfonds

Der Weltspartag am 30. Oktober sollte die Deutschen dazu mahnen, ihr Geld mit Blick auf das Älterwerden klüger anzulegen. Zuletzt waren die Strategien stark ausbaufähig – doch ausgerechnet das Corona-Jahr treibt viele weg vom Sparstrumpf hin zum Kapitalmarkt. Hier ist weitere Beratung gefragt.

Am 30. Oktober ist Weltspartag

Am 30. Oktober ist Weltspartag. Bild: Adobe Stock/BillionPhotos.com

Darf es ein neues Smartphone sein? Lieber zwei Paar schicke Winterstiefel? Wie wäre es mit wahlweise fünf Flaschen Whisky oder Champagner? Um welche kleinen Wünsche es sich auch handelt, ein gewisses Luxus-Extra könnten sich deutsche Sparer mit 404 Euro mehr in der Tasche leisten, ohne an anderer Stelle verzichten zu müssen – wenn sie ihr Geld gewinnbringender anlegen würden. Denn diesen Betrag verliert hierzulande jeder Sparer laut einer aktuellen Studie der Deka-Bank im Durchschnitt, indem er seine Rücklagen in Niedrigzinszeiten auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten deponiert.

Als der Weltspartag 1925 ins Leben gerufen wurde, sollte er die Menschen daran erinnern, wie wichtig es ist, Ersparnisse für das Alter anzulegen. Damals sahen gewinnbringende Spareinlagen noch etwas anders aus als unter den heutigen Einflüssen des demografischen Wandels und der Nullzinspolitik, die uns – zusätzlich befeuert durch die Corona-Pandemie – voraussichtlich noch eine ganze Weile lang begleiten wird. Viele Bundesbürger haben es allerdings versäumt, ihre Anlagestrategie an das gewandelte Umfeld anzupassen. Mit 27 Prozent setzt mehr als jeder Vierte bei der Altersvorsoge auf persönliche Rücklagen wie das längst antiquierte Sparbuch, wie eine aktuelle Umfrage der LV1871 in Kooperation mit Yougov ergeben hat – und genau diese Wahl bringt den genannten Verlust.

Langlebigkeitsrisiko steigt weiter

Während das Rentenniveau perspektivisch weiter sinkt, steigt das erwartete Lebensalter. Laut Statistischem Bundesamt wird mehr als jeder Zehnte im Jahr 1990 Geborene ein Lebensalter von 100 erreichen – eigentlich gute Nachrichten, die aber auch bedeuten: Die Rentenlücke vergrößert sich zusehends. Wie viel der Einzelne tatsächlich auf die hohe Kante schaffen sollte, um seinen Lebensstandard im Alter aufrechterhalten zu können, hängt derweil von verschiedenen Variablen ab, darunter auch der Wohnort. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft macht dazu aktuell folgende Beispielrechnung auf: Ein 30-Jähriger, der zeitlebens den Durchschnittslohn verdient, muss während seines Berufslebens rund 110.000 Euro sparen, um im Alter auf ein Sicherungsniveau von 55 Prozent zu kommen, wie es bis zu den Renten-Reformen zur Jahrtausendwende galt. Das macht jährlich knapp 2.700 Euro. Das träfe allerdings nur ein, wenn er tatsächlich mit 67 in Rente gehen würde – was angesichts des Demografieproblems mehr als fraglich sein dürfte.

Um dem sogennnten Langlebigkeitsrisiko zu entgehen, benötigen die Deutschen offensichtlich Beratung, sowohl zur privaten Rentenversicherung als auch zu gewinnbringendem Sparen. Statt auf Zinsen sollten sie derzeit als Äquivalent auf Renditen setzen. Viele haben in diesem Jahr zumindest einen Schritt in die richtige Richtung gewagt: Ausgerechnet die Corona-Pandemie hat deutsche Sparer, die sich zuletzt intensiv mit ihren Finanzen auseinandergesetzt haben, an den Kapitalmarkt getrieben. Laut einer Studie nehmen sie vor allem das Angebot, mit kleinen Beträgen regelmäßig in Wertpapiere zu investieren, als sinnvolle Alternative zum Sparstrumpf an. Zudem ist eine verstärkte Hinwendung zu Investments in Edelmetalle zu beobachten. Das gestiegene Interesse zeigt, dass nun ein guter Zeitpunkt sein dürfte, Beratung anzubieten. Denn auch wenn sich das Wie des Sparens dringend verändern sollte, lässt sich der Weltspartag als Anlass nutzen, um auf die wachsende Dringlichkeit privater Vorsorge hinzuweisen.

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