Goldzertifikate: Privatanleger können nach Kabinettsentwurf aufatmen

Anne Hünninghaus Investmentfonds

Vor einem Monat hatte ein Referentenentwurf Aufsehen erregt, demzufolge Gewinne mit Goldzertifikaten künftig der Abgeltungssteuer hätten unterliegen sollten. Laut Kabinettsentwurf zum Jahressteuergesetz ist dieser Vorschlag nun vom Tisch.

Goldbarren und -Zertifikate haben für Privatanleger während der Krise weiter an Relevanz gewonnen.

Goldbarren und -Zertifikate haben für Privatanleger während der Krise weiter an Relevanz gewonnen. Bild: Adobe Stock/AK-DigiArt

„Gold-Anlegern droht Steuer-Schock“, titelte unter anderem „Focus Online“ vor genau einem Monat. Auf dem Nachfragehoch des Edelmetalls wolle der Staat ab 2021 an den Kursgewinnen teilhaben, so die Nachricht. Die Befürchtung, die viele Anleger verunsicherte, war nicht grundlos aufgekommen. Das Bundesfinanzministerium (BMF) hatte Ende Juli einen Referentenentwurf zum Jahressteuergesetz 2020 veröffentlicht, der Investoren hellhörig gemacht hatte. <span itemprop="articleBody"></span>Zu Paragraf 20 Absatz 1 Nummer 7 des Einkommenssteuergesetzes hieß es, dass Goldzertifikate wie zum Beispiel Xetra Gold als Wertpapiere künftig der Abgeltungssteuer unterliegen sollen. Eigentlich gilt diese Regelung nur für so genannte Papiergoldprodukte, also solche, die nicht unmittelbar mit Barren gedeckt sind. Werden sie hingegen mit einer physischen Garantie auf Edelmetalle gesichert, sind sie von einer solchen Besteuerung – nach einer Mindesthaltesauer von einem Jahr – ausgenommen.

Entwarnung für Anleger

Mit der geplanten Erweiterung wären nun allerdings auch Kapitalanlagen erfasst worden, „die auf die Lieferung von Gold oder anderen Edelmetallen gerichtet sind und wirtschaftlich mit Zertifikaten vergleichbar sind“ – so hieß es im Referentenentwurf. Die vorgeschlagenen Änderungen seien nicht mit den bisherigen Rechtsprechungen des Bundesfinanzhofs (BFH) vereinbar, so die Kritik, die unter anderem von der Deutschen Kreditwirtschaft geäußert wurde.

Die Argumentation der Verbände hat offenbar gefruchtet, der Referentenentwurf wird nicht in einen Gesetzgebungsprozess überführt. Seit vergangener Woche liegt der Kabinettsentwurf für das Jahressteuergesetz vor und die vorgesehenen Reformen in Bezug auf „Sonstige Kapitalforderungen“ sind daraus verschwunden, wie „Das Investment“ zuerst berichtete.

Gold gewinnt in der Krise an Relevanz

Privatanleger, die auf Gold-Zertifikate setzen, können also darauf bauen, dass es bei der bisherigen Steuergesetzgebung bleibt. Hält man die Spekulationsfrist von einem Jahr ein, dann bleiben die Veräußerungsgewinne weiterhin steuerfrei.

Das dürfte bei vielen Anlegern für Erleichterung sorgen. Insbesondere in der Krise gilt: Geldanlagen müssen vor allem sicher sein. 61 Prozent der deutschen Anleger gaben kürzlich in einer Umfrage der Quirion Privatbank an, dass ihr Sicherheitsbedürfnis durch Corona weiter gestiegen ist. Das macht offenbar Investments in Edelmetalle wie Gold attraktiv: 44 Prozent der Studienteilnehmer halten diese für interessanter als noch vor einem halben Jahr.

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