Elefantenrunde: Wie kommen die Versicherer durch die Krise?

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Corona und Digitalisierungsdruck stellen die Versicherer vor eine doppelte Herausforderung. Wie kann die Branche bestehen und lässt sich aus der Krise womöglich gar ein Vorteil ziehen? Um diese Fragen kreiste in diesem Jahr die traditionelle „Elefantenrunde“ auf der DKM.

Elefanten

Bei der sogenannten "Elefantenrunde" auf der DKM ging es in diesem Jahr um die Krisenresilienz der Branche angesichts der Doppelbelastung Digitalisierung und Corona. Bild: Pixabay/ polyfish

Altes Format in neuer Umgebung: So könnte man die diesjährige „Elefantenrunde“ auf der DKM zusammenfassen. Statt in den Dortmunder Westfalenhallen trafen sich die Vorstände einiger deutscher Versicherer zum Gespräch mit Moderator Marc Surminski in diesem Jahr einige Kilometer weiter südlich, im Sendezentrum von RTL in Köln.  

Die Auswirkungen der Corona-Krise spiegelten sich nicht nur in der neuen Location, sondern auch thematisch wider: Sind die deutschen Versicherer der Doppelbelastung aus Corona und Digitalisierung gewachsen, wollte Surminski von seinen Mitdiskutanten wissen und stieß dabei auf verhaltenen Optimismus. Zwar seien die Versicherer bislang gut durch die Krise gekommen, doch merke man, dass das Neugeschäft durch die Pandemie unter Druck geraten sei. „Wir würden uns wie ein Schneekönig freuen, wenn wir mit einer Null aus der Krise kommen“, erklärte Patrick Dahmen, Vorstandsvorsitzender der HDI Lebensversicherungs AG. Vor allem, da durch die zweite Pandemiewelle die weitere wirtschaftliche Entwicklung unklar sei, sind vielerorts die Erwartungen mit einem großen Fragezeichen behaftet.  

Vorsorgebereitschaft im Aufwind

Allerdings bietet die Krise auch Chancen, waren sich die Diskutanten einig. „Durch unsere kollektive Vermögensanlage haben wir Lebensversicherer gerade in der Nullzinsphase noch größere Vorteile“, bemerkte Andreas Wimmer, Vorstandsmitglied bei der Allianz Leben, und erntete Zustimmung von Rainer Jacobus, Vorstandsvorsitzender der Ideal, der auf die Situation in Japan verwies. Dort ist bereits seit 30 Jahren eine Niedrigzinsphase zu verzeichnen, was sich allerdings positiv auf das Geschäft der Lebensversicherer auswirke. „Während wir in Deutschland auf grob eine Lebensversicherung pro Einwohner kommen, liegt das Verhältnis in Japan bei statistisch 1,5 Verträgen pro Einwohner.“    

Zumal auch in Deutschland offenbar die Vorsorgebereitschaft durch die Krise Aufwind bekommt. „Die Menschen haben die Relevanz der Vorsorge in der Krise erkannt“, glaubt Wimmer. Auch HDI-Vorstand Dahmen berichtete von einer steigenden Bedeutung der Arbeitskraftabsicherung, die sich im Neugeschäft widerspiegele.  

Im Gewerbegeschäft hinge hingegen viel davon ab, wie lange die deutsche Wirtschaft braucht, um sich von den Krisenfolgen zu erholen. Viele Policen sind umsatzbasiert – krankt die Wirtschaft, bekommen es nachgelagert auch die Versicherer zu spüren. Ein Nachfrageproblem seitens der Unternehmen sieht Dr. Nils Reich, Vorstandsmitglied der Axa, jedoch nicht: „Die Nachfrage ist absolut vorhanden. Vor allem im Geschäft mit Cyberversicherungen bemerken wir derzeit eine höhere Aufmerksamkeit seitens der Unternehmen.“  

Beim Themenkomplex Gewerbegeschäft war ein Exkurs auf die Betriebsschließungsversicherung unausweichlich. Der Konflikt um ausbleibende Leistungszahlungen beschäftigt sämtliche Medien, sorgt für Hohn und Spott für die Versicherer und wird durch die anstehende Prozesslawine auch in den kommenden Jahren weiterhin präsent sein. „Es sollte eine Mahnung für alle Versicherer sein, die Bedingungswerke auch für vermeintliche Nebenrisiken klarer zu formulieren“, mahnte Jacobus. Auch auf Versicherer, die kein Gewerbegeschäft zeichnen, wirke sich der Konflikt auf die Außenwirkung aus. „Die Politiker unterscheiden nicht zwischen Leben-, Kranken- und Sachversicherer, der Konflikt trifft uns alle.“  

Nicht vereinzelt, sondern ebenfalls vollumfassend wirkt sich die Digitalisierung auf die Branche aus. Hier sahen sich die anwesenden Branchenvertreter gut aufgestellt, den Lackmustest Corona habe man mit einer schnellen Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice sowie einer Umstellung auf die Video-Beratung bewältigt. „Die Versicherer sind digital besser als ihr Ruf“, sieht Ideal-Chef Jacobus die Branche gut aufgestellt, „wir dürfen uns die Innovationskraft der Branche nicht kleinreden lassen.“  

„Daraus wird etwas Schlagkräftiges"

Jedoch führt die Pandemie als Digitalisierungsbeschleuniger nicht nur zu veränderten Prozessen in den Unternehmen, sondern auch zu einer sich verändernden Erwartungshaltung seitens der Kunden. Schon seit Jahren wird über einen Einstieg von Tech-Giganten wie Amazon, Google & Co. in den deutschen Versicherungsmarkt spekuliert.  

Diese Gefahr zu ignorieren wäre aus Sicht der Versicherer „fahrlässig“ – stattdessen sollte der digitale, kundenzentrierte Ansatz der Big-Tech-Unternehmen genau unter die Lupe genommen werden, um daraus zu lernen, merkte Dahmen an. Eine bloße Kopie greife aber zu kurz. Stattdessen müsse es den Versicherern gelingen, die Schnelligkeit und Transparenz digitaler Prozesse mit der Empathie der persönlichen Beratung zu verzahnen. „Dann wird daraus etwas Schlagkräftiges, mit dem wir Google und Amazon die Stirn bieten können.“

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