Die Restschuldversicherung braucht endlich eine richtige Reform

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Grundsätzlich ist die Absicherung der Kreditrückzahlung ein sinnvolles Konzept. Doch die aktuelle Handhabung weist offenbar mehrere Schwachstellen auf – und das nicht erst seit heute. Warum ändert sich also nichts?

Zwar müssen die Restschuldversicherer ihre Kunden schon seit 2018 innerhalb einer Woche nach Vertragsabschluss erneut in Textform über ihr Widerrufsrecht aufzuklären. Doch bereits vor knapp einem Jahr hatte eine Untersuchung des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Hamburg festgestellt, dass die meisten dazu verwandten Welcome-Letters dieser Aufgabe nicht gerecht würden. Diese Mini-Reform hat also offenbar nicht ausgereicht, um eine grundliegende Verbesserung zu schaffen.

Es braucht einen Provisionsdeckel

Davon überhaupt nicht betroffen sind die teilweise enormen Provisionssätze. Eigentlich sollten die Vergütungen für die Vermittlung von Restschuldversicherungen im Zuge der Einführung eines Provisionsdeckels in der Lebensversicherung mit reguliert werden. Hier standen maximal 2,5 Prozent der Darlehenssumme als Vergütung im Raum. Umgerechnet in einen Provisionssatz wären das etwa 10 bis 15 Prozent der Prämie.

Doch der Deckel lässt weiter auf sich warten. Wichtig: Mit Blick auf die schon seit Jahren sinkenden Abschlusskostenquoten der Lebensversicherer erscheint dieser ohnehin nicht notwendig und wäre in der aktuellen Krise kein schönes Signal für Versicherungsvermittler. Aber warum lässt sich, in Anbetracht der Missstände, kein eigener Provisionsdeckel nur für die Restschuldversicherung durchsetzen? Dass die Sätze zu hoch sind, ist anscheinend allgemeiner Konsens. Und gerade in einer Krise wie der aktuellen würde vielen Verbrauchern eine Entlastung guttun. Mit Blick auf die Zahlen dürfte bei den Banken dann immer noch genug hängenbleiben.

Nicht unter den Tisch fallen darf bei den Forderungen nach Verbesserungen die freiwillige Initiative zahlreicher Restschuldversicherer. Die Teilnehmer räumen ihren Kunden unter anderem eine längere Widerrufsfrist ein und wollen ihre Dokumente leichter verständlich machen. Von einer deutlichen Absenkung der Provisionssätze für die Vermittlung der Verträge ist bislang aber nicht die Rede.

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