Wann lohnt sich der Kauf einer Immobilie, Herr Heid?

Anne Hünninghaus Sachwerte Top News

procontra: Insbesondere, wenn es um ein Objekt geht, in das der Käufer selbst einziehen möchte, treten die von Ihnen genannten rationalen Argumente oft in den Hintergrund. Worauf ist dann zu achten und wann würden Sie vom Kauf abraten?

Heid: Wer damit Geld verdienen möchte, sollte in den Ballungsgebieten interessante Straßenzüge suchen, die noch nicht völlig von der Wertentwicklung erfasst sind. In den begehrten Lagen müssen Sie bei der Anzahl der Angebote wirklich schnell zuschlagen, sonst bekommen Sie sie nicht. Eine Wohnimmobilie in einer attraktiven Gegend zu besitzen, ist für den Endverbraucher in der Regel lohnend. Dennoch ist es tendenziell oft klüger, ein Objekt zu kaufen und dann zu vermieten, da sich bei der Eigennutzung keine Steuervorteile ergeben. Ein schönes Einfamilienhaus in mancher Region, zum Beispiel der Pfalz oder dem Umland von Leipzig, erfährt manchmal keinerlei Wertsteigerung.

procontra: Wie lautet Ihre Empfehlung in einem solchen Fall?

Heid: Für den Käufer wäre es dann besser, an seinem Wunschwohnort ein Haus zu mieten und gleichzeitig woanders eines als Vermietungsobjekt zu kaufen. Mein Rat ist also: Bleiben Sie in einem solchen Fall besser im Mietshaus, auch wenn das in Deutschland in der Regel nicht propagiert wird, als Ihr Eigentum selbst zu beziehen. Wenn Sie vermieten, können Sie nämlich alle Investitionen ins Haus steuerlich geltend machen. Die eigene Immobilie ist für die meisten Menschen die größte Investition in ihrem Leben. Statt hier teils Hunderttausende Euro zu verschenken, indem man wenig strategisch vorgeht, sollte man diese lieber in die Altersvorsorge oder eine Kapitalanlage investieren. Da werden oft unkluge finanzielle Entscheidungen getroffen.

procontra: Bei vielen trifft der Druck, sich schnell entscheiden zu müssen, auf den Gedanken, dass jetzt eine günstige Zeit ist, um den Traum vom Eigenheim umzusetzen. Führt das zu irrationalem Verhalten?

Heid: Ja, dann ist es manchen Kunden egal, wenn der Preis eigentlich zu hoch angesetzt ist. Wir weisen dann darauf hin, beispielsweise: „Sie zahlen einen Aufpreis von 20 Prozent“, aber viele ignorieren das, wenn sie sich in ein Objekt verliebt haben. Den derzeit niedrigen Zins sollte man jedoch nicht überbewerten. Wenn der Zins sinkt, steigen die Immobilienpreise und andersherum. Das führt zur problematischen Frage: Was machen Sie, wenn der Zins wieder steigt? Dann haben Sie ein enormes Preisrisiko. Wenn wir uns aber Corona und Europa im Ganzen angucken, ist ein höherer Zinssatz in den nächsten zehn Jahren nicht zu erwarten.

procontra: Ab welcher Höhe der Monatsraten sprengt der Kauf einer Immobilie das eigene finanzielle Limit?

Heid: Die Raten sollten 33 Prozent der Nettoeinkünfte nicht überschreiten. Vor allem, wenn man selbst einzieht, sollte man aber nicht nur die Darlehensrate beachten, sondern auch Grundsteuer und Instandhaltungskosten einberechnen und Rücklagen bilden, um einen Puffer für Reparaturen und Co. zu haben. Das wird in der Praxis zu selten gemacht. 

procontra: Dringen rationale Argumente durch, wenn Sie den Menschen aus den vorhin genannten Gründen vom Kauf des Eigenheims abraten?

Heid: Wenn wir Leute beraten, ist die Entscheidung meist schon gefallen. Aber das ist der Fehler, den der Mittelstand macht. Wir müssen uns klar werden: Gönnt man sich ein Haus, in dem man selbst wohnen möchte, ist das ein Konsumprodukt. Das ist natürlich legitim, wenn es einem Freude macht. Aber man sollte sich nicht vorgaukeln, dass das zwangsläufig ein Investment ist.

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Wann ist vom Kauf abzuraten?