BiPRO: Schnittstellen der Versicherer für Bestandsprozesse

Detlef Pohl BiPRO Digital Berater

Weitere Umsetzungsprozesse in BiPRO

Auf den weiteren Plätzen folgen die Prozesse Tarifierung, Angebot und Antrag (kurz: TAA). Von Maklern häufig unbemerkt werkeln diese Normen bei den Vergleichern im Hintergrund und sorgen für aktuelle Tarife, Angebots- und Antragsunterlagen. Der Abrechnungsverkehr (Platz 7) stelle die Vermittler derzeit vor die geringsten Herausforderungen und schaffe somit kaum Nachfrage nach BiPRO-Services, aber gemeinsam mit dem GDV arbeitet die BiPRO an einer Umsetzungsoffensive, so Plagemann. Die Automatisierungsprozesse der Gewerbe- und Industrieversicherung kamen auf Platz 8, die der Altersvorsorge auf Platz 9.

Die Versicherer arbeiten an vielen Umsetzungen (procontra berichtete), der MVP-Markt konsolidiert sich gerade (procontra berichtete). Einigen Versicherern geht das zu langsam voran, so dass sie sich selbst an die Entwicklung einer MVP-Plattform gemacht haben (procontra berichtete).

Datenpflege und Prozessautomatisierung

Am wichtigsten ist es den Maklern laut dvb-Studie 2019, aus ihrem MVP per Knopfdruck im direkten Datenaustausch zwischen MVP und Versicherer die Daten zu bekommen. Dazu braucht es einen sauberen Datenbestand, denn sonst kann das MVP-System die eingehenden BiPRO-Dokumente keinem Vertrag zuordnen. „Erste MVP-Anbieter arbeiten hier mit einer künstlichen Intelligenz, um dieses branchenweit verbreitete Problem in den Griff zu bekommen“, weiß Plagemann.

Es beginne mit dem trivialen Problem der unterschiedlichen Vertragsnummerndarstellung. Wenn ein Vermittler auf die elektronische Vermittlerpost setzt und damit den konventionellen Postweg abschaltet, braucht er eine verlässliche automatisierte Zuordnung der eingehenden Post zu seinen Kunden und Verträgen. Stimmt die Vermittlernummer nicht überein, kommt der beste BiPRO-Service zum Erliegen und der Anwender muss manuell eingreifen. Abhilfe könne ein externer Dienstleister schaffen oder ein Pool, der das Datenclearing mit seinen Systemen bereits erfolgreich umgesetzt hat.

„Sind die Daten und Dokumente im MVP, ist das erst die halbe Miete“, berichtet Plagemann. Abhängig von der Qualität der gelieferten Informationen können diese durch das MVP automatisch den zugehörigen Kunden, Verträgen, Vorgängen zugeordnet werden – oder auch nicht (procontra berichtete). Inzwischen würden fast 78 Prozent der von Versicherern gelieferten Dokumente automatisch den Verträgen und Kunden zugeordnet.

Viele Makler in alter Büroorganisation verhaftet

Dazu haben die Versicherer und die großen MVP-Hersteller Millionen investiert, so Plagemann weiter. Indirekt kritisiert er das Beharrungsvermögen vieler Makler. „Unsere Umfragen zeigen, dass Makler häufig den BiPRO-Funktionsumfang ihres Systems nicht kennen oder kein BiPRO-Modul ihres MVP-Herstellers gekauft oder einfach keine Regeln für die Automatisierung erfasst haben.“ Abwarten sei keine Option, denn „BiPRO ist für Makler 20 Prozent Technik und zu 80 Prozent Büroorganisation“, weiß Plagemann.

Aus diesem Grund könne ein Maklerbüro nicht mal eben so einen IT-Profi beauftragen, BiPRO umzusetzen. Das nähmen ihm auch die großen Plattformen nicht ab, warnt Plagemann. Nur die Pools könnten das, gäben aber dann auch vor, wie der Makler zu arbeiten hat. Jeder Makler brauche die Automatisierung im MVP-System, sonst falle zu viel manuelle Arbeit an, was betriebswirtschaftlich durch die Courtagen nicht mehr gedeckt sei.

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