Kfz-Ersatzteile: Schadenkosten steigen rasant

Florian Burghardt Versicherungen

Die Kosten für Ersatzteile und damit für Kfz-Sachschäden steigen seit Jahren deutlich stärker an als das allgemeine Preisniveau. Das trifft die Versicherer hart. Wirkliche Besserung erwartet man beim GDV erst in 25 Jahren.

Wenn Dellen oder Kratzer nicht mehr rausgehen, müssen Ersatzteile her. Die stark steigenden Kosten dafür merken die Kfz-Versicherer seit Jahren in ihren Bilanzen.

Wenn Dellen oder Kratzer nicht mehr rausgehen, müssen Ersatzteile her. Die stark steigenden Kosten dafür merken die Kfz-Versicherer seit Jahren in ihren Bilanzen. Bild: Pixabay

Im Jahr 2019 kostete der durchschnittliche Pkw-Sachschaden die Kfz-Haftpflichtversicherer erstmals über 3.000 Euro. Das entspricht 5 Prozent mehr als im Vorjahr und 25 Prozent mehr als im Jahr 2013. Mit dieser Entwicklung ist man beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht zufrieden. Auch die Ursache ist bereits ausgemacht: Der sogenannte Designschutz, das „Quasi-Monopol“ der Autohersteller.

Denn deren Ersatzteile, die im Schadenfall häufig für eine Reparatur benötigt werden, hätten sich allein im Zeitraum August 2019 bis August 2020 um knapp 5 Prozent verteuert und lägen damit deutlich über der inflationsbedingten Preissteigerung. Noch deutlicher wird die Schere, laut dem GDV, bei der Betrachtung seit Januar 2013: Während die Gesamtinflation seitdem nur 8,8 Prozent betrug, wurden Kfz-Ersatzteile im Durchschnitt um rund 35 Prozent teurer.

Diese Entwicklung haben GDV-Statistiker anhand eines Langzeitvergleichs der Ersatzteilpreise verschiedener Fahrzeugtypen nachgezeichnet. Betrachtet werden dabei 34 Fabrikate mit bis zu 20 Ersatzteilen, die nach Unfällen häufig ausgetauscht werden müssen.

Fairer Wettbewerb erst 2045

Aufgrund des gesetzlich verankerten Designschutzes können Autofahrer und Werkstätten alle sichtbaren Karosserie-Ersatzteile wie Kotflügel, Motorhauben oder Türen nur über die Marke des ursprünglichen Autobauers erwerben. Dieses „Quasi-Monopol“ sieht der GDV als ursächlich für die unverhältnismäßig stark steigenden Preise.

Zwar hatte eine Gesetzesänderung kürzlich Lockerungen im Designschutz vorgenommen. Diese greift aber nicht für bestehende Fahrzeuge und hat die bestehenden Rechte größtenteils für die nächsten 25 Jahre festgeschrieben. Dazu GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen: „Die neuen Regeln zum Designschutz werden wegen der langen Übergangsfristen keinen sofortigen Effekt auf die Preise haben. Einen wirklich freien und fairen Wettbewerb bei sichtbaren Ersatzteilen wird es erst im Jahr 2045 geben.“

Aktuell sei für die Verbraucher aber erst eine Preissteigerung von 2,3 Prozent spürbar, abgeschwächt durch die vorübergehend gesenkte Mehrwertsteuer. Der volle Preisanstieg von knapp 5 Prozent wird dann im neuen Jahr sichtbar werden, heißt es von Seiten des GDV. Für Kfz-Versicherer eine ernstzunehmende Entwicklung. Unter anderem die hohen Kosten für Sachschäden sorgen dafür, dass viele Anbieter seit Jahren rote Zahlen schreiben.

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