Verbesserte BU-Leistungsquote – geringer Aussagegehalt

Martin Thaler Berater

Der GDV hat erneut Daten zu Leistungsquoten und Antragsdauer bei der BU-Versicherung veröffentlicht. Von einer guten Leistungsquote sollten sich Kunden allerdings nicht täuschen lassen – der Aussagegehalt ist arg begrenzt.

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Die Versicherer weisen auf eine verbesserte Leistungsquote in der BU-Versicherung hin. Bild: Pixabay/ mohamed_hassan

Wer aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherungen Leistungen beantragt, bekommt diese in der Regel auch bewilligt. Diesen Eindruck möchten die deutschen Versicherer auf jeden Fall öffentlich vermitteln und veröffentlichen in diesem Zusammenhang jährlich die Leistungsquote in der BU-Versicherung. Diese hat sich nach GDV-Angaben im Jahr 2018 leicht verbessert: Insgesamt wurden 80 Prozent aller Anträge bewilligt, im Jahr zuvor lag die Quote bei 79 Prozent auf nahezu gleichem Niveau.  

Die Prüfung erfolge zudem in der Regel unkompliziert. Lediglich in sechs Prozent aller Fälle verlangten die Versicherer neben den eingereichten ärztlichen Attesten nach einem neutralen Gutachten. Diese fielen laut GDV zumeist für den Versicherungsnehmer positiv aus: In 63 Prozent bestätigten die Gutachter die Berufsunfähigkeit des Kunden.  

Kam es zur Ablehnung lag dies zumeist (46 Prozent aller Fälle) in der Nichterreichung des versicherten BU-Grades von 50 Prozent begründet. In weiteren 13 Prozent reagierten die Antragssteller im Laufe des Verfahrens nicht mehr auf die Ansprache des Versicherers – unter anderem, weil es Ihnen in der Zwischenzeit wieder besser ging. In 14 Prozent der Ablehnungen war hierfür eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung der Grund.

Eine Verbesserung vermeldeten die Versicherer zudem beim Bearbeitungszeitraum. Der Zeitraum zwischen Antragsstellung und Entscheidung betrug durchschnittlich 106 Tage – das waren vier Tage weniger als 2017.   Die Statistik des GDV liest sich auf den ersten Blick äußerst positiv, sollte aber mit Vorsicht genossen werden.

Zwar kam auch das Analysehaus Franke und Bornberg bei der Untersuchung von fünf Versicherern auf eine ähnliche BU-Leistungsquote, allerdings nur, wenn man BU-Renten in allen Höhen berücksichtigt, also auch Mini-Renten von 100 Euro im Monat. Ein Betrag, bei dem wohl die wenigsten Versicherer Bauchschmerzen bekommen würden. Begrenzt man die Verträge der fünf Anbieter auf eine BU-Rente von mindestens 300 Euro im Monat, so werden nur noch 76,4 Prozent der Leistungsanträge anerkannt.  

Auch von Vermittlern wird die von Seiten der Versicherern präsentierte Leistungsquote häufig kritisierte. Eine hohe Leistungsquote eines Versicheres habe keine Aussagekraft und sollte bei der Auswahl des passenden Versicherers - wenn überhaupt - eine untergeordnete Rolle spielen. So merkte Makler Gerd Kemnitz in einem Blogbeitrag darauf hin, dass die Statistik nicht zwischen den verschiedenen Tarifstufen differenziere. „Es liegt in der Natur der Sache, dass bei einem Basistarif Leistungen häufiger abgelehnt werden. Deshalb vergleichen wir ja die Versicherungsbedingungen. Aber was nützt eine Leistungsquote, die alle BU-Tarife einer Gesellschaft ‚über einen Kamm schert‘“, so der Makler auf seinem Blog.  

Die Leistungsquote sei deshalb kein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des passenden Tarifs, hier sollten stattdessen die Versicherungsbedingungen in den Fokus gerückt werden.  

Auch Makler Torsten Breitag weist auf seinem Blog auf die nicht vorhandene Aussagekraft der Leistungsquote hin. Diese seien auch von der jeweiligen Bestandsgröße abhängig – ein Versicherer mit kleinem Bestand und wenigen Leistungsanträgen kommt schnell auf eine Leistungsquote von 100 Prozent, Versicherer mit größerem Bestand haben es ungleich schwerer.  

Zumal ist die Leistungsquote für die Zukunft ohne jegliche Aussagekraft. Auch wenn ein Versicherer in der Vergangenheit eine hohe Leistungsquote aufgewiesen hat, hat dies keine verwertbare Aussagekraft für die Zukunft.

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