Trotz Krise: Mehrheit der Rentner blickt positiv in die Zukunft

Anne Hünninghaus Berater Sachwerte

Deutsche Ruheständler möchten ihre Ersparnisse lieber in ihre Freizeit investieren, statt ein Erbe anzuhäufen. Besonders entspannt sind die Immobilienbesitzer unter den Senioren. Laut aktuellen Studien wächst zudem deren Offenheit für alternative Arten der Altersvorsorge.

Statt ein späteres Erbe anzusparen, will der Großteil der deutschen Ruheständler Ersparnisse lieber für Hobbys und Reisen ausgeben.

Statt ein späteres Erbe anzusparen, möchten Ruheständler lieber in Hobbys und Reisen investieren. Bild: Adobe Stock/fizkes

Sich im Alter etwas gönnen, die freie Zeit Freunden, Reisen und Hobbys widmen – diese Vorstellung hegt die große Mehrheit der Senioren in Deutschland. Dafür darf auch gern das eigene Vermögen ausgeschöpft werden: Mit 75 Prozent der Ruheständler ab 65 Jahren fühlt sich der Großteil von ihnen nicht mehr dazu verpflichtet, nach ihrem Tod etwas für ihre Nachkommen zu hinterlassen. Das zeigt eine Studie der Deutsche Leibrenten AG, für die via Online-Panel im Frühjahr 1.029 Rentner befragt wurden. Dass die eigenen Kinder und Enkel ein möglichst großes Erbe erwarten, und sie somit zur Sparsamkeit anhalten, stellen nur zehn Prozent der Ruheständler fest.

Erst kürzlich hatte eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) die Vermögenssituation der Rentner in Deutschland untersucht und war zu dem Ergebnis gekommen, dass über 65-Jährige zwar über unterdurchschnittliche Einkommen, aber häufiger über höhere Vermögenswerte verfügen. Kombiniere man Einkommens- und Vermögenssituation, stünden die Senioren demnach sogar an der Spitze der Wohlstandsskala. Das Vermögen muss die Rentner allerdings heute auch über einen längeren Zeitraum tragen, denn das steigende Lebensalter führt viele früher oder später doch in die sogenannte Rentenlücke. Zu einer rechtzeitigen Planung – ob mit oder ohne spätere Erben am Tisch – ist also in jedem Fall geraten.

Immobilienbesitzer fühlen sich in Krisenzeiten besser abgesichert

Angst vor der Zukunft und eine zusätzliche Verunsicherung durch die Corona-Krise empfindet hingegen ein Viertel der Rentner. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage der Gesellschaft für Immobilienverrentung (DEGIV) unter 1.067 Ruheständlern im Mai dieses Jahres. Vergleichsweise besser abgesichert fühlen sich die Immobilienbesitzer unter den Befragten. Mehr als die Hälfte von ihnen glaubt zudem, dass im Zuge der pandemiebedingten Krise der Wert ihres Wohneigentums steigen wird. In gut der Hälfte der 401 deutschen Kreise und Städte können Immobilienbesitzer tatsächlich damit rechnen, dass ihr Wohneigentum bis 2030 an realem Wert gewinnen wird, so eine Analyse des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts.

Laut DEGIV stieg im Krisenverlauf auch das Interesse an alternativen Arten der Altersvorsorge wie der Immobilienverrentung. Dabei verkaufen Eigentümer ihr Objekt mit einem Abschlag, und erhalten im Gegenzug ein lebenslanges Wohnrecht. Bereits vor Corona hätten sich 15 Prozent der befragten Eigentümer zu diesem Thema informiert. Weitere neun Prozent denken seit der Krise verstärkt darüber nach, wie sie ihr an die oft selbst bewohnte Immobilie gebundenes Vermögen nutzen können. Grundsätzlich eignet sich eine Immobilienverrentung insbesondere für Personen, die keine nahestehenden Erben haben. Wer nun aber im Alter auf zusätzliche Einnahmen angewiesen ist, kann aus finanziellen Nöten zum Verkauf des Eigentums gezwungen sein. In diesem Fall sollte mit dem Käufer des Objekts eine Leibrente vereinbart werden.

Die Offenheit für Neues bei den befragten Senioren zeigt sich laut der DEGIV-Studie auch an der Bereitschaft, sich via Video-Chat-Beratung zu Immobilien- und Vorsorgefragen zu informieren: Jeder dritte Rentner äußerte sich positiv über diesen Kommunikationsweg. 41 Prozent nutzen zudem laut Studie immer häufiger virtuelle Kanäle über Smartphone, Tablet oder Computer zur Interaktion mit Freunden oder für Beratungsgespräche.

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