Pflegelücke: Deutsche sorgen unzureichend vor

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen

Die Versorgung im Pflegeheim ist teuer, dennoch investieren die wenigsten Deutschen in eine Pflegezusatzversicherung. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, wie viele Haushalte sich noch nicht einmal ein Jahr Pflegeheimaufenthalt leisten könnten.

Jeder zweite Deutsche wird im Laufe seines Lebens zum Pflegepatienten.

Jeder zweite Deutsche wird im Laufe seines Lebens zum Pflegepatienten. Bild: Adobe Stock/Khongtham

Sich im Heim pflegen zu lassen, wird immer kostspieliger. Zuletzt stieg der durchschnittlich vom Pflegebedürftigen nach Zuschuss durch die soziale Pflegeversicherung (SPV) selbst zu zahlende Eigenanteil bundesweit auf mehr als 2.000 Euro. Laut Daten des Verbandes der Ersatzkassen vom 1. Juli dieses Jahres mussten Pflegebedürftige monatlich 2.015 Euro bezahlen – am ersten Januar dieses Jahres waren es noch 1.940 Euro und damit 75 Euro weniger gewesen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die durchschnittlichen Kosten für jeden Pflegebedürftigen um 124 Euro.

Trotz dieser hohen Kosten, die Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen aus eigener Tasche zahlen müssen, ist die Anzahl derjenigen, die eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen haben, verhältnismäßig gering. Aber wie werden die Kosten ohne Vorhandensein einer solchen Absicherung aufgefangen? Das IW Köln hat nun anhand der Vermögens- und Einkommensdaten des SOEP untersucht, in welchem Maße ein Pflegefall die Haushalte finanziell belastet. Untersucht wurden die Vermögensdaten aller Haushalte mit Fokus auf Erwerbstätige zwischen 45 und 65 Jahren sowie auf Rentnerhaushalte. Das Ergebnis: Rund zwei Drittel dieser beiden Haushaltsgruppen hätten die vollstationäre Dauerpflege für eine Person für ein Jahr aus ihren Vermögen bestreiten können. Allerdings können fünf Jahre Pflege nicht einmal mehr die Hälfte der Haushalte bewältigen.

Anteil der Haushalte, die sich die vollstationäre Pflege eines Mitglieds für die jeweilige Dauer leisten bzw. nicht leisten können

ein Jahr2 Jahre3 Jahre4 Jahre5 Jahre
nicht leisten kann (in Prozent)41,247,551,955,959,0
leisten kann (in Prozent)58,852,548,144,141,0

Quelle: IW Köln/SOEP

Hinzu kommt die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest zeitweise sogar mehrere Haushaltsmitglieder parallel gepflegt werden müssen. Schätzungen zufolge wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2050 verdoppelt haben. Schon heute liegt die Gefahr, im Laufe des Lebens einmal zum Pflegepatienten zu werden bei 50 Prozent. Die Tatsache, dass immer mehr erwachsene Kinder mindestens 100 Kilometer von ihren Eltern entfernt wohnen – inzwischen sind es rund 30 Prozent – führt dazu, dass die Notwendigkeit einer Heimunterbringung wahrscheinlicher wird.

Heutige Rentnergeneration ist noch in komfortabler Lage

Betrachtet man die aktuelle Rentnergeneration und deren Einkommen gesondert, sehen die Zahlen zwar deutlich besser aus: Im Jahr 2017 hätten knapp 72 Prozent einen einjährigen Pflegeheimaufenthalt finanzieren können, fünf Jahre immerhin noch knapp 67 Prozent. In die Zukunft lassen sich diese allerdings nicht projizieren, wie eine Studie des IW Köln kürzlich offenbart hatte. Die kombinierte Betrachtung von Einkommen und Vermögen verdeutlicht dieser zufolge, dass die über 65-Jährigen in Deutschland zwar über unterdurchschnittliche Einkommen verfügen, aber häufiger über höhere Vermögenswerte. Ob die Folgegenerationen aber ebenso gut situiert sein werden, ist angesichts der Entwicklung von Demografie und Wirtschaft ungewiss.

Private Vorsorge wird auch deshalb immer wichtiger, weil der Eigenanteil immer weiter steigt. Für den Fall dass sich die derzeitige Entwicklung des Ungleichgewichts von Einnahmen und Auszahlung weiter fortsetzt, prognostiziert der Verband Privater Krankenversicherer, dass die Belastung des Durchschnittsverdieners bei einem Beitragssatz von 4,85 Prozent in der SPV von derzeit 98 Euro auf 146 Euro im Jahr 2025 steigen wird. Das von der Großen Koalition festgelegte Sozialabgabeziel von maximal 40 Prozent sei demnach nicht haltbar.

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