Finanztest: Schwierige Versicherung von Hörgeräten

Technische Versicherungen Panorama von Detlef Pohl

Hörgeräte sind teuer und können leicht kaputt oder verloren gehen. Dagegen bieten Akustiker und Versicherer Policen an, die den Schaden teilweise decken. Diese sind jedoch oftmals entbehrlich, urteilt Finanztest.

Wer nichts mehr hört, sollte mit akustischer Technik nachhelfen. Ob dabei eine Versicherung nützlich ist, bezweifelt zumindest der Akustiker Fielmann. Finanztest rät nur unter Vorbehalt zum Abschluss. Bild: Pixabay/ Clker-Free-Vector-Images

Hörgeräteversicherungen ähneln sonstigen Reparaturversicherungen, die etwa für Brillen, Handys oder Laptops angeboten werden: Sie ergänzen oder verlängern die Garantie und zahlen häufig auch bei Verlust oder Beschädigung. Allerdings längst nicht zu 100 Prozent und bei jeder Gelegenheit. Man muss also genauer hinschauen bei solchen Annex-Verträgen, die beim Kauf von Geräten abgeschlossen werden können und die Kosten bei Reparaturen, dem Austausch defekter Geräte und der Wartung beherrschbar machen sollen.

Was Hörgeräte betrifft, so wird Versicherungsschutz von den Hörgeräteakustikern selbst geboten (die sich dazu eines Versicherers als Risikoträger bedienen) und von einigen Versicherern oder spezialisierten Vermittlern direkt. Die Hörakustiker haben üblicher­weise ein festes Angebot. Die Kunden wählen bei ihnen also nicht zwischen mehreren Tarif-Varianten. Frei zu wählen sind nur Tarife, die sie direkt beim Versicherer abschließen können. Finanztest hat den Markt sondiert und die Ergebnisse  in der September-Ausgabe publiziert.

Lange Liste der Ausschlüsse

Fast alle der acht untersuchten Tarife zahlen etwas bei Kauf oder Reparatur eines neuen Hörgeräts, wenn das alte Hörgerät etwa durch einen Sturz beschädigt wurde oder verloren ging – allerdings nur bis zur vereinbarten Versicherungssumme und abzüglich des Anteils der Krankenkasse. Schäden durch Verschleiß sind dagegen fast nie gedeckt. Zudem zahlt die Versicherung nicht, wenn andere Verträge wie Hausrat- oder Privathaftpflichtversicherung einspringen könnten. Erst nach deren Vorleistung würde die Hörgeräte-Police den Rest bezahlen. Und dann sind da noch Selbstbeteiligungen (SB) des Kunden bei Verlust – zwischen 178 und 715 Euro im Modellfall.

Ausgangspunkt für die meisten ist die Vorleistung der Krankenkasse: Gesetzlich Krankenversicherte haben Anspruch auf eine Versorgung mit Hörgeräten, wenn diese ärztlich verordnet sind. Allerdings zahlen die Kassen immer nur einen Festbetrag. Wer sich für eine teurere Versorgung entscheidet, muss die Differenz aus der eigenen Tasche bezahlen. Im Allgemeinen zahlen die Krankenkassen alle sechs Jahre für neue Hörgeräte – bei Verschlechterung schon früher.

Typischer Modellfall macht Kosten sichtbar

Finanztest gab folgenden Modellfall vor: Der Kunde kauft ein Hörgerät für 1.500 Euro. Die Krankenkasse übernimmt davon 785 Euro, der Eigenanteil beträgt 715 Euro. Parallel wird eine Hörgeräteversicherung mit fünf Jahren Laufzeit abgeschlossen (bei Amplifon nur vier Jahre möglich, bei der Mannheimer drei oder vier Jahre). Im dritten Jahr geht das Gerät verloren. Die Krankenkasse trägt erneut einen Anteil der Kosten von 785 Euro.

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