Corona-Einfluss: Kfz-Versicherer mit Zickzack-Prognose

Anne Hünninghaus Versicherungen

Im laufenden Jahr haben die Anbieter aufgrund der wenigen Schadenfälle viel Geld gespart und erwarten satte Gewinne. Doch bereits für 2021 sieht die Rechnung anders aus, wie nun die Hannover Rück bekanntgab.

Kfz-Versicherer

In diesem Jahr winken Kfz-Versicherern Gewinne, 2021 droht der Verlust. Bild: Adobe Stock/Quatrox Production

Weniger Neuzulassungen, weniger gefahrene Kilometer: Während der Fahrradmarkt in diesem Jahr boomte, bewirkte die Corona-Krise für Autos den gegenteiligen Effekt. Besonders der Homeoffice-bedingt geringe Pendlerbedarf führte dazu, dass viele Menschen das Auto häufiger als gewöhnlich in der Garage ließen. Dass deshalb die Unfallszahlen zurückgingen, ist kaum verwunderlich. Von Januar bis Juli erfasste die Polizei insgesamt 1,3 Millionen Straßenverkehrsunfälle – das waren 17,6 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Einen entsprechenden Rückgang stellten auch die Versicherer in ihren bisherigen Bilanzen fest.

E+S, die Deutschland-Tochter der Hannover Rück, erwartet für das laufende Jahr im Kfz-Bereich 12 Prozent weniger Schäden als im Jahr 2019. Das gab der zuständige Bereichsleiter Andreas Kelb laut der Nachrichtengentur Reuters am Montag in einer Onlinekonferenz bekannt. Den Kfz-Versicherern stünde dadurch ein unerwartet hoher Gewinn von 2,2 Milliarden Euro in Aussicht. Die Hannover Rück hat einen guten Überblick zur Marktlage, da sie mit einem Großteil der deutschen Kfz-Versicherer kooperiert.

Im nächsten Jahr drohen Verluste

Der Rekordgewinn ist aber nur die Kurzzeitperspektive. Schon im kommenden Jahr rechnet die Hannover Rück mit einem branchenweiten Verlust von 0,8 Milliarden Euro in der Sparte. Der Rückversicherer geht laut Pressemitteilung davon aus, dass schon 2021 der Straßenverkehr und damit auch das Schadensniveau wieder auf ein Normalmaß anwachsen. Diese Prognose äußerte auch Kelb trotz aktuell wieder steigenden Infektionszahlen und der Auswirkungen der sich - auch unabhängig davon - etablierenden Homeoffice-Kultur in deutschen Betrieben. Viele Menschen, so Kelbs Annahme, würden umso öfter auf das Auto ausweichen, um der Ansteckungsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln zu entgehen. Zudem sei eine Zunahme des Lieferverkehrs zu erwarten, da Verbraucher verstärkt Waren online bestellten. Dass viele Versicherer ihren Kunden wegen des rückläufigen Schadenaufkommens im kommenden Jahr Beiträge zurückerstatten wollen, ist laut Kelb derweil ein geringerer Kostenfaktor.

Im Kfz-Bereich ist die Wechselbereitschaft der Kunden und somit der Wettbewerb der Anbieter traditionell hoch. Aus diesem Grund werden laut Hannover Rück die durchschnittlichen Versicherungsprämien im Kfz-Geschäft auch im kommenden Jahr kaum steigen. Stattdessen, so die Einschätzung, werden Erstversicherer mit sinkenden oder stabilen Prämien im Neukundengeschäft werben. Aktuell sei eine Reduzierung der versicherten Risiken im Flottengeschäft zu verzeichnen, heißt es in der Pressemitteilung. Auch weist der Rückversicherer darauf hin, dass die zuletzt massive Kostensteigerung bei Ersatzteilen und Reparaturen unverändert anhält. All diese Faktoren könnten sich im kommenden Jahr zulasten der Anbieter auswirken.

Die Abwerberunde ist in vollem Gange

Die nun seit mehr als einem halben Jahr schwelende Corona-Krise weckt bei einem Drittel der Deutschen ein verstärktes Interesse, sich mit den eigenen Versicherungen zu beschäftigen. Das zeigte jüngst der repräsentative Storno-Radar 2020 von Infas Quo mit rund 2.700 Umfrageteilnehmern. Mit 15 Prozent ist die Zahl derer hoch, die einen neuen Kfz-Vertrag erwägen. Das erklärt sich mit Blick auf die aktuelle Abwerberunde vor dem Stichtag am 30. November in Kombination mit dem durch die Krise erhöhten Sparbewusstsein der Deutschen: Ein Drittel der Abschlussinteressierten möchte durch einen neuen Vertrag Kosten reduzieren. Die Sparmotivation zeigt sich besonders deutlich bei den Kunden, die bereits Versicherungen bei einem Direktanbieter abgeschlossen haben: Vor allem die Zielgruppe zwischen 30 und 39 Jahren ist preissensibel.

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