Vor allem junge Menschen fordern mehr Telematik-Tarife

Florian Burghardt Berater

Etwa jeder dritte Deutsche würde Telematik-Tarife abschließen und jeder Zweite hält diese sogar für gerechter. Das belegt eine Umfrage. Deren Ergebnisse lassen aber auch auf Bedenken hinsichtlich personalisierter Versicherungen schließen.

Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren halten Telematik-Tarife mit personalisierter Prämie für die gerechtere Form der Versicherung.

Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren halten Telematik-Tarife mit personalisierter Prämie für die gerechtere Form der Versicherung. Bild: Pixabay

Telematik-Versicherungen wird schon seit Jahren großes Potenzial nachgesagt. Die Idee: Wer fit ist oder besonders sicher Auto fährt, muss beispielsweise für seine Berufsunfähigkeits- oder Kfz-Versicherung weniger bezahlen als üblich. Das ist teilweise schon Realität. Jedoch wächst die Anzahl der abgeschlossenen Verträge eher langsam und auch Versicherungsmakler sehen in den modernen Policen keinen Verkaufsschlager.

Dabei ist das Potenzial offenbar noch größer als bisher angenommen. Zumindest gaben innerhalb einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage (1.004 Teilnehmer/innen ab 18 Jahren) der Bitkom Research GmbH (im Auftrag des Digitalverbands Bitkom) 29 Prozent der Befragten an, dass sie gerne solche individualisierten Versicherungsangebote nutzen würden. Von den jungen Teilnehmern (18 bis 29 Jahre) würden sogar 41 Prozent den Versicherern gerne persönliche Daten über ihr Verhalten zur Verfügung stellen, wenn sie dafür weniger bezahlen müssten.

Ist Telematik gerechter?

Knapp die Hälfte aller Verbraucher (48 Prozent) hält personalisierte Versicherungen zudem für gerechter, weil dabei jeder Einzelne stärker für sein eigenes Risiko einstehen muss. Bei den jüngeren glauben 44 Prozent, dass sie von Telematik-Tarifen profitieren würden (insgesamt 37 Prozent). Bedenken zu Transparenz und Datenschutz der Produkte, wie sie kürzlich der BdV äußerte, haben die Deutschen offenbar weniger. Jeder Dritte Befragte (bei den jüngeren 38 Prozent) wünscht sich, dass die Politik die Nutzung von Daten für Versicherungen sogar noch erleichtert.

Ganz ohne Zweifel sind die Befragten aber doch nicht. Immerhin jeder Zehnte (Jüngere 6 Prozent) äußerte Bedenken, dass er bei einem reinen Telematik-Markt vielleicht gar keinen Versicherungsschutz mehr erhalten würde. Insgesamt 45 Prozent (Jüngere 37 Prozent) machen sich zudem Sorgen, dass ein größeres Angebot an Telematik-Versicherungen das Prämienniveau anheben würden. Logisch, denn der Ausgleich im Kollektiv würde wegfallen. Somit müssten die ungesünderen, schadenträchtigeren Bestände mehr Prämien von ihren Versicherten einnehmen, um den Weggang der risikoärmeren Menschen auszugleichen.

Trotz des offenbar großen Potenzials ist die Hemmschwelle, wirklich eine Telematik-Versicherung abzuschließen, weiterhin vorhanden. Den 51 Prozent aller Befragten glauben, dass von den personalisierten Angeboten vor allem die Versicherungsunternehmen profitieren würden.

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