D&O-Versicherung: Sorge vor der Insolvenzwelle

Martin Thaler Versicherungen

Ende September laufen die Corona-Sondermaßnahmen im Insolvenzrecht aus – die Versicherer gehen von deutlichen Auswirkungen auf die Managerhaftpflicht-Versicherung aus. Die Forderungen seitens der Insolvenzverwalter gegenüber den ehemaligen Managern sind in der Regel deutlich zu hoch, wie eine GDV-Auswertung zeigt.

Welle

Die Versicherer gehen von einer Insolvenzwelle in der nahen Zukunft aus. Bild: Pixabay/kirildobrev

Die deutschen Versicherer gehen für die nahe Zukunft von einer stark steigenden Zahl an Prozessen im Zusammenhang mit der D&O- bzw. Managerhaftpflichtversicherung aus. Grund hierfür sind die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung, insbesondere das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht. Während derzeit die Zahl der Unternehmensinsolvenzen noch stabil bzw. gar leicht rückläufig ist, könnte sich dieser Umstand in Bälde ins Gegenteil verkehren – denn am 1. Oktober fällt die entsprechende Sonderreglung weg.    

Bis zum 30. September sind zahlungsunfähige bzw. überschuldete Unternehmen noch davon befreit, einen Insolvenzantrag zu stellen. Voraussetzung: Die Insolvenzreife muss eine Folge der Corona-Pandemie sein, zudem muss das zahlungsunfähige Unternehmen eine realistische Chance besitzen, in Zukunft wieder zahlungsfähig zu sein. Ab 1. Oktober greift diese Erleichterung für zahlungsunfähige Unternehmen nicht mehr – überschuldete Unternehmen haben hingegen einen Aufschub bis zum Ende des Jahres.  

Als Folge dürften die Ansprüche von Insolvenzverwaltern gegenüber Vorständen bzw. Geschäftsführern deutlich wachsen. Diese fallen in der Regel jedoch deutlich zu hoch aus, wie Daniel Messmer, Leiter der Arbeitsgruppe D&O-Versicherung beim GDV bei einem Pressegespräch des Verbands betonte.  

Forderungen der Insolvenzverwalter zu hoch und oft unbegründet

Diese Aussage stützt sich auf eine Auswertung von insgesamt 368 abgeschlossenen D&O-Verfahren aus dem Zeitraum von 2017 bis 2019. So verlangten die Insolvenzverwalter im Durchschnitt sieben Millionen Euro von den ehemaligen Managern. Eine Forderung, die zumeist deutlich zu hoch ausfiel. Durchschnittlich zahlten die Versicherer pro Fall 140.000 Euro – gerade einmal zwei Prozent der ursprünglichen Forderungen.   Viele Forderungen waren zudem nicht begründet. In einem Drittel der untersuchten Fälle mussten die Manager überhaupt nicht haften.  

Wie sich die Lage nach Auslaufen der Corona-Sonderregelungen entwickeln wird, bleibt abzuwarten, die Versicherungswirtschaft erwartet aber ein Ansteigen der Insolvenzanträge. Dementsprechend würden die Insolvenzverwalter auch häufiger versuchen, das einstige Management für Fehler in Haftung zu nehmen.  

Von zu erwartenden „erheblichen Auswirkungen“ sprach auch Wolfram Desch, Fachanwalt für Insolvenzrecht bei der Wirtschaftskanzlei Graf von Westphalen. „Wer in den letzten Monaten in eine wirtschaftliche Schieflage geraten ist, muss derzeit auf Basis einer unsicheren Rechtslage entscheiden.“ Für die Manager sei dies mit Risiken verbunden, da sie grundsätzlich für alle Zahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife persönlich haften müssen. Desch erwartet, dass nach einer Firmenpleite die Insolvenzverwalter viele Entscheidungen der Verantwortlichen hinterfragen werden. „Bei vielen Fragen wird man unterschiedlicher Auffassung sein – dann müssen im Zweifel die Gerichte entscheiden“, so Desch.  

Für die Versicherer dürfte dies – auch angesichts im kommenden Jahr steigender Rechtsanwalts- und Gerichtskosten – eine deutliche Belastung darstellen. Insolvenzen waren schon immer ein erheblicher Schadenträger in der D&O-Versicherung – rund 20 Prozent aller Fälle fielen in den vergangenen Jahren auf Firmenpleiten. Dieser Anteil könnte sich laut Einschätzung der Versicherer in der nahen Zukunft deutlich erhöhen, wodurch das meist eh verlustträchtige Geschäft mit Manager-Haftpflichtversicherungen nicht einträglicher für die Anbieter werden dürfte.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare