Continentale: „Die Nachwirkungen der Krise lassen sich beherrschen“

Anne Hünninghaus Unternehmen Digital Berater Versicherungen

Zum Auftakt des Vertriebskongresses der Continentale Versicherung diskutierte eine Expertenrunde die Corona-Effekte auf Vermittler wie Versicherer – und das überraschend optimistisch. Mahnende Worte gab es indes von Prof. Dr. Bert Rürup.

Vertriebskongress der Continentale

Am 15. September startete der Vertriebskongress der Continentale. Bild: Volker Wiciok

Trotz der allgegenwärtigen Krise schien die Stimmung auf dem Vertriebskongress der Continentale überraschend optimistisch. Das vermittelte zumindest die Auftaktveranstaltung, in der die Auswirkungen der Pandemie auf die deutsche Wirtschaft, die Sozialversicherungssysteme und den Versicherungsvertrieb diskutiert wurden. Den Experten-Talk am Dienstagmittag bestritten Prof. Dr. Bert Rürup, Continentale-Vorstand Dr. Helmut Hofmeier, Dr. Alban Senn von der Munich Re und VOTUM-Geschäftsführer Martin Klein.

Noch spüre man keine allzu starken Negativeffekte, beruhigte Hofmeier. Der Ausbau der Digitalangebote in den Bereichen Leben und Kranken biete sogar Chancen – auch weit über die Krise hinaus. Auch habe die Pandemie die Sensibilität der Menschen für das Thema Berufsunfähigkeit erhöht. Die dem Kongress virtuell beiwohnenden Branchenvertreter pflichteten via Online-Abstimmung bei: Danach gefragt, wie sich die deutsche Versicherungswirtschaft in den nächsten drei Jahren entwickeln werde, votierten 44 Prozent mit „gleichbleibend“ und knapp 30 Prozent sogar mit „positiv“. Einen Sinkflug für die Branche befürchten derweil nur 26 Prozent.

Zunächst seien die Leistungsausgaben in der Krankenversicherung gesunken, so Hofmeier. das ist allerdings eine nur scheinbar positive Nachricht für Versicherer, da oftmals verzögerte Arztbesuche sich langfristig gegenteilig auswirken könnten. Gefahren sieht Dr. Alban Senn, Chief Medical Officer der Munich Re, vor allem in psychischen Symptomen wie Antriebs- und Lustlosigkeit, ausgelöst durch die Corona-Krise.

Klein: „Berater haben sich zukunftssicher aufgestellt"

Martin Klein zeichnete für die Vermittlerschaft ein heterogenes Bild: Viele Berater hätten in der Krise die Chance erkannt und genutzt, den eigenen Betrieb zukunftssicher aufzustellen. Ein bislang stetig aufgeschobenes „Man müsste eigentlich mal…“ konnten sie – gerade in puncto Digitaltools – in ein „Wir machen das jetzt“ übersetzen. Größere Vertriebe hätten ihre Digitalberatungsquoten im vergangenen Halbjahr teils von 60 auf 90 Prozent steigern können. Durch den Zeitgewinn wegfallender Reisen und Fahrten zum Kunden hätten diese teils Umsatzwachstum verzeichnen können.

Doch sind auch nicht alle gleichermaßen von den Schattenseiten der Corona-Krise eingeholt worden: „Einem Vermittler geht es gut, wenn es seinen Kunden gut geht. Solange die Klientel wenig betroffen ist, muss er sich zwar neue Kommunikationswege suchen, wird aber wenige Probleme bekommen.“ Anders sieht es naturgemäß für diejenigen aus, deren Hauptzielgruppe in Bereichen wie Gastro, Event oder Kultur verortet sind. Dann gilt Klein zufolge dasselbe Prinzip wie im Flugzeug, wenn Turbulenzen auftreten: Statt unmittelbar in den Rettungmodus zu verfallen, müsse man zunächst sich selbst helfen und den eigenen Betrieb am Laufen halten. Mit Blick auf die kommenden Monate riet der VOTUM-Geschäftsführer Vermittlern: „Bieten Sie weiterhin Digitalberatung an, seien Sie in den sozialen Netzwerken präsent und – falls ihre derzeitige Klientel nachhaltig stark krisengeschüttelt ist: Stellen Sie sich in ihrem Neugeschäft breiter auf.“

Rürup: „Eine massive Zäsur“

Weniger positiv blickt derweil Dr. Bert Rürup auf die Lage. Die geschwächte Welt- sowie Binnenwirtschaft durch Lockdown und Exportausfälle habe die deutsche Volkswirtschaft zum Ende des zweiten Quartals um 9,7 Prozent einbrechen lassen. Trotz der „relativ dynamischen“ Erholung, die derzeit im Gange ist, erwarte er, dass die deutsche Wirtschaft zum Ende des Jahres gegenüber dem Jahresanfang um 6,5 Prozent geschrumpft sein werde. „Vor Ende 2022 werden wir vermutlich das Niveau von Anfang 2020 nicht wieder erreicht haben. Und dann sind drei Jahre verloren, in denen wir sonst gewachsen wären“.

Für die Versicherungsbranche schwierig sei zudem, dass durch die Pandemie die Nullzinspolitik weiter prolongiert werde. Auch seien aufgrund der bisherigen Aktien-Aversion der Deutschen viele Versicherungsprodukte in Bezug auf Kapitalanlagen „falsch gestrickt“. Hier sieht der Experte nun Nachholbedarf. Doch trotz aller strukturellen Herausforderungen für verschiedene Branchen gebe es eine gute Nachricht: „Die Arbeitslosigkeit wird trotz der Krise in Deutschland nicht rapide steigen – das ist entscheidend für die Stabilisierung des Binnenkonsums – und damit auch für die Versicherungsbranche.“

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