Bonner Erklärung: Das fordern Vermittlerverbände von Politik und Versicherern

Anne Hünninghaus Versicherungen Berater

Weitere Finanzspritzen, inhaltliche Einbindung in die Riesterreform und ein Regulierungsstopp: Am Freitag sammelten BVK und AVV ihre wichtigsten Anliegen in einem gemeinsamen Positionspapier. Hier ein Überblick zur Wunschliste der Verbände.

BVK-Präsident Michael H. Heinz

BVK-Präsident Michael H. Heinz sieht Versicherer und Politik in der Pflicht. Bild: BVK

Der Berufsstand sei an seiner Belastungsgrenze angekommen – dieses Alarmsignal senden die Spitzen der Vermittler-Verbände nach ihrem diesjährigen Treffen in ihrer so genannten Bonner Erklärung aus. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) und die Vorstände des Arbeitskreises Vertretervereinigungen der Deutschen Assekuranz (AVV) sowie die der Vertretervereinigungen, die gemeinsam rund 40.000 Versicherungsvermittler repräsentieren, stellten ihre Konferenz am vergangenen Freitag unter das Motto „Gestärkt aus der Krise”. In einem teils eindringlich formulierten Positionspapier veröffentlichten sie ihre Wunschliste an Versicherungswirtschaft und politische Entscheidungsträger.

Forderungen an die Politik

Die Verbände drängen in ihrem Papier darauf, die „schwierige Situation der Vermittler" angemessen zu berücksichtigen und die Soforthilfe hinsichtlich der „nachgelagerten Liquiditätsproblematik" anzupassen. Der Hintergrund: Viele Vermittler würden die Einnahmeverluste voraussichtlich erst zeitversetzt mit voller Wucht zu spüren bekommen, wenn sich Umsatzverringerungen im folgenden Jahr manifestierten und verstärkten. Daher brauche es weitere finanzielle Unterstützung.

Eine größere Tragweite hat allerdings die Forderung nach einem Regulierungsstopp. Angesichts der Krise sei es „an der Zeit, bestehende Regulierung zu evaluieren und den Mittelstand deutlich zu entlasten“, so das Anliegen des BVK. Die Nettonachricht an die Politik: Während die Branche mit den Corona-Konsequenzen kämpft, soll es keine weitere Regulierungswelle geben. Konkret gemeint sind damit die geplante Aufsichtsübertragung der Finanzanlagevermittler auf die BaFin und die – zuletzt ohnehin festgefahrenen – Diskussionen um einen Provisionsdeckel. „Die Vermittler fordern als wichtiger Teil des Mittelstands mit hoher sozialpolitischer Bedeutung nun eine Zeit zum Durchatmen und ein Absehen von weiteren regulatorischen Maßnahmen.“

Mit Blick auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr appellieren die Verbände zudem an alle im Parlament vertretenen Parteien, „die Vermittlerthemen bereits in ihren Wahlprogrammen positiv zu berücksichtigen" und auf das Thema Entbürokratisierung zu setzen. Der BVK werde erneut Fragenkataloge versenden und im Vorfeld Wahl veröffentlichen, so die Ankündigung.

Appell an die Versicherer

Ebenfalls wünscht man sich eine stärkere Einbindung in die aktuell wieder auflebende Riester-Diskussion. Die Vermittler fordern von der Versicherungswirtschaft und der Politik, den BVK als größten Vermittlerverband hier frühzeitig miteinzubeziehen. Für den Erfolg der geplanten Reform seien die Erfahrungen der Vertriebsexperten unabdingbar: „Die Vermittler werden ihre Kunden letztlich vom Nutzen eines neuen Produkts nur überzeugen, wenn sie guten Gewissens dahinterstehen."

„Spätestens mit der Krise sollte allen Vermittlern klar geworden sein, dass die Digitalisierung zentraler Wettbewerbsfaktor ist“, heißt es in der Erklärung. Bei einer Stärkung und Befähigung der Vermittler möchten es die Verbände aber nicht belassen, auch die Versicherungsunternehmen sieht man in der Pflicht. So seien vor allem Vertreter auf deren hauseigene digitale Angebote angewiesen. „Die Vermittler fordern von der Versicherungswirtschaft, die Vermittlerinteressen bei der digitalen Transformation angemessen zu berücksichtigen“, so die sehr allgemeine Forderung. Auch müsse man gemeinsame Vergütungslösungen finden, unter dem üblichen Grundsatz „Provision folgt Prämie“ sei dem geänderten hybriden Kundenverhalten unter finanziellen Gesichtspunkten Rechnung zu tragen.

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