Mentale Gesundheit fördern: Wie lässt sich dem Leistungsfall in der BU vorbeugen?

Martin Thaler Versicherungen Top News Berater

Psychische Erkrankungen sind mittlerweile Hauptursache für eine Berufsunfähigkeit und für die Versicherer zum kostspieligen Problem geworden. Nun versuchen die ersten Anbieter, mit Prävention dagegenzusetzen.

Fast jeder dritte BU-Leistungsfall resultiert aus Problemen mit der eigenen Psyche.

Fast jeder dritte BU-Leistungsfall resultiert aus Problemen mit der eigenen Psyche. Wie lässt sich verhindern, dass es so weit kommt? Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

Schwere Zeiten für Verbrecher: Im Film „Minority Report“ konnten Kapitalverbrechen bereits gelöst werden, bevor sie passierten. Die Kriminalisten der Zukunft bedienten sich dabei sogenannter „Precogs“, hellsichtiger Menschen. Was für das Verbrechen erst einmal reine Hollywood-Fantasie bleibt, soll im Bereich der BU-Versicherung seine Entsprechung finden. Eine mögliche Berufsunfähigkeit erkennen, bevor sie sich manifestiert – für die Versicherer ist die Vermeidung von Leistungsfällen im hart kalkulierten Geschäft mit BU-Policen ein mehr als interessanter Ansatz.

„Das Thema Prävention birgt aus unserer Sicht großes Potenzial“, konstatiert Maike Gruhn, Bereichsleiterin Produkt- und Innovationsmanagement bei der Gothaer. „Mit dem Feel-Programm bieten wir unseren Kunden eine digitale Präventionsmöglichkeit, die sie dabei unterstützen kann, psychische Erkrankungen zu vermeiden, sodass es gar nicht erst zu einem Leistungsfall kommt.“ Längst bilden psychische Erkrankungen die Haupt­ursache für BU-Fälle, wie eine aktuelle Erhebung des Analysehauses Morgen & Morgen verdeutlicht. Mittlerweile resultiert fast jeder dritte Leistungsfall aus Problemen mit der eigenen Psyche.

Ausbau der mentalen Stärke

Um psychische Beschwerden frühzeitig zu erkennen, hat die Gothaer nun ausgewählte Kunden aus ihren Beständen mit Sensoren-Armbändern ausgestattet, die Biosignale wie Hautleitwert, Schweiß, Herzfrequenz und Puls messen. Lassen die hier gesammelten Daten eine Stresssituation erkennen, liefert eine App den Nutzern Tipps und Übungen, mit denen jene gemeistert werden kann. Zusätzlich sollen Onlinesitzungen mit einem Mental-Coach den Ausbau der mentalen Stärke fördern. Insgesamt über 16 Wochen erstreckt sich das Programm, bis Mitte des Jahres sollen alle Teilnehmer das Programm absolviert haben. „Das Ziel aus Kundensicht ist, eine dauerhafte mentale Stärke erlangt zu haben, um fortan stressbedingte oder psychische Herausforderungen besser alleine meistern zu können“, erklärt Gruhn.

Ein Ansatz, den auch Farina Schurzfeld, Gründerin des Berliner Digital-Therapie-Anbieters SelfApy, für zielorientiert hält. „Psychische Erkrankungen sind in 80 Prozent der Fälle rezidivierend, sprich wiederkehrend“, erklärt Schurzfeld. Statt also zu warten, bis die psychischen Probleme sich chronifizieren, gelte es, rechtzeitig aktiv zu werden und die Verstetigung der Krankheit zu verhindern. „Eine zeitnahe Behandlung von psychischen Belastungen erhöht den Therapieerfolg signifikant“, ist Schurzfeld überzeugt und hat die Wissenschaft dabei auf ihrer Seite.

SelfApy bietet seinen Kunden ein zwölfwöchiges Onlinekurs-Programm, das neben interaktiven Übungen und Videos auch wöchentliche Gespräche (via Telefon oder Nachrichtenfunktion) mit einem Psychologen beinhaltet. Die Berliner wollen eine Therapie nicht obsolet machen, Menschen mit psychischen Problemen jedoch ein niederschwelliges Angebot unterbreiten, während diese beispielsweise noch auf einen Platz beim Therapeuten warten. Ein Ansatz, der mittlerweile nicht nur von Krankenversicherern interessiert aufgegriffen wird. „Wir hatten bereits mehrere Lebensversicherer, die aktiv auf uns zugekommen sind“, berichtet Schurzfeld.

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