Vergleichsrechner: Qualitative Betrachtung für Berater wichtig

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache

Der Markt bietet Maklern verschiedene Vergleichsrechner für Altersvorsorgeprodukte. Doch häufig werden Äpfel mit Birnen verglichen. Warum Rankings zur Ablaufleistung nicht mehr ausreichen und wie sich qualitative Kriterien davon abheben.

Michael Hauer

„Vernünftige Beratung muss die Risikoneigung des Kunden mit den Chancen und Risiken des Vorsorgeprodukts in Einklang bringen; das geht nur mit stochastischer Modellierung der Tarife“, weiß IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer. Bild: IVFP

Das meiste Altersvorsorgegeschäft im zweiten Quartal 2020 ging an Fondspolicen, sagen 58,5 Prozent der Makler. Es folgen bAV (53 Prozent), Riester-Vorsorge (50,6 Prozent) und Basisrente (44,5 Prozent). Abgeschlagen sind Indexpolicen (28,8 Prozent) sowie alte und neue Klassikrenten (26,1 Prozent). Das ist das Ergebnis der Umfrage „Trends II/2020“ der BBG Betriebsberatung, an der sich 330 Makler und Mehrfachvermittler beteiligten.

Doch wie finden Makler die am besten zum jeweiligen Kunden passenden Altersvorsorge-Produkte und -Tarife? Der Markt bietet dazu verschiedene Vergleichsrechner, die jedoch aber zum Teil fehlerhaft sind, weil sie auf Ablaufleistungsrankings setzen. So werden beispielsweise Tarife gegenübergestellt, die unterschiedliche Hochrechnungsmethoden bei der Wertenwicklungsannahme für die Fonds- oder Indexanlage verwenden. Auch ist häufiger zu beobachten, dass unterschiedliche Garantieerzeugungsmodelle oder verschiedene Garantieniveaus selbst bei ein- und demselben Produkt verwendet werden.

Schlanker Umfang beim Start...

Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat daher im Sommer 2019 einen neuen, kostenlosen Tarifrechner für Rentenversicherungen entwickelt, der vollständig auf Hochrechnungsvergleiche, mithin also auf eine quantitative Betrachtung verzichtet (procontra berichtete). „Nur qualitative Kriterien werden bei der Vergleichssoftware fairgleichen.net berücksichtigt“, sagt Professor Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP.

Dabei stützt sich der Rechner auf eine Methode, die aus der US-Technologie-Hochburg Silicon Valley stammt: „Die erste Version verfolgt den Ansatz eines Minimum Viable Products", so Hauer weiter, der zugleich Professor für Finanzmärkte und Financial Planning an der Technischen Hochschule Amberg-Weiden ist. Die Idee sei, mit möglichst schlankem Funktionsumfang zu starten und anschließend die Software mit dem Markt gemeinsam weiterzuentwickeln.

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