Debeka zieht bei PKV-Beiträgen kräftig an

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Die jetzigen Anpassungen der Debeka stehen sinnbildlich für das größte Hemmnis in der privaten Krankenvollversicherung. Viele Menschen schrecken vor der PKV zurück, aus Angst vor stark steigenden Beiträgen, speziell im Alter. Seit über 10 Jahren verzeichnet der Bestand an Vollversicherten einen Abrieb.

Ob die PKV überhaupt noch eine Zukunft hat oder das Ende bevorsteht, darüber wurde heute auch auf der DKM diskutiert. Dabei verwies Timm Genett vom Verband der Privaten Krankenversicherung auf die Wichtigkeit und Stärke des dualen Systems aus PKV und GKV hierzulande. Die PKV würde keine Rosinenpickerei betreiben, so Genett. Vielmehr sei ihr solidarisches Handeln in der Corona-Pandemie besonders zu Tage getreten. Investitionen der PKV hätten überproportional stark zu dem guten Ärzte- und Labornetz beigetragen, dass Deutschland so gut durch die erste Corona-Welle geholfen habe.

Genett geht davon aus, dass das duale System erhalten bleiben wird. Von einem Wachwechsel durch die Bürgerversicherung sei außer gelegentlichen Forderungen nichts zu hören. „Mir sind aktuell keine Arbeiten an konkreten Blaupausen für eine Bürgerversicherung bekannt“, erklärte der Geschäftsführer für den Bereich Politik beim PKV-Verband.

PKV-Zukunft ohne Vollversicherung?

Zwar erklärten Thomas Wiesemann, Vorstand bei der Allianz Krankenversicherung und Olaf Engemann, Vorstand der Süddeutschen Krankenversicherung, dass sie mit dem bisherigen Neugeschäftsverlauf des Jahres 2020 in der PKV zufrieden seien. Um wieder ein positiveres Bild von der PKV zu erzeugen, müsse man aus ihrer Sicht aber mehr über die solidarischen Leistungen wie nun in der Corona-Pandemie informieren.

Wiesemann sagte, bei der Allianz wolle man in Zukunft vor allem mehr über Social Media kommunizieren. Vor allem über die Angebote in der privaten Krankenzusatzversicherung müsste mehr informiert werden. Auch die Themen Pflegeschutz und betriebliche Krankenversicherung (bKV) wolle die Allianz vorantreiben. Von der privaten Krankenvollversicherung fiel in Sachen Zukunftsausblick allerdings kein Wort.

Auch Beamte entscheiden sich für die GKV

Wie geht es also weiter mit der Vollversicherung? Eine heutige dpa-Meldung beantwortet diese Frage indirekt. Demnach haben im Bundesland Thüringen seit Jahresbeginn etwa 1.100 Beamte einen Landeszuschuss für ihren Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse beantragt. Es sei davon auszugehen, dass mindestens 164 dieser Anträge von neu eingestellten Beamten kamen, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Möglichkeit dieses Zuschusses war mit Beginn dieses Jahres eingeführt worden, um Beamten Wahlfreiheit in der Krankenversicherung zu ermöglichen. Normalerweise sind sie privat versichert.

Dieses sogenannte Hamburger Modell hatte seit seiner Entstehung vor gut 3 Jahren viel Kritik erfahren. Letztendlich werden aber die Versicherten entscheiden, welches Modell für die Zukunft steht.

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