Die Restschuldversicherung braucht endlich eine richtige Reform

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Provisionen von über 50 Prozent und verunsicherte Kunden: Erneut zeigt eine BaFin-Studie die Schwachstellen der Restschuldversicherung auf. Diese gehört endlich anständig reformiert, findet procontra-Redakteur Florian Burghardt. Am besten durch einen Provisionsdeckel.

Die Missstände in der Restschuldversicherung sind offenkundig, eine echte Reform überfällig, findet procontra-Redakteur Florian Burghardt.

Die Missstände in der Restschuldversicherung sind offenkundig, eine echte Reform überfällig, findet procontra-Redakteur Florian Burghardt. Bild: procontra

Die Restschuldversicherung ist nicht gerade das Aushängeschild der Versicherungsbranche. Wer sich beispielsweise 10.000 Euro leiht und die Pflicht zur Rückzahlung des Darlehens im Falle von Tod, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit an einen Versicherer abtritt, zahlt dafür häufig rund 1.000 Euro Prämie – und mehr.

Nun könnte man meinen, die relativ hohen Prämiensätze von 10 bis 20 Prozent der Darlehenssumme seien versicherungsmathematisch gerechtfertigt. Schließlich werden Risiken wie der Jobverlust aufgefangen und im Todesfall muss der Versicherer sogar die gesamte Restschuld übernehmen. Doch diese Rechnung hinkt. Denn die Risikoanteile in den Prämien für Restschuld-Policen sind sehr gering. Das hat nun erneut die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in einer Marktuntersuchung unter 30 Restschuldversicherern und 31 Banken festgestellt.

Häufig 50 Prozent Provision und mehr

Ergebnis: Die Provisionen, welche die Versicherer den Banken (diese bieten die Policen in der Regel gleich zusammen mit dem Darlehen an) für die Vermittlung der Verträge zahlen, seien teilweise außerordentlich hoch und würden deshalb einen lukrativen Anreiz für die Kreditinstitute bilden, möglichst viele Restschuldversicherungen mit einer möglichst hohen Prämie zu verkaufen.

Zudem haben sich die Provisionssätze der Anbieter seit der letzten BaFin-Untersuchung vor drei Jahren nicht oder nur geringfügig verringert. Das ist bemerkenswert, weil damals zwei Drittel der Banken angaben, mindestens 50 Prozent der Versicherungsprämie als Provision zu erhalten. Um beim obigen Beispiel zu bleiben: Das sind 500 Euro Provision für ein Zusatzprodukt innerhalb der Darlehensberatung. In der Spitze habe der Provisionssatz sogar bei knapp 85 Prozent der Prämie gelegen.

Abschluss unter Druck?

Noch kritischer als die hohen Vergütungen ist aber offenbar teilweise die Atmosphäre, in der die Policen vermittelt werden. Die BaFin hat dazu eine Umfrage unter 1.000 Kreditnehmern (keine Immobilienkredite) als Ergänzung zu ihrer Marktuntersuchung erstellt. Von ihnen haben 292 eine Restschuldversicherung zur Absicherung ihres Darlehens abgeschlossen.

Zwar behaupten 80 Prozent dieser Restschuldversicherungsnutzer, verstanden zu haben, dass der Darlehensvertrag auch ohne die Police abgeschlossen werden kann. Gleichzeitig gaben aber 55 Prozent der Nutzer an, dass sie ihrem Eindruck nach ohne die Restschuldversicherung den Ratenvertrag nicht bekommen hätten beziehungsweise höhere Darlehenszinsen hätten zahlen müssen (56 Prozent).

Restschuldversicherungen stehen also häufig für verhältnismäßig hohe Provisionssätze und Abschlüsse, die zumindest zu einem nicht unerheblichen Teil auf Basis des Unverständnisses und der Einschüchterung der Kunden erwirkt werden. Beinahe beiläufig muss noch erwähnt werden, dass die sogenannten Welcome-Letters der Restschuldversicherer, die vor allem über das Widerrufsrecht aufklären sollen, aus Sicht der BaFin oftmals nicht verbraucherfreundlich gestaltet sind. All diese Punkte tragen nicht gerade dazu bei, das Image von Versicherern und Banken zu verbessern.

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