Betriebsrente: Künftig wohl weniger Garantien

Detlef Pohl Top News Recht & Haftung Berater bAV

Der Niedrigzins erhöht den Druck auf Garantien in der versicherungsförmigen Betriebsrente. Wie sich notleidende Pensionskassen entwickeln und wie die Kapitalanlage umgesteuert werden kann, zeigen die Pensionsaktuare des IVS.

Trägerunternehmen sollten ihre Versorgungseinrichtung mit zusätzlichen Eigenmitteln oder Garantierklärungen ausstatten, rät IVS-Chef Dr. Friedemann Lucius. Bild: IVS

Die EZB zementiert die niedrigen Zinsen nachhaltig. Das ruft entweder den Verzicht auf Garantien in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) oder aber neue Garantiekonzepte auf den Plan. Wie die aussehen könnten, erklärt das Institut der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS), Zweigverein der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).

Kernelement der versicherungsförmigen Durchführungswege Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds ist der Beitragserhalt. Die Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) verlangt diesen nach aktuellem Recht zwingend und somit eine garantierte Mindestleistung. „Mittlerweile sind die Zinsen so niedrig, dass der Beitragserhalt aus aktuarieller Sicht nur mit Mühe, wenn überhaupt versicherungsförmig garantiert werden kann“, analysiert IVS-Vorstandsvorsitzender Friedemann Lucius.

Das IVS kann sich in der bAV ein Garantieniveau deutlich unterhalb des Beitragserhalts von 100 Prozent vorstellen. „Nur dann ist es möglich, nennenswerte Teile des Beitrags risikoreicher, dafür aber mit Aussicht auf mehr Leistung anzulegen“, erklärt Lucius, der im Hauptberuf Vorstandssprecher des bAV-Beratungsunternehmens Heubeck ist. Das Arbeitsrecht müsse dringend geändert werden, damit dem Arbeitgeber nicht Garantien aufgebürdet werden, die ein aufsichtsrechtlich regulierter Versorgungsträger so nicht mehr übernehmen kann.

Beitragsgarantie halbieren?

IVS-Vorstandsvize Stefan Oecking nannte für die Beitragsgarantie einen Wert „oberhalb von 50 Prozent, da es weiter eine nennenswerte Garantie geben muss“. Künftige Garantiekonzepte müssten gänzlich ohne Leistungszusagen auskommen, die Zukunft gehöre beitragsorientierten Zusagen und reinen Beitragszusagen. Das Garantieniveau für Neuverträge sei „auf ein erträgliches Maß zu reduzieren“, so Lucius. Nur so sei es möglich, nennenswerte Teile des Beitrags risikoreicher, dafür aber mit Aussicht auf mehr Leistung anzulegen. „Die Zinskrise ist auch eine Chance, die vorherrschende Garantiefixierung sukzessive aufzubrechen“, so Lucius weiter.

Bereits im Vorfeld hatte die DAV für das Neugeschäft 2021 einen Höchstrechnungszins von 0,5 Prozent vorgeschlagen (procontra berichtete). Seit 2017 liegt der Wert bei 0,9 Prozent (procontra berichtete). Die BaFin hat an die Vernunft der Anbieter von Klassik-Policen appelliert, den Garantiezins freiwillig zu senken.

Speziell für regulierte Pensionskassen, die der BaFin ihre Tarife vorlegen müssen, wählt die Aufsicht aber eine härtere Gangart und genehmigt unbefristet allenfalls noch 0,25 Prozent Rechnungszins beziehungsweise will höherverzinsliche Tarife wie solche mit 0,5 Prozent nur noch befristet akzeptieren (procontra berichtete).

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