Anlegern mangelt es an Ansprechpartnern zu ESG-Investments

Anne Hünninghaus Investmentfonds Berater

Über nachhaltige Kapitalanlagen wird derzeit viel geschrieben und gesprochen. An Expertise im Beratungsgespräch mangelt es jedoch: Nur sieben Prozent der Deutschen können dafür einen konkreten Kontakt nennen. Finanzberatern ist hier dringend zur Weiterbildung geraten.

Studie zu nachhaltigen Investments

Nur sieben Prozent der Deutschen können einen Ansprechpartner zum Thema nachhaltige Kapitalanlagen nennen. Bild: Adobe Stock/Henry

Nachhaltige Investments liegen im Trend, vor allem im Privatkundengeschäft. Doch nur sieben Prozent der Deutschen können einen Ansprechpartner zum Thema nachhaltige Kapitalanlagen nennen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) in seiner von INSA Consulere durchgeführten Studie mit 3.066 Teilnehmern. Dem Großteil der Befragten ist eine solche kundige Kontaktperson – zum Beispiel bei der Hausbank oder bei dem Vertriebsunternehmen – nicht bekannt. Wie vermögend die Kunden sind, spielt derweil für die Beratung in Sachen ESG-Investments der Studie zufolge keine Rolle. ESG steht für Umwelt- Sozial- und Governance-Kriterien, die die Unternehmen einhalten müssten, damit ein Fonds in sie investiert.

Diese Zahl macht offensichtlich, dass das Thema bisher noch keine Rolle in Beratungsgesprächen gespielt haben dürfte. Dabei läge es angesichts der wachsenden Dominanz des Themas ESG eigentlich auf der Hand, dass Finanzberater bei ihren Kunden Interesse an einem nachhaltigen Investment automatisch abfragen. Ende 2019 betrug das nachhaltige Anlagevolumen laut dem Fachverband Forum Nachhaltige Geldanlagen 18,3 Milliarden Euro betrug – eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Die Relevanz dieser Anlageform für denjenigen, die gut beraten sind, ist also offenbar gegeben.

Kunden haben wenig Vorwissen

Statt von einem Experten auf entsprechende Möglichkeiten hingewiesen zu werden, müsste also der Kunde aktiv werden, die Anlageform selbst recherchieren und ein Gespräch darüber einfordern. Keine optimale Situation, zumal ab September 2021 die EU die Berater beim Thema nachhaltige Investments mittels Präferenzabfrage in die Pflicht nehmen wird: Voraussichtlich ab diesem Zeitpunkt sind sie verpflichtet, zum Thema zu informieren und entsprechende Produkte anzubieten. So müssen Berater erklären können, was es bedeutet, wenn der Fonds bestimmte Unternehmen ausschließt (und warum) oder wenn Ausschlüsse innerhalb einer „Best-in-Class”-Strategie erfolgen. Auch die Frage, ob Nachhaltigkeit Rendite kostet, muss er souverän beantworten können. Für Berater, die sich in Sachen ESG schon jetzt weiterbilden möchten, steht eine große Auswahl an Angeboten bereit.

Bei den potenziellen Kunden sollten Experten trotz der Beliebtheit des Themas nicht zu viel Vorwissen voraussetzen, wie die DIA-Studie zeigt: Nur 14 Prozent der Umfrageteilnehmer können überhaupt definieren, was nachhaltige Kapitalanlagen sind. Die Umfrage ermittelte auch, inwieweit Nachhaltigkeit bei Anlageentscheidungen in der Vergangenheit bereits eine Rolle gespielt hat und unter welchen Bedingungen damit zu rechnen ist, dass Anleger bei künftigen Investitionen die Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung berücksichtigen. Männer meinen öfter sich auszukennen (26 Prozent) – was aber nicht immer der Realität entspricht. 17 Prozent der Männer gaben die richtige Antwort, 9 Prozent gaben vor, den Begriff zu verstehen, konnten ihn aber nicht korrekt bestimmen. Bei den Frauen fällt das Verhältnis auf niedrigerem Niveau ähnlich aus. Von ihnen gaben nur 12 Prozent die korrekte Antwort.

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