Online-Sprechstunde: Können Versicherer mit dem Arztchat als Zusatzservice punkten?

Digital Versicherungen Top News von Carla Fritz

Den Arzt mit Smartphone oder Laptop via Webcam zu konsultieren war schon vor dem Notfall „Corona“ eine Option. Die Pandemie hat die Online-Sprechstunde bei Krankenversicherern und ihrer Kundschaft noch populärer gemacht.

Jeder Achte hierzulande hat schon mal eine digitale Arztsprechstunde besucht.

Jeder Achte hierzulande hat schon mal eine digitale Arztsprechstunde besucht. Bild: Adobe Stock/shangarey

Wird die Online-Sprechstunde jetzt zum Standard? Eine Frage bei Corona-Ausbruch, die sich so inzwischen wohl nicht mehr stellt. Dafür stehen die jüngsten Bitkom-Umfragen: Jeder Achte hierzulande hat demnach schon mal eine digitale Arztsprechstunde besucht (13 Prozent). Und – das lässt wiederum aufhorchen – Frauen dabei deutlich mehr als Männer (16 und 9 Prozent). 2019 hatten erst fünf Prozent Erfahrungen mit der Video-Sprechstunde. Vor allem innerhalb des Corona-Quartals sei der Wert stark gestiegen, so der Digitalverband.

Parallel dazu hat sich – wen wundert’s – die Anzahl der Praxen mit Online-Sprechstunden-Angebot laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung von 1.700 Anfang des Jahres auf inzwischen 25.000 erhöht, mithin ein Viertel aller rund 100.000 Praxen bundesweit.

Sorge vor Corona führt zu Boom von Video-Sprechstunden

Aus welchem Grund haben Sie die Online-Option genutzt?

Basis: 124 Nutzer von Video-Sprechstunden; Quelle: Bitkom Research

Kooperationen und Resonanz

Das hat nicht zuletzt mit bestimmten rechtlichen Rahmenbedingungen zu tun. „Man hat die Berufsordnung für Ärzte – egal ob sie privat oder gesetzlich behandeln – dahingehend geändert, dass die Videobehandlung grundsätzlich zulässig ist“, verweist Rechtsanwältin Silke Möhring von der Verbraucherzentrale Hessen auf die Lockerung des Fernbehandlungsverbots vor zwei Jahren. Nach der ärztlichen Gebührenordnung sei eine fernmündliche Beratung von Privatpatienten ohnehin immer erlaubt gewesen – „damals gedacht fürs Telefon, heute per Video“. Neu sei allerdings, dass sich Patient und Arzt vorher nicht kennen müssen.

Das hat zugleich die Türen für eine Reihe von Telemedizinanbietern geöffnet, auf deren Dienste inzwischen immer mehr private Krankenversicherer für ihre Kundschaft, zurückgreifen. Jüngst etwa die R+V. Wie unter anderem schon Gothaer und Debeka kooperiert sie bei der Online-Sprechstunde mit der Teleclinic. „Wer Kinder hat, weiß, dass Krankheiten meist am Wochenende, spätabends oder im Urlaub auftreten“, sagt Nina Henschel, Vorstand des Wiesbadener Krankenversicherers. Eine unkomplizierte, volldigitale Erstmeinung erspare dann weite Anfahrten, gebe ein Gefühl der Sicherheit und sei gerade in Corona-Zeiten Gold wert. Das zeige sich auch in der Resonanz. Die sei zunächst verhalten gewesen, aber in den vergangenen Monaten stark gestiegen, bestätigt auch Wiltrud Pekarek als Vorstand der Halleschen. Die Pandemie habe hier wie ein Katalysator gewirkt, so Annabritta Biederbick, in gleicher Eigenschaft, für die Debeka.

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