Afrikanische Schweinepest: Welche Schäden von Landwirten sind versichert?

Florian Burghardt Berater

Heute wurde der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland bestätigt. Vor allem aufgrund sinkender Marktpreise werden hohe Einbußen für Landwirte erwartet. Doch es gibt in diesem Zusammenhang auch andere, versicherbare Schäden.

Die Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht. In Mastbetrieben könnte es dadurch zu vielen vorsorglichen Schlachtungen kommen – und damit zu hohen Einbußen bei Landwirten.

Die Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht. In Mastbetrieben könnte es dadurch zu vielen vorsorglichen Schlachtungen kommen – und damit zu hohen Einbußen bei Landwirten. Bild: Pixabay

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Deutschland angekommen. Wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner heute mitteilte, hat sich der Verdacht bei einem gestern nahe der deutsch-polnischen Grenze gefundenen Wildschweinkadaver bestätigt. Bereits seit zwei Jahren grassiert die Seuche in China und hat sich ihren Weg bereits in mehrere europäische Staaten gebahnt. Das Virus ist für Menschen und andere Tierarten ungefährlich, als Überträger gelten nur Schweine und Parasiten. Bei Schweinen führt sie fast immer zum Tod, zudem müssen sehr viele Tiere vorsorglich geschlachtet werden.

Auch wenn Experten schon seit längerem damit gerechnet hatten, könnte der Befund hierzulande großen Schaden anrichten. Der Deutsche Bauernverband hatte bereits verlauten lassen, dass man mit einem „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ rechne, eventuell sogar mit Schäden in Milliardenhöhe. Diese würden sich aber weniger durch konkrete Versicherungsschäden ergeben, sondern vielmehr dadurch, dass in Folge der Seuche ein Rückgang der Nachfrage nach Schweinefleisch zu erwarten ist. Dann würden nicht nur die Preise sinken, sondern auch die generellen Absatzmöglichkeiten. Denn wenn Deutschland nicht mehr als seuchenfrei gilt, drohen Exportbeschränkungen ins Nicht-EU-Ausland. Dass solche Marktpreisrisiken jedoch nicht versicherbar sind, betonte heute noch einmal der GDV.

Dennoch ist vieles versicherbar

In Bezug auf direkte Schäden in den Mastbetrieben informierte der Gesamtverband aber über finanzielle Ausgleichsmöglichkeiten. So würden etwa alle Tiere Anweisung der Veterinärbehörde vorsorglich getötet, wenn die ASP in einem Mastbetrieb nachgewiesen werde. „Für den Verlust erhalten die Landwirte eine Entschädigung von der öffentlich-rechtlichen Tierseuchenkasse (TSK), die sich aus den Pflichtbeiträgen aller Tierhalter finanziert. Die TSK erstattet allerdings nur den gemeinen Tierwert und die Tötungskosten. Einkommensausfälle übernimmt sie nicht“, heißt es dazu in einer GDV-Stellungnahme.

Bei den Einkommensausfällen – etwa weil vorsorglich geschlachtete Tiere nicht mehr weiterverarbeitet werden dürfen – können sich die Bauern mit einer landwirtschaftlichen Ertragsschadenversicherung absichern. Sie deckt den Mehrerlös ab, der in solchen Fällen ausbleibt. Auch mittel- bis langfristige Schäden können in der Deckung enthalten sein, beispielsweise wenn ein Hof wegen dezimierter Bestände dauerhaft weniger Milch oder Ferkel produziert.

Kommt ein Zeichnungsstopp?

Versicherungsschutz gilt im Rahmen der Policen auch für Mastbetriebe, die zwar nicht direkt betroffen sind, aber in der Nähe eines Seuchengehöfts oder -gebiets liegen. Denn diese Betriebe können beispielsweise durch Transportverbote oder präventive Schlachtungen finanzielle Einbußen erleiden.

Die Policen seien jedoch sehr unterschiedlich ausgestaltet, so Andreas Hahn, Landwirtschaftsexperte des GDV. Ähnlich der Betriebsschließungsversicherung können auch einzelne Krankheiten oder Erreger ausgeschlossen sein. Für Landwirte empfiehlt sich deshalb aktuell, ihre bestehenden Policen zusammen mit kompetenten Beratern auf den Schutz gegen ASP abzuklopfen. Für Neuanträge oder Deckungseinschlüsse muss gegebenenfalls eine Wartezeit eingehalten werden, ehe Leistungen in Anspruch genommen werden können. Zudem wird sich bald zeigen, ob die Versicherer nach dem Ausbruch der ASP in Deutschland einen Zeichnungsstopp für derartige Deckungen anordnen.

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