Digitaler Nachlass: Was passiert mit Onlineprofilen, Bitcoins und E-Books nach dem Tod?

Hinterbliebenenabsicherung Berater Top News von Rainer Kreuzer

Für die meisten Internetnutzer sind die digitalen Güter noch immer kein Thema für ihre Nachlassregelung. Nur 13 Prozent haben ihr digitales Erbe vollständig geregelt, 18 Prozent teilweise. Das hat eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom ergeben.

Auch Social-Media-Accounts und Kryptowährungen zählen zum Erbe. Diese lassen sich aber nicht so einfach übergeben wie eine Vase oder ein Wandschrank.

Auch Social-Media-Accounts und Kryptowährungen zählen zum Erbe. Diese lassen sich aber nicht so einfach übergeben wie eine Vase oder ein Wandschrank. Bild: Adobe Stock/Prostock-studio

Der Verband rät dazu, sich möglichst frühzeitig mit seinem digitalen Nachlass auseinanderzusetzen, denn anders als bei den üblichen materiellen Gütern bieten die virtuellen Erbstücke so einige Fallstricke, die für Laien kaum überschaubar sind. Für Makler ein Themenbereich, bei dem sie ihren Kunden eine zusätzliche Beratung anbieten können.

Eine ausführliche Studie hat nun das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie veröffentlicht. Darin wird all das, was der Verstorbene an nur elektronisch verfügbaren Daten, Verträgen und Vermögenswerten hinterlässt, als digitales Erbe bezeichnet. Grundsätzlich ist die Sache klar: Der Bundesgerichtshof hat 2018 in einem Urteil festgestellt, dass das allgemeine Erbrecht auch für den digitalen Nachlass uneingeschränkte gilt. Digitales Eigentum wird nach den gleichen Regeln vererbt wie analoges. In der Praxis aber oft ein schwieriges Unterfangen:

Die Hardware: Hier ist es noch einfach. Dem rechtmäßigen Erben fallen die hinterlassen Geräte, Festplatten und sämtliche Speichermedien zu. Alles, was darauf gespeichert ist, gehört ihm.

Onlinekonten: Hinterlässt der Erblasser Konten oder Wertpapierdepots bei Onlinebanken, gehen auch diese in den Besitz des Erben über. Doch gegenüber Banken im Ausland ist die Kommunikation nicht immer einfach. Wie kann dort glaubhaft die Erbberechtigung nachgewiesen werden? Eine vorsorgliche Regelung mit dem Konto- oder Depotanbieter noch zu Lebzeiten ist ratsam.

Schwierig ist der Studie zufolge die Erbschaft eines PayPal-Kontos. Eine Übertragung des Kontos an Dritte sei nicht gestattet. Wenn sich der Erbe ein noch vorhandenes Guthaben auf ein externes Konto auszahlen lassen wolle, verlange PayPal nicht nur umfangreiche Dokumente, sondern auch eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 40 US-Dollar.

Die Daten in einer Cloud, Gewinne bei Online-Spielen, digitale Bonuskarten, aber ebenso Online-Verträge, Bestellungen, Abos und Daueraufträge werden auf den Erben übertragen. Hier können auch hohe Kosten lauern, etwa wenn teure Streamingdienste abonniert worden sind. In der Regel gilt im Todesfall ein Sonderkündigungsrecht, der der Erbe ausüben kann.

Bitcoins & Co: Hinterlässt der Verstorbene ein Guthaben an Kryptowährungen, so gibt es - anders als bei einem üblichen Bankguthaben – keine Instanz, gegen die der Erbe eine Forderung stellen könnte. Der einzige Zugang zum Vermögen ist der kryptografische Schlüssel, der Private Key. Dieser sollte noch vor dem Tod auf einem lokalen Speichermedium oder in Papierform gesichert werden.

Social Media: Auch hier geht die Vertragsbeziehung des Erblasers mit dem Dienstanbieter auf den Erben über. Doch Vorsicht: Was soll mit dem geerbten Profil geschehen? Der Erbe darf in die Daten des Erblassers Einsicht nehmen, alle Nachrichten lesen, die Profile löschen und das Vertragsverhältnis beenden. Führt er aber das Nutzerkonto des Verstorbenen aktiv fort, so entsteht ein eigener, neuer Vertrag zwischen dem Dienstanbieter und dem Erben. In diesem Fall ist es unbedingt erforderlich, dass auf dem Nutzerprofil, ebenso in einem Blog oder auf einer persönlichen Website, ein Hinweis darüber erfolgt, dass der ursprüngliche Inhaber verstorben ist und dessen Profil, Blog oder Seite nun von einem Erben fortgeführt wird.

Zumindest bei Facebook kann ein Profil nach dem Tod des Nutzers in einen Gedenkzustand versetzt werden. Auch können die Nutzer zu Lebzeiten einen Nachlasskontakt bestimmen. Bei beruflichen Netzwerken wird meist das Profil deaktiviert, sobald der Nutzer tot ist.

Partnerschaftsvermittlung: Die Verträge mit Flirtportalen bilden eine Ausnahme, Sie sind nicht vererbbar, weil sie individuell auf einen konkreten Nutzer zugeschnitten sind. "Insoweit ergeben sich keine Besonderheiten zur Rechtsprechung analog geschlossener Partnerschaftsvermittlungsverträge", heißt es in der Studie des Fraunhofer Instituts.

E-Books: Rechtlich noch unklar ist der Studie zufolge, ob und wie der Erbe die E-Books oder auch Musik- und Filmdateien des Erblassers übernehmen darf. Gehen diese mit der Übernahme des Datenträgers, auf dem sie gespeichert sind, in das Eigentum des Erben über oder handelt es sich nur um Nutzungsrechte, die mit dem Tod des Nutzers enden?

Übersicht: Auf jeden Fall lohnt es sich, möglichst frühzeitig all seine digitalen Güter, Daten und Verträge aufzulisten und die vorgesehenen Erben zu informieren, welche Zugänge es zu welchen Accounts gibt. Sinnvoll erscheint auch eine eindeutige Regelung zu Lebzeiten, wie mit welchen Daten nach dem Tod umgegangen werden soll. Dabei können Makler ihre Kunden beraten.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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