Corona: Diese 7 Schadentrends löst die Krise aus

Anne Hünninghaus Versicherungen

Weniger Unfälle im Straßenverkehr und in Betrieben machen den kleinen Teil der Positiv-Bilanz für Versicherer im Corona-Jahr 2020 aus. Dass die Schattenseiten jedoch überwiegen und wo genau die Risiken lauern, zeigt eine aktuelle Studie der Allianz-Industrietochter AGCS.

In welchen Versicherungssparten besteht durch Corona erhöhte Gefahr für Schäden?

In welchen Versicherungssparten besteht durch Corona erhöhte Gefahr für Schäden? Bild: Adobe Stock/BillionPhotos.com

Die gute Nachricht für Versicherer im Jahr 2020: Bedingt durch die Ausgangssperren haben Schadenmeldungen nach Verkehrsunfällen und Arbeitsunfällen zeitweilig weltweit abgenommen. Allerdings wiegen diese Einsparungen die gigantischen Schadenhöhen in anderen Bereichen aller Voraussicht nach keineswegs auf – im Gegenteil. Das geht aus der Studie „Covid-19 – Changing Claims Patterns” des Allianz-Industrieversicherers Global Corporate & Specialty (AGCS) hervor.

In diesen Bereichen besteht erhöhte Gefahr für Schäden

  • Besonders kostspielig werden Schäden im Zusammenhang mit Absagen von Live-Veranstaltungen und der Unterbrechung von Film- oder Kinoproduktionen in der Unterhaltungsindustrie.
  • Auch in der – bislang wenig betroffenen – Sachversicherung lauern Risiken: Werden Produktionslinien nach einem vorübergehenden Stillstand wieder hochgefahren, kann sich die Gefahr von Maschinenausfällen und -schäden und sogar von Bränden und Explosionen deutlich erhöhen.
  • Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie können ohnehin schon verlustreiche Betriebsunterbrechungen verlängern, befürchtet die AGCS. Viele andere Versicherer sehen sich noch härter von Betriebsunterbrechungen und -schließungen betroffen. Die vorübergehenden Schließungen zahlreicher Betriebe hatten weltweit Rechtsstreitigkeiten mit Versicherern ausgelöst. Für Aufregung in der Branche sorgte in Deutschland zuletzt das womöglich richtungsweisende Münchener Urteil, demzufolge der Versicherer zu Leistungen in Millionenhöhe verpflichtet wurde.
  • AGCS erwartet zeitverzögert einen Anstieg von Haftungs- und Berufsunfallklagen im Zusammenhang mit Corona. Besonders davon betroffen könnten Umgebungen wie Fitnessstudios, Casinos, Pflegeheime, Kreuzfahrtschiffe oder Lebensmittelbetriebe sein.
  • Durch Corona beschleunigt wird die zunehmende Abhängigkeit von Technologie und das wachsende Bewusstsein für Stör- und Verlustfaktoren in komplexen globalen Lieferketten. Hier werden laut der Studie teils Reorganisationen der Prozesse erwartet. Ein solcher Schritt würde sich wahrscheinlich auf die Häufigkeit von Schadenfällen und die Kosten künftiger Betriebsunterbrechungen auswirken.
  • Die – vermutlich nachhaltige – Hinwendung in Richtung Homeoffice bei vielen Arbeitgebern verändert zudem die Risiken für die Arbeitgeberhaftpflicht und für Cybergefahren. Zwar habe AGCS bisher nur einige wenige Cyber-Schadenfälle registriert, die im Zusammenhang mit der Pandemie stehen. Insgesamt ist die Gefahr durch teils mangelnde Absicherung der IT-Infrastruktur und wenig für das Thema sensibilisierte Mitarbeiter stark erhöht.

„Die weitreichenden Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft werden bisherige Schadentrends in der Industrieversicherung langfristig verändern“, schätzt Dr. Thomas Sepp, der als Chief Claims Officer im AGCS-Vorstand den Schadenbereich verantwortet. Laut Lloyds könnte die Branche im Jahr 2020 bis zu 110 Milliarden US-Dollar für Schäden im Zusammenhang mit der Pandemie zahlen müssen. Allein AGCS hat nach eigener Angabe mehr als 450 Millionen Euro für Covid-19-Ansprüche reserviert.

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