Corona-Krise steigert Rechtsschutzbedarf

Anne Hünninghaus Versicherungen

Bedingt duch die Pandemie ist die Nachfrage nach juristischer Beratung in den vergangenen Monaten weiter gestiegen. Insbesondere die Bereiche Reise- und Arbeitsrecht sind für Rechtsschutzversicherte von Interesse. Die R+V Versicherung gab nun Einblick, welche Fragen die Kunden besonders beschäftigen.

Beim Vertragsrechtsschutz verzeichnet der Versicherer R+V einen Anstieg von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Beim Vertragsrechtsschutz verzeichnet der Versicherer R+V einen Anstieg von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bild: Adobe Stock/Tanja Esser

Bleibe ich auf den Urlaubskosten sitzen, obwohl ich ihn Pandemie-bedingt nicht antreten kann? In welchen Fällen lässt sich eine Reise noch stornieren? Darf mein Arbeitgeber mich zwingen, ins Büro zurückzukehren? Die Corona-Krise hat in den vergangenen Monaten im Alltag vieler Deutscher völlig neue – und ungewöhnlich viele – Rechtsfragen aufgeworfen. Die aktuell wieder steigenden Infektionszahlen verunsichern die Deutschen zusätzlich. Die ungewohnte Situation steigerte in diesem Jahr das Bedürfnis nach rechtlicher Beratung rapide.

Das beobachtet auch die R+V Versicherung. Insbesondere Fragen um Reiserücktritte beschäftigten die Menschen. Beim Vertragsrechtsschutz verzeichnet der Versicherer einen Anstieg von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine immer wiederkehrende Frage sei: Was tun, wenn die Fluggesellschaft mir das Geld für einen abgesagten Flug nicht zurückzahlt? Andere Kunden wurden vom Auswärtigen Amt aus einem Risikogebiet zurückgeholt und möchten nun wissen, ob sie die Kosten für den Heimtransport aus dem Urlaub tragen müssen.

Rechtskosten steigen kontinuierlich

Auch im Arbeitsrecht wirft die Pandemie teils neue Fragen auf. Darunter laut R+V: Darf der Arbeitgeber seine Angestellten freistellen und müssen diese Gehaltskürzungen akzeptieren? In solchen Fällen – die für die kommenden Monate verstärkt erwartet werden – heißt es: Wohl dem, der über eine Rechtsschutzversicherung verfügt. Hier hatte es bereits im Frühling einen erheblichen Mehrbedarf an telefonischer juristischer Beratung gegeben.

Die Kosten zur Durchsetzung von strittigen Rechtsansprüchen wachsen zurzeit weiter. Nach einer GDV-Analyse hatten diese sich bereits in den vergangenen sechs Jahren um 19 Prozent erhöht. Aktuell rechnet der Versicherer-Verband mit steigenden Fallzahlen aufgrund der Krise und hatte schon im Juli eine „Gebührenanpassung in der Rechtsschutzversicherung mit Augenmaß“ vorgeschlagen. Einige Anbieter haben inzwischen bekannt gegeben, der Empfehlung einer Beitragsanpassung von bis zu fünf Prozent in Privatkundentarifen mit Selbstbeteiligung zu folgen.

In der Rechtsschutzversicherung gibt es immer wieder Fälle, in denen der Versicherer den Leistungsantrag ablehnt. In einigen davon stellt sich nach rechtlicher Prüfung allerdings heraus, dass der Anbieter doch leistungspflichtig ist. Unter anderem solche Situationen tragen dazu bei, dass die Sparte Rechtsschutzversicherung eine vergleichsweise hohe BaFin-Beschwerdequote aufweist. Welche Anbieter laut Kundenurteil besonders fair sind, zeigte kürzlich eine Umfrage des Analysehauses ServiceValue.

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