Die Haftpflichtversicherung und der fehlende Fahrradhelm

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Begründet das Nichttragen eines Kopfschutzes nach einem Unfall ein Mitverschulden des Opfers? Eine strittige Frage, der sich nun das OLG Nürnberg widmen musste.

Fahrradhelm

Begründet das Nichttragen eines Fahrradhelmes die Mitschuld bei einem Verkehrsunfall? Bild: AdobeStock/ Krakenimages.com

Über das Tragen eines Fahrradhelms gehen bei Radlern die Meinungen auseinander: Während Befürworter ihn als wahren Lebensretter preisen, argumentieren Gegner damit, dass das Tragen zu riskanterem Verhalten ermutigt. Zudem gilt die Kopfbedeckung vielen als peinlich, unbequem und ästhetisch fragwürdig.

Doch wie schaut es nach einem Unfall aus? Müssen Radler, die auf einen Helm verzichten, nach einem Unfall für erlittene Kopfverletzungen mithaften? Mit dieser Frage setzte sich nun das OLG Nürnberg (AZ: 13 U 1187/20) auseinander.  

Was war passiert?  

Beim Abbiegen hatte ein Autofahrer eine Radlerin übersehen, die daraufhin mit dem Fahrzeug kollidierte und sich anschließend beim Sturz schwere Kopfverletzungen zuzog. Daraufhin forderte Sie vom Autofahrer Schadenersatz sowie Schmerzensgeld. Dessen Versicherung argumentierte allerdings, dass die Frau keinen Fahrradhelm getragen habe. Hätte sie dies getan, wären die Verletzungen wesentlich glimpflicher ausgefallen – die Versicherung erklärte sich folglich nur bereit, einen Teil des geforderten Schadensersatzes und Schmerzensgeldes zu zahlen.  

Das Urteil  

Dieser Sichtweise folgte das OLG Nürnberg allerdings nicht. „Zumindest im Alltagsradverkehr begründet das Nichttragen eines Helms nach wie vor kein Mitverschulden des verletzten Radfahrers. Eine allgemeine Verkehrsauffassung des Inhalts, dass Radfahren eine Tätigkeit darstellt, die generell derart gefährlich ist, dass sich nur derjenige verkehrsgerecht verhält, der einen Helm trägt, besteht weiterhin nicht“, hielt das Gericht fest.  

In Deutschland bestehe weiterhin keine Helmpflicht – entsprechend könne sich aus dessen Nichttragen auch kein Mitverschulden ergeben. Es gebe auch kein allgemeines Verkehrsbewusstsein im Bezug auf das Tragen eines Fahrradhelmes, da immer noch sehr viele Fahrradfahrer ohne Kopfschutz unterwegs seien. Laut einer Erhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen tragen lediglich im Durchschnitt 18 Prozent aller Radfahrer einen Helm – insbesondere unter Erwachsenen fällt die Quote gering aus.  

Demzufolge müsse die verunglückte Radlerin nicht für den Unfall mithaften. Die Versicherung muss der Frau folglich den gesamten Schadenersatz in Höhe von 20.000 Euro zahlen.

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