Corona und der Traum vom Immobilien-Schnäppchen

Martin Thaler Sachwerte

Immobilien stehen für viele Deutsche an erster Stelle, wenn es um die eigene Altersvorsorge geht. Entsprechend groß war die Hoffnung, durch die Corona-Krise ein Schnäppchen schießen zu können. Auch sonst hat die Pandemie die Wünsche vieler Hauskäufer beeinflusst.

Immobilien

Mehr Platz und im Speckgürtel - durch die Corona-Krise haben sich die Suchkriterien für Immobilien zumindest zeitweise geändert. Bild: Pixabay/ midascode

Wer für das Alter vorsorgen möchte, vertraut dabei immer seltener allein auf Vater Staat. Laut einer Umfrage der HDI Lebensversicherung setzt nur noch ein gutes Fünftel der Deutschen auf die gesetzliche Rente zur finanziellen Absicherung des Ruhestands. Eigene Initiative bei der Geldanlage überwiegt stattdessen, wobei Immobilien bei vielen Anlegern in der Gunst ganz oben stehen. Mehr als jeder Zweite setzt Vertrauen in die eigenen vier Wände, wenn es um die eigene Altersvorsorge geht – weitere 22 Prozent zudem auf vermietete Immobilien.

Wer allerdings gehofft hat, in der Corona-Krise ein Schnäppchen schießen zu können, musste diese Hoffnungen mittlerweile wieder beerdigen. „Obwohl die Pandemie wieder vermehrt in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt, zeigt sich der Wohnimmobilienmarkt zunehmend unbeeindruckt. Sorgen über eine Immobilienkrise sind zurückgegangen. Viele Kaufinteressenten haben sich aber während der Pandemie auch Hoffnungen auf Schnäppchen gemacht. Diese haben sich mittlerweile weitgehend zerschlagen”, kommentiert Steffen Wicker, Gründer des Maklerunternehmens Homeday.  

Hoffnung auf Schnäppchen zerschlägt sich

Laut einer YouGov-Studie, die das Unternehmen in Auftrag gegeben hatte, glaubt nicht mal mehr jeder Dritte (29 Prozent) an sinkende Immobilienpreise – im Mai war noch knapp die Hälfte aller Befragten von Preisrückgängen ausgegangen. Stattdessen rechnen 34 Prozent der Befragten mit steigenden Preisen, 27 Prozent gehen davon aus, dass die Preise stabil bleiben.  

Auch die Bundesbank sieht derzeit keine Anzeichen für eine Preiskorrektur nach unten. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit vielerorts und einer verlangsamten Einkommensentwicklung blieben Wohnimmobilien gerade in Zeiten der Niedrigzinsen eine „attraktive Anlegeralternative“ heißt es von Seiten der Bundesbank. Allerdings könnte der zuletzt deutliche Preisanstieg bei Immobilien durch die Pandemie zumindest verlangsamt werden – zumindest wenn die Konjunkturerholung nicht „gravierend“ gestört werden sollte. Wie sich der für den November angekündigte Lockdown, der bei Veröffentlichung des Bundesbankberichts noch nicht feststand, auf die Konjunktur auswirken wird, bleibt folglich abzuwarten.  

Eine Nummer größer

Feststellbar ist jedoch, dass viele Anleger ihre Immobilienwünsche über die vergangenen Monate angepasst haben. Laut Homeday-Umfrage ist die Größe der Immobilie mittlerweile zum wichtigsten Kriterium der Suche geworden. „Homeoffice und Lockdown haben langfristig dazu geführt, dass bei der Immobiliensuche eher eine Nummer größer als bisher geplant wird”, erläutert Wicker. Gestützt wird diese Interpretation auch von anderer Seite. Gegenüber dem Portal tagesschau.de erklärte Christian Balletshofer, Geschäftsführer Ressort Immobilien bei der Bayerischen Hausbau, dass Käufer derzeit nach dem halben Zimmer mehr suchen würden. Zweieinhalb statt zwei Zimmer gilt für viele Interessenten derzeit als wünschenswert, auch weil das Homeoffice nicht am Küchentisch eingerichtet werden soll.  

Auch auf die bevorzugte Lage der Traumimmobilie scheint sich die Corona-Pandemie auszuwirken – zumindest kurzfristig. So lagen beim Immobilienportal Immoscout24 die Suchanfragen für Eigentumswohnungen und Häuser im Speckgürtel größerer Städte im Juni um jeweils knapp 50 Prozent höher. Im September lag der Zuwachs jedoch nur noch bei gut drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch glaubt Thomas Schroeter, Geschäftsführer bei Immobilienscout24, dass aus der gestiegenen Nachfrage nach Immobilien im städtischen Speckgürtel ein Trend entstehen könnte: „Wegen Corona arbeiteten in den vergangenen Monaten viele Angestellte im Homeoffice. Das Pendeln vom Wohnort zur Arbeit und zurück blieb damit erspart. Gut möglich, dass dieser Trend sich auch nach der Pandemie fortsetzt. Das Umland könnte dadurch an Attraktivität gewinnen.“

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