Online-Sprechstunde: Können Versicherer mit dem Arztchat als Zusatzservice punkten?

Digital Versicherungen Top News von Carla Fritz

Bei der R+V sind die Online-Sprechstunden allen Vollversicherten zugänglich – ausgenommen im Standard-, Basis- und Notlagentarif, bei der Gothaer nach deren Angaben für alle, die bei ihr krankenversichert sind. Abgerechnet wird nach dem jeweils versicherten Tarif.

Die Hallesche hat ihre ärztliche Videosprechstunde, über MD Medikus, seit zwei Jahren im Angebot: für Vollversicherte sowie in ausgewählten Zusatz- und bkV-Tarifen. Dem Kunden bleibt es auch hier unbenommen, seinen Hausarzt online zu konsultieren, sofern er das anbietet. Das Gespräch wird dann vom Arzt wie früher schon – zum Beispiel im Fall von telefonischer Beratung – abgerechnet.

Erfahrung und Erwartung

„Die Erfahrungen zeigen, dass rund 65 Prozent der Fälle abschließend behandelt werden können“, so Michael Albrecht, Hauptabteilungsleiter Makler- und Kooperationsvertrieb der Barmenia, die sich dabei auf den Schweizer Telemedanbieter Medgate stützt. Dass es jedoch Grenzen gibt, darüber herrscht bei den Gesellschaften Konsens. Wenn zum Beispiel Herz und Lunge abgehört werden müssen, gehe das nur in direktem Kontakt. Auch für Chroniker sei eine Online-Konsultation nur bedingt möglich, so Biederbick.

Man müsse hier generell erst einmal Erfahrungen sammeln, meint Silke Möhring. „Eine Videosprechstunde verhindert auch einiges an Körpersprache und damit eventuell wichtige Informationen für den Arzt.“ Als Rechtsanwältin und Verbraucherberaterin spricht sie in diesem Zusammenhang erwartungsgemäß auch das Thema Datenschutz und Datensicherheit an: „Eine Aufzeichnung der Videosprechstunde ist nicht erlaubt – weder Arzt noch Patienten.“

Makler Bert Heidekamp aus Berlin beschäftigt eine ganz andere Frage: Was bringt ein Videochat mit dem Arzt, wenn es etwa um Heil- oder Hilfsmittel, also Leistungsinhalte der Versicherung geht – der Patient einen bestimmten Rollstuhl oder eine spezielle Krebsbehandlung braucht? Die Online-Sprechstunde wird für ihn daher „kein Qualitätsmerkmal sein, um deswegen einen Tarif vorrangig zu empfehlen“. Als Zusatzservice sei der Videochat mit dem Arzt für den Versicherten auf jeden Fall interessant. Aber das erwarte man in Zukunft auch vom Versicherer – genau wie heute schon die digitale Abrechnung. Bei einigen Gesellschaften werde aber immer noch für den Postweg „altbacken eingetütet“.

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