Diese neuen BiPRO-Normen sind in Arbeit

Stefan Terliesner BiPRO Top News Berater Digital

Angesichts eines raschen und umfassenden technologischen Wandels ist Normierung eine Daueraufgabe. Die Pipeline jedenfalls ist voll.

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Beim Thema BiPRO stehen auch in Zukunft zahlreiche Entwicklungen an. Bild: Adobe Stock/Nazzalbe

Beim Brancheninstitut für Prozessoptimierung (BiPRO) geht die Software-Entwicklung nun zügiger voran. Mit der neuen Normengeneration RNext etablierte der Verein im vergangenen Jahr auch gleich agile Methoden. Die Mitgliedsunternehmen haben nun noch besser die Möglichkeit, effektiv und effizient an der sogenannten API-Economy teilzunehmen. Bei gleich mehreren Aktivitäten machen Versicherer, Maklerpools und andere Finanzdienstleister davon bereits regen Gebrauch. Zwei Beispiele für laufende Normierungen haben die etwas sperrigen Bezeichnungen: RNext-Gruppe TAA Risikoleben und DIOPLUS BDÜ.

API-Economy braucht Normen

Kurz zur Erinnerung: API steht für Application Programming Interface, also Schnittstelle zur Programmierung von Anwendungen. Jedes Maklerverwaltungsprogramm hat Schnittstellen zu Versicherern und möglicherweise inzwischen auch zu Endkunden. Wenn das Ganze in einem Netzwerk aus Partnern stattfindet, spricht man von API-Economy. Genau darum geht es bei der Optimierung von Prozessen in der Finanzbranche mit Hilfe von Normen.

„Grundsätzlich hat jedes BiPRO-Mitglied die Möglichkeit, Vorschläge für neue Normen oder auch Änderungen an bestehenden Normen einzubringen“, sagt Matthias Brauch, Geschäftsführer von Softfair und Mitglied des Marktausschusses von BiPRO, der das BiPRO-Präsidium mit Frank Schrills an der Spitze in Markt- und Vertriebsfragen berät. Neben dem Marktausschuss gibt es fünf weitere Ausschüsse – einen für Normung, dann Technik, Fach, Architektur und Design. Die im Schnitt schätzungsweise jeweils zwei Dutzend Ausschussmitglieder gehören alle zu BiPRO-Mitgliedsunternehmen.

Vorgegebenes Prozedere

Liegt nun zum Beispiel der Vorschlag für eine neue Norm auf dem Tisch, macht sich eine Projektgruppe ans Werk und erarbeitet einen Entwurf. Dieser wird anschließend vom Fach- sowie vom Technikausschuss geprüft und mit bestehenden Normen abgeglichen. Schafft der Entwurf den Sprung zum Status „potenzielle Norm“, steht die Überprüfung der Praxistauglichkeit an. Geht weiterhin alles gut, werden die Ergebnisse allen Ausschüssen vorgelegt, die daraufhin eine abgestimmte Empfehlung für eine „vorgeschlagene Norm“ an den Normungsausschuss abgeben. Dieser sendet das Werk zur Kommentierung an die BiPRO-Mitglieder. Nach der Überprüfung der Kommentierungen entscheidet der Normungsausschuss mit Vetorecht des Präsidiums über die Statusänderung zur „offiziellen Norm“. Soweit das Prozedere der Entstehung einer Norm.

Nach Angaben eines BiPRO-Sprechers haben aktuell die Versicherer Allianz, Cosmos Direkt, Dialog und HDI den Entwurf einer API für die Schnelltarifierung der Risikolebensversicherung initiiert. Die Aktivität mit dem Namen RNext-Gruppe TAA Risikoleben ist im BiPRO-Bereich Tarifierung, Angebot, Antrag (TAA) angesiedelt, wo insbesondere die Norm 420 beheimatet ist. Damit die schnelle Tarifierung auch praxistauglich ist, müssen sich Antrag und Risikoprüfung auf wenige Eingaben beschränken. Implementierbare Ergebnisse sollen im ersten Halbjahr 2021 vorliegen. In einer zweiten Iterationsstufe soll dann die Produktvielfalt ausgebaut werden.

Digitalisierungsoffensive bei Bestandsübertragung

Bereits gestartet ist das Projekt DIOPLUS BDÜ – oder ausgeschrieben: Digitalisierungsoffensive Plus Bestandsdatenübermittlung. Hier gibt es eine lange Teilnehmerliste. Sie reicht auf Versicherungsseite von A wie Allianz und AXA, über Gothaer, HDI, R+V bis hin zu VHV und Zurich (Aufzählung nicht vollständig). Auch Pools machen mit, zum Beispiel Blau Direkt, Fonds Finanz und Jung DMS & Cie. Die Umsetzung der Ergebnisse bezieht sich auf eine bestehende Norm in RClassic. RNext und RClassic stehen noch lange Zeit parallel nebeneinander, „so dass Services in beiden Technologien zur Verfügung stehen“, betonte Frank Dünnleder, Vorsitzender des BiPRO-Marktausschusses und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Fincon, bereits bei der Lancierung von RNext in einem Interview auf einer BiPRO-Website.

Bei DIOPLUS BDÜ geht es der Brancheninitiative zufolge um die „Mission für eine moderne Bestandsdatenlieferung“. Um die Digitalisierung der Branche voranzutreiben sind Datenumfang und Datenqualität entscheidend. Daher strebt BiPRO langfristig die Etablierung eines neuen Standards für die Bestandsdaten an, über den Vermittler zu allen Sparten umfassende und tages-aktuelle Daten erhalten. Neben RNext-Gruppe TAA Risikoleben und DIOPLUS BDÜ gibt es bei BiPRO aktuell neun weitere Aktivitäten. Sechs laufen im RNext-Umfeld, drei in RClassic. Über die BiPRO-Homepage www.bipro.net und hier der Reiter „Aktivitäten“ können Interessierte mehr zu den einzelnen Aktivitäten erfahren, ihrem Status, ihren Initiatoren und Teilnehmern.

Ohne Kooperation geht nix

Für Vergleicher wie Softfair zum Beispiel sind die Webservices für TAA, also die Normen 420ff, wichtig. „Darüber hinaus nutzen wir auch dies Services der 430-Normen, um Vertrags-Dokumente und Daten von Versicherern direkt unseren Kunden über ein Bestandssystem zur Verfügung zu stellen“, gibt Geschäftsführer Brauch einen Einblick. Bei beiden Themenbereichen arbeite Softfair langjährig mit den meisten Häusern zusammen. Um diese Zusammenarbeit im Hinblick auf standardisierte und durchgängige Prozesse stetig zu verbessern, habe man das Softfair-Prozesssiegel veröffentlicht; siehe: www.softfair.de/produkte/prozesssiegel. Besonders kooperativ seien für den Personenversicherungsbereich die Gesellschaften WWK, Nürnberger, Volks-wohl Bund und Allianz, sowie bei Sachversicherungen Rhion, Volkswohl Bund, Itzehoer und Neodigital.

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