Drei Tipps für den BU-Vertrieb unter gewandelten Vorzeichen

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen Top News

Corona, die Zunahme psychischer Erkrankungen, neue Ernährungsgewohnheiten: Wie sollten Vermittler von Berufsunfähigkeitsversicherungen auf Effekte des Wandels reagieren? Consilium-Chef Alexander Schrehardt gab dazu in seiner Keynote auf dem Profino-Biometrie-Kongress eine Anleitung.

Alexander Schrehardt, Geschäftsführer der Consilium Beratungsgesellscft, hielt eine Keynote auf dem zweiten Teil des Profino-Biometrie-Kongresses.

Alexander Schrehardt, Geschäftsführer der Consilium Beratungsgesellscft, hielt eine Keynote auf dem zweiten Teil des Profino-Biometrie-Kongresses. Bild: Consilium

In den achtziger Jahren war die Versicherungswelt noch eine andere, erinnert sich Alexander Schrehardt an frühere Zeiten, in denen der heutige Chef der Consilium Beratungsgesellschaft selbst als Vermittler tätig war. Damals seien neun von zehn Anträgen auf eine BU-Versicherung ohne Komplikationen durchgewunken worden. Heute sieht das anders aus: Laut einer Meldung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft treten bei einem Viertel der Anträge vertragliche Erschwernisse auf.

Was hat sich geändert? Schrehardt holt in seiner Keynote auf dem zweiten Biometrie-Kongresstag der Online-Messe Profino zu einem Rundumschlag aus: Einmal ist da der bedenkliche Trend der vergangenen Jahre, dass psychische Erkrankungen massiv zunehmen – zuletzt verstärkt durch die Corona-Pandemie. Bei einem knappen Drittel der Kinder und Jugendlichen seien in diesem krisenbeschwerten Jahr psychische Auffälligkeiten festgestellt worden. Auch bei den Erwachsenen steigen die Zahlen, teils führen Versicherer bereits um die 45 Prozent der BU-Leistungsfälle auf Erkrankungen der Psyche zurück. „Ich gehe fest davon aus, dass wir, sobald die Corona-Krise halbwegs überwunden ist, deutlich höhere Antragszahlen auf Leistungen in der BU verzeichnen werden“, so Schrehardts Prognose – Konkurse, Kurzarbeit und Co. haben bei vielen Menschen nämlich auch psychisch Spuren hinterlassen.

Zudem gibt es spezielle Fragen, mit denen sich Versicherungen durch das neuartige Virus aktuell beschäftigen müssen: „Corona betrifft eben nicht vor allem die Alten, wie anfangs angenommen“, so Schrehardt. „Der Großteil der Infizierten ist zwischen 20 und 49 Jahre alt. Wer nun eine ausgeheilte Covid19-Infektion hinter sich hat und einen Antrag auf BU-Versicherung stellt, wird bisher zurückgestellt – weil man die Langzeitfolgen nicht kennt.“

Diese gesellschaftlichen Negativtrends wirken sich auf die BU aus

Neben der akuten Krisensituation stellt der Experte weitere Effekte auf die BU durch allgemeine Negativtrends in Ernährungs- und Lebensgewohnheiten fest. Vereinfacht zusammengefasst fällt darunter: Die Deutschen werden immer fettleibiger, erhöhter Online-Konsum der jungen Generation bedingt weniger Bewegung und Fälle von Depression und ADHS nehmen zu. Und dann ist da noch der Klimawandel, der – wie Schrehardt betont – nicht nur Auswirkung auf Elementarereignisse hat, sondern auch auf die Personenversicherung.

Da wäre zum einen die vermehrte Ausbreitung beispielsweise heimischer Zeckenarten, die zu einem Anstieg der Borreliose- und Enzephalitis-Fälle führt – teils mit verheerenden Auswirkungen. Zum anderen importieren wir in Mitteleuropa infolge der höheren Temperaturen tierische Einwanderer wie die asiatische Tigermücke, die unter anderem Infektionen mit dem Dengue-Fieber auslösen können. Aber auch der verlängerte und intensivierte Pollenflug kann Einfluss auf die BU-Beantragung haben, indem er bei Allergikern auch schon im Kindesalter Asthma-Erkrankungen begünstigt.

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