Welche Dokumente sind für den Ernstfall wichtig?

Hinterbliebenenabsicherung Berater von Rainer Kreuzer

Auch der Tod muss vorbereitet werden. Wer keine Vorsorgemaßnahmen trifft, hinterlässt viel Ärger und Stress. Makler können ihre Kunden bei der Vorsorge hilfreich unterstützen.

Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare! Dieses Sprichwort gibt es nicht umsonst. Da ist es wichtig, einen guten Berater zu haben.

Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare! Dieses Sprichwort gibt es nicht umsonst. Da ist es wichtig, einen guten Berater zu haben. Bild: Adobe Stock/Julien Eichinger

Verkehrsunfälle, Herzinfarkt oder eine gefährliche Infektion. Auch jüngere Menschen können mitunter schneller in einer Intensivstation landen, als ihnen lieb ist. Dann müssen viele Fragen rasch entschieden werden. Aber wie? Nur zehn Prozent aller Betroffenen im vergangenen Jahr hatten eine Vorsorgeregelung getroffen, wie aus dem Jahresbericht des Zentralen Vorsorgeregisters der Bundesnotarkammer hervorgeht. Makler, die mit ihren Kunden einen Versicherungsvertrag beraten, können sich bei der umfangreichen Vorbereitung als wertvolle Stütze erweisen. Allgemeine Bestimmungen und Sachverhalte dürfen Makler ihren Kunden erklären. Auch bei der Erstellung eines Notfallplans, eines Notfallordners oder Ablaufplans dürfen Makler aktiv mitwirken. Vorsicht aber ist geboten, wenn dies in den gesetzlich geschützten Bereich der Rechtsberatung führt. Verboten sei jeweils die Beratung bei der individuellen Ausgestaltung einer Vollmacht, erläutert René Schneider, Vorstand der Deutschen Vorsorgedatenbank AG. "Für die Erstellung dieser Vorsorgedokumente ist der Kunde selbstverantwortlich." Rechtliche Beratungen dürfen nur Anwälte und Notare durchführen.

Welche Dokumente sollten vorzeitig erstellt werden?

1. Vorsorgevollmacht

Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmt der Betroffene eine Person seines Vertrauens für den Ernstfall. Wenn der Vollmachtgeber nicht mehr in der Lage ist, seine Interessen zu vertreten oder seinen Willen zu äußern, ist die bevollmächtigte Person berechtigt, dies stellvertretend zu übernehmen. In der Regel umfasst die Vorsorgevollmacht die Vermögensangelegenheiten, die Gesundheitsfürsorge sowie die Entscheidungsbefugnis über den Aufenthaltsort.

Fehlt im Notfall eine Vorsorgevollmacht, so muss das Amtsgericht eine rechtliche Betreuung anordnen. Aber auch für eine mögliche Betreuung können Details vorgesorgt werden: Mit einer Betreuungsverfügung lassen sich Fragen wie die nach einer Unterbringung oder Art und Ort einer Versorgung vorab genau regeln. Das Gericht muss diese Wünsche berücksichtigen.

2. Patientenverfügung

Die Patientenverfügung legt fest, ob und wie die betreffende Person in einer Notsituation, in der sie keine eigenen Entscheidungen mehr treffen kann, medizinisch behandelt werden möchte. Damit kann voraus bestimmt werden, welchen Untersuchungen, Therapien oder Eingriffen der Patient zustimmt oder welche er ablehnt.

Sowohl die Vorsorgevollmacht, die Betreuungsverfügung also auch die Patientenverfügung sollten sinnvoller Weise im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer regsitriert werden, damit sie rechtzeitig aufgefunden und wirksam werden können. Hierbei kann der Makler genauere Informationen über den technischen Ablauf anbieten, darf sich aber nicht beratend bei der inhaltlichen Ausgestaltung engagieren.

3. Sorgerechtsverfügung

Das Gleiche gilt für die Sorgerechtsverfügung. Eltern von minderjährigen Kindern tragen Verantwortung für das Wohl ihres Nachwuchses. Was passiert, wenn beide oder der einzig sorgeberechtigte Elternteil plötzlich ausfallen? Dann müssen Jugendamt und das Familiengericht entscheiden, wo und wie die minderjährigen Kinder untergebracht werden. Mit einer Sorgerechtsverfügung können Eltern schon vorab einen Vormund oder Pfleger bestimmen und auch bestimmte Personen vom Erhalt des Sorgerechts ausschließen. Damit die Verfügung im Fall der Fälle auch gefunden werden kann, empfiehlt das hessische Justizministerium eine Aufbewahrung beim potentiellen Vormund oder, sie "in Form eines Testaments gegen eine Gebühr beim Nachlassgericht in besondere amtliche Verwahrung zu geben".

4. Testament

Wer erbt das Haus, wer das Tafelsilber? Testamente von vermögenden Verwandten sind oft heiß begehrt und können zu so einigen Verwerfungen führen. Umso wichtiger ist eine vorsorgliche und genaue Regelung. Grundsätzlich kann das Testament handschriftlich verfasst werden. Allerdings muss es im Todesfall gefunden werden. Eine sichere Alternative ist ein notariell hinterlegtes Testament. Dieses wird an das Nachlassgericht weitergeleitet und im Zentralen Testamentsregister eingetragen. Auch hier darf der Makler bei der inhaltlichen Gestaltung nicht beraten.

5. Notfallplan

Als Makler bietet sich vor allem an, bei der Erstellung des Notfallplans mit allgemeinen Tipps und Fragen zu unterstützen. Der Handlungsentwurf ist kein rechtskräftiges Dokument wie etwa das Testament, sondern eine Übersicht, die die Vertrauenspersonen, Angehörige oder Verwandte darüber informiert, was im Todesfall ansteht, welche Dokumente und Absicherungen existieren, wo sie verwahrt sind und wer Ansprechpartner ist.

Als zentraler Knackpunkt erweist sich oft die Aufbewahrung. Handschriftlich verfasste Testamente, die zu Hause im Schreibtisch liegen, können durchaus verschwinden, wenn benachteiligte Erben ein größeres Stück vom Kuchen begehren. Ein abgeschlossener Safe muss auch geöffnet werden können. Wo liegt der Schlüssel oder welcher Code passt? Wo finden sich die Versicherungspapiere, die Sparbücher und die laufenden Verträge?

Eine Menge Arbeit und Themen für Makler, die ihre Kunden rundum absichern wollen!

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