Waldbrand: Welchen Versicherungschutz die erhöhte Gefahr erfordert

Anne Hünninghaus Versicherungen

Knapp die Hälfte des deutschen Waldes befindet sich in Privatbesitz. Aufgrund anhaltender Dürre und drohender Unwetter sind Baumbestände vielerorts in diesem Sommer wieder stark gefährdet. Auf welche Policen kommt es an?

Allein im vergangenen Jahr haben Feuer 2.711 Hektar Wald verschlungen.

Allein im vergangenen Jahr haben Feuer 2.711 Hektar Wald verschlungen. Bild: Adobe Stock/Evgeny Dubinchuk

38 Grad und es wird noch heißer: Vielerorts in Deutschland werden in diesem August bereits wieder neue Hitzerekorde aufgestellt. Das allein wäre für die Natur verkraftbar, wären die Böden mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt. Doch wie schon in den vergangenen Sommern ist auch 2020 der Regen wieder rar. Mai und Juni waren erheblich zu trocken, hinzu kommt die fehlende Abkühlung in den Nächten, die erneut zurzeit größtenteils tropisch ausfallen.

Das führt nicht nur zu Schlaflosigkeit und Kreislaufproblemen, sondern ist insbesondere für die Wälder eine große Gefahr. Der Blick auf die Karte des Deutschen Wetterdienstes offenbart ein Farbspektrum von gelb über orange bis hin zu violett: Waldbrände drohen, vor allem im Osten des Landes. Die bedenkliche Entwicklung ist bereits seit mehreren Jahren im Gange, insbesondere 2019 schlug zu Buche: Seit Erhebung der Waldbrandstatistik im Jahr 1977 ging im vergangenen Sommer in Deutschland mit 2.711 Hektar die zweitgrößte Waldfläche durch Brände verloren. Dass insbesondere Teile Brandenburgs und Sachsens betroffen sind und waren liegt an den anfälligen Ökosystemen mit sandigen Böden und oft trockenen Nadelbaum-Monokulturen.

Die für die kommenden Tage angekündigten Hitzegewitter könnten die Situation jedoch – trotz erwarteter Niederschläge – weiter verschärfen. Häufig lösen nämlich Blitzeinschläge Brände aus. Weitere Ursachen sind achtlos weggeworfene Zigaretten, Brandstiftungen oder Lagerfeuer. Laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft wüten hierzulande pro Jahr rund 1.000 größere Waldbrände. Die Schäden summieren sich auf etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

Welche Schäden sind gedeckt?

Ein knappes Drittel der deutschen Landesfläche besteht aus Wäldern, das entspricht einer Fläche von rund 11,4 Millionen Hektar. Fast die Hälfte davon befindet sich in privater Hand, 29 Prozent gehören den Ländern, 19 Prozent den Städten, Kommunen und Kirchen und die übrigen vier Prozent dem Bund.

Während öffentlicher Wald in der Regel nicht versichert ist, können Wald- und Forstbesitzer Feuer-, Blitz- und Explosionsrisiken mit einer Waldbrandversicherung abdecken. Versichert ist der Waldbestand, das bereits geschlagene Holz, sofern es sich noch im Besitz des Forstwirtes befindet, ebenso wie Weihnachtsbaumkulturen. Ersetzt wird der durch Brand verursachte Sachschaden bis zur Höhe der vereinbaren Versicherungssumme, was beispielsweise auch Jagdeinrichtungen wie Hütten oder Hochsitze einschließt. Auch der Löscheinsatz der Feuerwehr und Abräumkosten werden ersetzt. Für Folgekosten, zum Beispiel für eine Wiederaufforstung, ist allerdings eine separate Versicherung nötig.

Etwa 98 Prozent der rund zwei Millionen privaten Waldbesitzer hierzulande verfügen über kleinere Waldflächen bis zu 20 Hektar Fläche. Die Nachfrage nach Waldbrandversicherungen ist in den vergangenen Jahren gestiegen, berichtete zuletzt die Gothaer. Teils schließen sich Waldbesitzer zu staatlich geförderten Forstbetriebsgemeinschaften zusammen, die eine für das Maklergeschäft besonders interessante Anspruchsgruppe sein können. Für die Prämienfindung relevant sind vor allem Art und Alter der Bäume relevant, differenziert wird aber auch nach Region – je nach Bodenbeschaffenheit und durchschnittlicher Niederschlagsmenge gibt es teils große Unterschiede.

Das sind die wichtigsten Policen

Neben der Waldbrandversicherung braucht es für den Rundum-Schutz aber auch weitere Absicherung. Wer aus Achtlosigkeit einen Waldbrand verursacht – oft reicht dafür schon ein Funke aus – sollte über eine private Haftpflichtversicherung verfügen. Je nach Einzelfall übernimmt diese den Schaden auch bei grober Fahrlässigkeit.

Greift das Feuer auf an das Waldgebiet angrenzende landwirtschaftlich genutzte Felder oder sogar Wohngebäude über, gibt es weitere Leidtragende, die entschädigt werden müssen. Im Falle der Landwirte greifen Agrartarife allerdings nur zum Teil, hier ist Aufklärung und entsprechende Beratung eine immer wichtiger werdende Pflicht.  Im Falle von Häusern am Waldrand decken Wohngebäude- und Hausratsversicherungen die durch Waldbrände bedingten Schäden.

Doch auch die beste monetäre Absicherung tröstet über die stetigen Verluste des für unser Ökosystem so wichtigen Grüns kaum hinweg. Am wichtigsten ist korrektes Verhalten, um Brände zu vermeiden: Im Wald nicht rauchen und kein Lagerfeuer entzünden, keine reflektierenden Gegenstände wie Glasflaschen liegenlassen oder mit dem Auto Waldwege befahren, da auch von heißen Katalysatoren Gefahr ausgeht.