Debeka zieht bei PKV-Beiträgen kräftig an

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Deutschlands größter privater Krankenversicherer erhöht die Beiträge für seine Vollversicherten deutlich. Angesichts solcher Beitragssprünge wurde auf der DKM diskutiert, wie die Anbieter das Image der PKV wieder aufpolieren können.

Nach 4 Jahren ohne Beitragsanpassung trifft die Vollversicherten der Debeka nun eine Beitragserhöhung im zweistelligen Prozentbereich.

Nach 4 Jahren ohne Beitragsanpassung trifft die Vollversicherten der Debeka nun eine Beitragserhöhung im zweistelligen Prozentbereich. Bild: Debeka

Die Debeka Krankenversicherung erhöht die Beiträge für alle ihre rund 2,4 Millionen privat Krankenvollversicherten zum 01.01.2021 um durchschnittlich 17,6 Prozent. Dies hat der mit Abstand größte private Krankenversicherer auf dem deutschen Markt heute auf procontra-Nachfrage bestätigt. Zuerst hatten Versicherungsmonitor und Süddeutsche Zeitung über die verhältnismäßig deutliche Beitragsanpassung (BAP) berichtet.

In den vergangenen 4 Jahren hatte es bei dem PKV-Platzhirsch keine Erhöhungen in der Vollversicherung gegeben. Rein rechnerisch wären sie bereits nötig gewesen, doch die gesetzlichen BAP-Vorgaben haben dies bislang unterdrückt. Schließlich dürfen die privaten Krankenversicherer ihre Beiträge erst anpassen, wenn Leistungsausgaben oder Sterbewahrscheinlichkeit um fünf Prozent oder zehn Prozent von der ursprünglichen Kalkulation abweichen. Die notwendigen Erhöhungen „stauen“ sich regelrecht auf und treffen die Versicherten irgendwann mit einem größeren Sprung.

Zinsen bedingen Beitragssprünge

Neben diesen Kosten-Effekten sieht man bei der Debeka aber auch zu einem erheblichen Teil „die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank“ verantwortlich. „Die niedrigen Zinsen belasten jedoch die Rücklagen für die Versicherten, die wegen höherer Leistungsausgaben im Alter angespart werden und die Beiträge dann stabil halten sollen. Daher muss das Unternehmen mehr Rückstellungen bilden, was höhere Beiträge erfordert“, schreibt die Debeka heute in einer Presseinformation.

Die Niedrigzinspolitik beschere den Krankenversicherern Zinsverluste in zweistelliger Milliardenhöhe. So müsse der Rechnungszins für die Alterungsrückstellungen zu Beginn des neuen Jahres von bisher 3,2 Prozent auf 2,3 Prozent in den Vollversicherungstarifen abgesenkt werden. Neben den gestiegenen Kosten müsse also auch dieses Zinsdefizit über die BAP ausgeglichen werden.

BAP in zwei Schritten

Die Debeka verweist allerdings auf eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts IGES, die in ihrem Auftrag durchgeführt wurde. Diese bescheinigt dem Versicherer in den vergangenen 20 Jahren eine durchschnittliche jährliche BAP von 2,8 Prozent. Die 17,6 Prozent zum neuen Jahr sind dabei bereits eingerechnet. Nicht direkt vergleichbar ist dagegen die durchschnittliche jährliche BAP in der GKV. Diese lag, laut IGES, von 2000 bis 2019 bei 2,9 Prozent.

Um die nun anstehende Erhöhung etwas abzumildern, wird sie für manche Angestellte und Selbstständige (Beamte zahlen in der Regel deutlich weniger) in zwei Schritten durchgeführt: 60 Prozent der BAP erfolge per 01.01.2021, die übrigen 40 Prozent sollen dann ab dem 01.01.2022 auf den Beitrag aufgeschlagen werden. Dies gelte nur für die Versicherten aus den Bisex-Tarifen und auch nur für die, die von den zinsbedingten Erhöhungen stark betroffen sind. Das erklärte ein Debeka-Sprecher auf procontra-Nachfrage. Das Prozedere entspreche den rechtlichen und aktuariellen Vorgaben.

Außerdem können Versicherte, die ihren Beitrag senken möchten, auf Wahlleistungen wie Chefarztbehandlung oder Zweibettzimmergarantie verzichten. Nach maximal 2 Jahren können diese Bausteine dann ohne erneute Gesundheitsprüfung wieder eingeschlossen werden. Eine BAP per 01.01.2021 in der Pflegepflichtversicherung wird nicht durchgeführt.

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