Zahnzusatz: Ein Vorbild für die Pflegeversicherung?

Florian Burghardt Berater

Die private Zahnzusatzversicherung wird weiter stark nachgefragt. Immer mehr Verbraucher haben anscheinend verstanden, dass die GKV keinen vollständigen Kostenersatz leisten kann. Ist derselbe Trend bald auch in der Pflegezusatzversicherung denkbar?

Immer mehr Menschen schließen eine private Zahnzusatzversicherung ab. Wird sich die private Pflegezusatzversicherung auch bald über wachsende Nachfrage freuen?

Immer mehr Menschen schließen eine private Zahnzusatzversicherung ab. Wird sich die private Pflegezusatzversicherung auch bald über wachsende Nachfrage freuen? Bild: Pixabay

Die Verbreitung der privaten Krankenvollversicherung stockt schon seit einigen Jahren. Das hat unter anderem dazu beigetragen, dass die PKV-Beratung immer seltener die hauptsächliche Einkommensquelle für Makler darstellt. Daran kann offenbar auch die private Krankenzusatzversicherung nichts ändern, obwohl sich diese – konträr zur Vollversicherung – weiterhin im Nachfragehoch befindet.

Bei diesen Policen, ergänzend zu den Leistungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), stechen die Zahnzusatzversicherungen besonders heraus. Um 389.000 Policen (+2,4 Prozent) hat der Gesamtbestand von Zahnzusatzversicherung im Jahr 2019 zugenommen. Laut dem PKV-Verband lag dieser zum Jahresende bei 16,4 Millionen Verträgen. Der Zahnschutz macht dabei den Großteil der insgesamt knapp 27 Millionen Zusatzversicherungen aus.

Jeder zweite Deutsche betroffen

Die anhaltende Nachfrage ist vor allem dadurch bedingt, dass die Krankenkassen weiterhin nur Zuschüsse zu den ärztlich festgestellten Kosten leisten. Gesetzlich versicherte müssen weiterhin 25 bis 40 Prozent der Kosten zuzahlen. Der Festzuschuss der Kassen richtet sich zudem nach deren Regelversorgung. Wer eine hochwertigere Versorgung wünscht, muss auch dafür bezahlen. Bei hochwertigem Zahnersatz können dann leicht vierstellige Beträge auf die Patienten zukommen.

Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht gering. Denn laut Daten der Zurich-Tochter DA Direkt benötigen heute durchschnittlich 52 Prozent aller Deutschen Zahnersatz. Dafür entstehen pro Jahr Kosten von rund 3 Milliarden Euro.

Boomt auch bald die private Pflegevorsorge?

Mit Blick auf die Bestandsentwicklung in der Zahnzusatzversicherung (plus 4 Millionen Policen in 10 Jahren) zeigt sich eine Tendenz: Die Verbraucher haben anscheinend verstanden, dass sie aus der GKV nicht mit vollständigem Kostenersatz für Zahnbehandlung und Zahnersatz rechnen können. Vor allem dann nicht, wenn es besonders hochwertig und teuer wird. Folge: Sie sorgen selbst privat vor.

Eine Ausgangslage, wie man sie auch schon lange aus der Pflege kennt. Nicht erst seit gestern wird aufgrund der steigenden Eigenanteile für ambulante und stationäre Versorgung über einen Umbau der gesetzlichen Pflegeversicherung diskutiert. Auch eine verpflichtende Pflegezusatzversicherung für jeden Arbeitnehmer ist bereits im Gespräch. Doch eine tiefgreifende Reform braucht Zeit und gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wird eine große staatliche Subvention der Pflegevorsorge zunehmend fraglich. Am schnellsten – schließlich kann in der Zwischenzeit ja auch etwas passieren – werden sich Verbraucher wohl, wie bei ihren Zähnen, privat absichern können.

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