Urteil: Die Kollision mit der sich öffnenden Fahrzeugtür

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Eine sich öffnende Fahrzeugtür, zu wenig Zeit zum Bremsen, eine Kollision: Das beschriebene Szenario ist für viele Verkehrsteilnehmer ein wohlbekanntes Risiko. Doch wer haftet im Fall einer Kollision, wenn Mindestabstände missachtet werden? Das Amtsgericht Frankenthal musste entscheiden.

Fahrzeugtür

Beim Aussteigen aus dem Auto muss die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen werden. Bild: Pixabay/ DJ_Moertel

Augen auf im Straßenverkehr – selbst wenn man bereits zum Halten gekommen ist. Doch wer trägt die Schuld, wenn es beim Öffnen einer Autotür zu einer Kollision kommt? Mit dieser Frage setzte sich nun das Amtsgericht Frankenthal auseinander (Az: 3c C 61/19).  

Was war passiert?  

Ein Autofahrer war auf einer Straße unterwegs, als sich bei einem Auto am rechten Fahrbahnrand die Fahrertür öffnete. Es kam zur Kollision. Am parkenden Auto entstand ein Gesamtschaden in Höhe von 5.361,53 Euro. Zwischen dessen Besitzer und dem vorbeifahrenden Autofahrer kam es zum Streit: Konkret ging es um die Frage, wie weit der Besitzer des parkenden Autos seine Tür geöffnet hatte und ob der Beklagte (der Fahrer des vorbeifahrenden Autos) die erforderliche Sorgfalt im Straßenverkehr hatte vermissen lassen.

Das Urteil 

Das Amtsgericht Frankenthal befand, dass der Kläger und Besitzer des parkenden Fahrzeugs den Schaden an seinem Fahrzeug überwiegend selbst verschuldet habe. Gemäß § 14 Abs. 1 StVO muss sich jeder Verkehrsteilnehmer beim Ein- und Aussteigen aus dem Fahrzeug so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Hierzu gehöre auch die genaue Beobachtung des fließenden Verkehrs. Dies hatte der Besitzer des parkenden Autos nicht getan, was durch Zeugen sowie Sachverständigen festgestellt wurde.  

Allerdings treffe auch den Fahrer des vorbeifahrenden Autos eine Mitschuld. So sieht § 5 Abs. 4 StVO vor, dass nur überholt werden dürfe, wenn ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern eingehalten und eine Behinderung, Gefährdung oder Schädigung des Überholten vermieden werden kann. Diese Regeln gelten nicht nur für fahrende Verkehrsteilnehmer, sondern auch für Vorbeifahrten an parkenden Fahrzeugen.  

Der Fahrer des fahrenden Autos hatte das parkende Fahrzeug jedoch laut Überzeugung des Gerichts mit einem Abstand von lediglich 30 bis 35 Zentimetern überholt – dies sei deutlich zu gering.  

Beide Fahrer hätten den Unfall somit schuldhaft herbeigeführt. Allerdings wiege der Verstoß des Klägers schwerer, da er entgegen der besonderen Sorgfaltspflicht aus § 14 Abs. 1 StVO die Gefahrensituation erst heraufbeschworen habe. Bei einem regelkonformen Verhalten seinerseits hätte es gar nicht erst zu einem Unfall kommen können. Im Gegensatz hierzu hätte der Fahrzeugführer des überholenden Autos lediglich das Fehlverhalten des Besitzers des parkenden Fahrzeugs nicht angemessen antizipiert.  

Das Amtsgericht entschied folglich, dass letztlich eine Haftungsverteilung im Verhältnis von 1/3 zu 2/3 zu Lasten des Klägers gerechtfertigt sei.

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