Die Wohngebäudeversicherung bleibt ein Minusgeschäft

Anne Hünninghaus Versicherungen

Trotz leichter Verbesserungen: Nach wie vor kann in dem Geschäftsfeld nicht einmal jeder zweite Anbieter Gewinne verbuchen. Dabei besteht in der Sparte eigentlich großes Wachstumspotenzial.

Lukrativ geht anders: Die meisten Versicherer zahlen bei Wohngebäudepolicen drauf.

Lukrativ geht anders: Die meisten Versicherer zahlen bei Wohngebäudepolicen drauf. Bild: Adobe Stock/Alexander Limbach

Die verbundene Wohngebäudeversicherung (VGV) steckt trotz leichten Aufwinds weiterhin tief in den roten Zahlen. Nicht einmal jeder zweite Anbieter kann in der Sparte Gewinne verbuchen. Mit Blick auf die Profitabilität hat sich die VGV in den vergangenen sechs Jahren damit nicht signifikant verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt die Managementberatung 67Rockwell in einer aktuellen Untersuchung, für die Daten des des GDV ausgewertet wurden.

Zwar sind die Beiträge in den beiden vergangenen Jahren um 7,4 Prozent gewachsen, dennoch bleibt das Resultat mau: Lediglich 40 Prozent der Versicherer konnten hier zuletzt ein positives Ergebnis erreichen. Insgesamt ist es laut der Studie dank marktweiter Sanierungsanstrengungen gelungen, die Schadenkostenquote von durchschnittlich 110 Prozent in 2015 auf 98 Prozent in 2019 zu reduzieren, doch noch immer wachsen 60 Prozent der Versicherer deutlich zulasten ihrer Profitabilität. Die VGV legt seit Jahren zu, obwohl die Versicherungen kein Geld mit ihr verdienen.

Wie wird das Geschäftsfeld erfolgreicher?

Naturkatastrophen und Wetterereignisse nehmen infolge des Klimawandels zu. Noch stärker zur finanziell schwierigen Lage der Sparte tragen einer Assekurata-Studie zufolge aber Leitungswasserschäden bei. 2018 waren diese für 41,5 Prozent der Schäden sowie 50 Prozent der Leistungsausgaben verantwortlich. Für das Minusgeschäft machen die 67-Rockwell-Studienautoren aber auch Vertriebsstrategien verantwortlich: Häufig würde die VGV als „Eintrittsparte“ stark rabattiert und unter Preis verkauft. So würden sich Preise für gleichartige Risiken teils um mehr als das dreifache des Beitrags unterscheiden. Gleichzeitig werde es versäumt, neue Möglichkeiten durch den Einsatz moderner Technologien und Data Analytics-Verfahren zur besseren Risikoeinschätzung auszuschöpfen. Datenbasierte Vorsorgemaßnahmen und Smart-Home-Devices könnten hier Erfolgsfaktoren sein.

Was die VGV indes als Geschäftsfeld dennoch attraktiv macht, sind laut der Studie vor allem vier Faktoren:

  1. Je versichertem Risiko sind die durchschnittlichen Bruttobeiträge vergleichsweise hoch.
  2. Die Privatkundschaft ist eher gehoben und weniger preissensibel als in vielen anderen Sparten.
  3. Im Gegensatz zu Sparten wie der Kfz-Versicherung ist die Wechselbereitschaft sehr gering.
  4. In der Regel können hohe Anbüdenlungsquoten mit anderen Sachversicherungs-, Bauspar- und Kreditprodukten erzielt werden.

Diese Zielgruppe interessiert sich für VGV

Und es besteht weiterhin deutschlandweit großer Bedarf nach VGV-Policen, wie die aktuelle Studie der Gesellschaft für Integrierte Kommunikationsforschung (GIK) Best for Planning 2020 zeigt. Derzeit verfügen 9.259 der insgesamt 30.469 repräsentativ ausgewählten Befragten über eine Gebäudeversicherung. Auf die Gesamtbevölkerung gerechnet wären das gut 21 Millionen Deutsche.

256 Befragte bekundeten ihre Absicht, in den kommenden 12 Monaten eine solche Police abschließen zu wollen. Auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet entspräche das knapp 600.000 Verbrauchern. Die meisten Interessierten sind zwischen 30 und 39 Jahren, dem klassischen Alter, in dem eine Immobilie angeschafft wird. Das monatliche Durchschnittseinkommen der Interessenten liegt bei 3.354 Euro netto.

Dass das Geschäft mit Wohngebäudeversicherungen mitunter schwierig ist, zeigt auch die Branchenmonitor-Studie der V.E.R.S. Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Beratungsunternehmen Sirius Campus. Mit Blick auf die vergangenen sechs Jahre konnten nur 15 der 50 größten Anbieter einen Gewinn erzielen. Wer am tiefsten in den roten Zahlen steckte, zeigt unsere folgende Bilderstrecke.

Wohngebäude: Die sechs unprofitabelsten Versicherer

Hausbesitzer Versicherung (120,06 Prozent)
Die Bayerische Hausbesitzer-Versicherungs-Gesellschaft a. G. kommt im zusammengefassten Durchschnitt der Geschäftsjahre 2013 bis einschließlich 2018 auf eine Combined Ratio von 120,06 Prozent in der Wohngebäudeversicherung. Im Jahr 2018 verfügte das Unternehmen über Bruttobeitragseinnahmen in Höhe von 18 Millionen Euro (0,23 Prozent Marktanteil). Bild: Bayerische Hausbesitzer-Versicherungs-Gesellschaft a. G.
 
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