Versicherungsschutz: Finanztest bagatellisiert die Gefahr von Sportunfällen

Detlef Pohl Top News Berater Zielgruppenansprache

Kürzlich hat die Stiftung Warentest den Versicherungsschutz bei Sport und Hobby aufgelistet. Auch wenn es sich nicht um einen richtigen Test handelte: Die Tipps der Redaktion sind teils lapidar und mitunter brandgefährlich, weil wesentliche Aspekte nur angerissen werden.

Wer im Verein Fußball spielt, sollte an eine BU- oder wenigsten private Unfallversicherung denken. Finanztest-Hinweise auf Privathaftpflicht- und Hausratpolicen helfen bei Invalidität kaum weiter. Bild: Pixabay/ planet_fox

Die Stiftung Warentest hat in der September-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest den privaten Versicherungsschutz bei Sport und Hobby beleuchtet. Statt Tarife zu untersuchen, gab es vonseiten der Redaktion nur generelle Tipps. Daher hat Finanztest kein hartes Test-Urteil abgegeben – wie schon kürzlich bei Grundfähigkeitsversicherungen, Cyberversicherungen für Privatkunden (procontra berichtete) sowie bei der Funktionsinvaliditäts-Versicherung (procontra berichtete).

Die Tipps klingen bagatellisierend: „Nur wenige brauchen Extraschutz. Viele haben die nötigen Tarife ohnehin. Die Privathaftpflichtversicherung springt ein, wenn versehentlich fremde Sachen zu Bruch gehen oder jemand verletzt wird, die Hausratversicherung kann beim Diebstahl teurer Sportgeräte helfen. Invaliditätsversicherungen leisten bei finanziellen Folgen von Sportunfällen und die Auslandskrankenversicherung schützt im Urlaub.“

Tipps wiegen Leser in falscher Sicherheit

Mag ja sein, aber bei so groben Hinweisen erkennt der Verbraucher nicht das Wesentliche und womöglich auch nicht seine Deckungslücken. Und die hat jeder, der keine BU-Versicherung besitzt. Dann ist eine gute Unfallversicherung mit hoher Invaliditätssumme nötig. Wie viel sie letztlich nach einem Sportunfall zahlt, richtet sich nach der Gliedertaxe.

Immerhin gibt Finanztest einen wichtigen Hinweis: „Bei Sportvereinen, die Mitglied in einem Landessportbund (LSB) sind, sind die Sportler über die Vereinshaftpflicht- und Vereinsunfallversicherung abgesichert.“ Eine Mitgliedschaft im jeweiligen LSB ist aber nicht überall verpflichtend. Die Vereinshaftpflicht greift zudem erst, wenn das Mitglied selbst keine Privathaftpflichtversicherung hat oder diese den Schaden nicht bezahlen will.

Vereinsunfallversicherung mit begrenzter Leistung

Gerade beim privat betriebenen Sport tut zusätzliche Vorsorge Not, heißt es bei der Arag Allgemeine, die 15 Landessportverbände versichert. Mit Abstand am gefährlichsten: Fußball (33 Prozent der Fälle), gefolgt von Handball, Inline-Skaten und Reiten. Hier ist die gesetzliche Unfallversicherung nicht zuständig. Faustregel: Jeder Sportverein, der einem LSB angehört, besitzt über einen Gruppenvertrag eine so genannte Sportversicherung.

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Vereinsunfallpolicen regional von unterschiedlicher Qualität

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