Berufsunfähigkeit: Irrtümer halten sich hartnäckig

Martin Thaler Berater

Viele Deutsche sind weiterhin davon überzeugt, dass im Fall einer Berufsunfähigkeit Vater Staat einspringt und ihnen beisteht. Ein fataler Fehler, warnt Metallrenten-Chef Heribert Karch.

Schwan

Kopf im Sand bzw. Wasser: Bei vielen Deutschen scheinen sich Irrtümer zur Arbeitskraftabsicherung besonders hartnäckig zu halten. Bild: Pixabay/ Kranich17

Beim Thema Arbeitskraftabsicherung besteht für Makler offenbar gegenüber vielen Kunden immer noch sehr großer Aufklärungsbedarf. Denn die Hälfte der Deutschen gibt sich überzeugt, im Fall der Berufsunfähigkeit vom Staat aufgefangen zu werden und eine staatliche Rente zu erhalten. Dies geht aus einer Umfrage im Auftrag des Versorgungswerkes Metallrente hervor. Noch verbreiteter ist dieser Glaube in der jungen Generation: Hier gehen 60 Prozent von staatlicher Hilfe im Fall einer Berufsunfähigkeit aus.  

Zwar hat der Staat tatsächlich ein Sicherungsnetz aufgespannt, dieses weist jedoch klaffende Lücken auf: So zahlt der Staat seit einer Reform im Jahr 2001 nur noch für eine Erwerbsminderung. Das heißt konkret: Nur wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, länger als drei Stunden am Tag irgendeiner Beschäftigung nachzugehen, erhält er die staatliche Erwerbsunfähigkeitsrente, die bei gerade einmal knapp 40 Prozent des letzten Nettoeinkommens liegt. Aktuelle Zahlen der Deutschen Rentenversicherung verdeutlichen, dass die Leistungen aus der staatlichen Rentenkassen sich gerade einmal auf Grundsicherungsniveau befinden: Im Schnitt erhielten die Bezieher einer vollen Erwerbsunfähigkeitsrente rund 850 Euro im Monat. Trotz der geringen Höhe verfolgt der Staat bei der Gewährung einen restriktiven Kurs: Laut Regierungsangaben wurde zuletzt fast jeder zweite Antrag negativ beschieden.  

Auch Verbraucherschützer trommelten aus diesen Gründen in den vergangenen Jahren vermehrt für die private Absicherung der eigenen Arbeitskraft. Doch die Irrtümer scheinen sich – wie die Metallrentenumfrage verdeutlicht – hartnäckig zu halten. Dem Großteil der Befragten ist dabei der Unterschied zwischen Erwerbs- und Berufsunfähigkeit nicht bewusst. Nur ein gutes Drittel (36 Prozent) wusste, dass man sich bei fehlender privater Berufsunfähigkeitsversicherung einen anderen Beruf als den erlernten suchen muss, wenn man den ursprünglichen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann.  

Vorsorge möglichst frühzeitig

„Obwohl der Staat sich beim Thema Arbeitskraftabsicherung in den letzten Jahren immer stärker zurückgezogen hat, zeigt unsere Umfrage, dass noch viele Menschen allein auf das staatliche Sicherungsnetz vertrauen. Mit fatalen Folgen: Zu wenige sorgen zusätzlich vor und können so im Ernstfall in finanzielle Not geraten“, mahnt Metallrenten-Chef Heribert Karch.  

Allerdings zeigt die Umfrage auch, dass viele Deutsche bereit sind, privat vorzusorgen – und zwar am besten in frühen Jahren. 27 Prozent der Befragten hielten es am sinnvollsten, bereits im Schüler-Alter seine Arbeitskraft entsprechend abzusichern. Gerade hier profitieren die Menschen unter anderem noch von einem besseren Gesundheitszustand, der sich unter anderem in einer geringeren Beitragshöhe niederschlägt. Knapp 60 Prozent wollen mit dem Eintritt ins Berufsleben auch gleichzeitig ihre Arbeitskraft absichern, nur jeder Zehnte will damit bis zur Gründung seiner Familie warten.  

Sorge bereitet vielen Menschen dabei nicht mehr nur ihre physische, sondern auch ihre psychische Konstitution. Insbesondere bei Frauen ist die Angst verbreitet, aufgrund von Depressionen oder anderen psychischen Leiden berufsunfähig zu werden. Bei Männern ist diese Angst weit weniger ausgeprägt.   Statistiken zu den offiziellen Gründen einer Berufsunfähigkeit korrelieren dabei mit den Ängsten. Längst sind psychische Leiden die Hauptursache für eine Berufsunfähigkeit. Erste Versicherer haben nun Präventionsprogramme ins Leben gerufen, mit denen Depressionen, Burn-out & Co. frühzeitig erkannt und behandelt werden können, um eine Berufsunfähigkeit abzuwenden.

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