Trotz Corona: Deutsche sind so vermögend wie nie zuvor

Anne Hünninghaus Berater Investmentfonds Corona

Trotz herber Verluste im ersten Quartal sind die Privatvermögen hierzulande mit Ende des Halbjahrs 2020 auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Andere Eurozonen-Länder hat Corona indes auch finanziell deutlich härter getroffen.

Das Privatvermögen stieg zum Ende des ersten Halbjahrs in Deutschland um rund 3,4 Prozent.

Das Privatvermögen stieg zum Ende des ersten Halbjahrs in Deutschland um rund 3,4 Prozent. Bild: Adobe Stock/weyo

Die Krise ist noch lange nicht vorüber. Und doch lässt sich eine erste Zwischenbilanz ziehen, welche Effekte Corona europaweit auf Wohlstand und Vermögensbildung hatte. Für die Eurozone insgesamt klingt die in einer Analyse der ING Bank erhobene Zahl erschreckend: Das gesamte Privatvermögen ist innerhalb eines Quartals um 771 Milliarden Euro gesunken, das entspricht einem Verlust von drei Prozent. Zwar legten die Eurozonenbürger mehr als 165 Milliarden Euro neu an – so viel wie seit 2007 nicht mehr in einem Jahresanfangsquartal. Dennoch verzeichnet die EU den mit Abstand höchsten Finanzvermögensverlust binnen drei Monaten in den vergangenen 20 Jahren. Zum Vergleich: Das stärkste Minus in der Finanzkrise vor zwölf Jahren lag im ersten Quartal 2008 mit 2,3 Prozent deutlich darunter.

Deutsche legen verstärkt am Kapitalmarkt an

Deutsche Sparer traf die Krise noch vergleichsweise milde, sie büßten in den ersten drei Monaten des Jahres mit 128 Milliarden Euro zwei Prozent ihres Kapitals ein. Das Privatvermögen betrug zum Ende des ersten Quartals somit 6,34 Billionen Euro. Damit befinden wir uns hierzulande im Mittelfeld, was die pandemiebedingten Effekte betrifft. Grund für das glimpfliche Davonkommen ist der in Deutschland hohe Anteil an Bankeinlagen inklusive Bargeld von 41 Prozent. In der Eurozone insgesamt beträgt dieser nur 35 Prozent. Der Anteil an Aktien, die stark mit dem Kaptalmarkt schwanken, ist hier indes mit zehn Prozent entsprechend geringer (Eurozone: 17 Prozent).

Zudem ist das Finanzvermögen der Deutschen bereits wieder auf Rekordniveau gestiegen: Mit der Erholung der Kapitalmärkte und sehr hohen Neuanlagen stieg das Finanzvermögen mit Ende des ersten Halbjahrs 2020 in Deutschland um schätzungsweise 3,4 Prozent oder 212 Milliarden Euro auf einen neuen Rekordwert von 6,55 Billionen Euro. Bezogen auf ein Quartal (April bis Juni 2020) ist das insgesamt das größte Vermögenswachstum aller Zeiten.

Auch ändert Corona den Umgang der deutschen Sparer, die in der aktuellen Niedrigzinsphase zunehmend zu Anlegern am Kapitalmarkt werden. Laut Studie der ING Diba nehmen sie vor allem das Angebot, mit kleinen Beträgen regelmäßig in Wertpapiere zu investieren, als sinnvolle Alternative zum Sparstrumpf an. Diesen Trend, sowie die verstärkte Hinwendung zu Investments in Edelmetalle, belegen auch weitere aktuelle Studien zum Corona-Anlegerverhalten.

Größte Einbußen in Griechenland

Im Vergleich der 19 Eurozonen-Länder von der Krise am stärksten betroffen ist Griechenland. Dort verloren die Bürger – bedingt durch einen großen Anteil von Aktieninvestments – im ersten Quartal des Jahres im Durchschnitt 11 Prozent ihres Vermögens. Auf den weiteren Plätzen folgen Italien mit einem Minus von 5,1 Prozent und Belgien mit minus 4,4 Prozent. Bürger dreier Euro-Länder gingen hingegen sogar mit Gewinnen aus dem Krisenquartal hervor: Sparer in Litauen (plus 5,5 Prozent), Holland (plus 3,3 Prozent) und Zypern (plus 0,5 Prozent) konnten ihre Vermögen im Zeitraum des Shutdowns steigern.

Für die Analyse „Unser Geld & COVID-19“ hat die ING Deutschland Daten der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Börse, der EZB, des statistischen Bundesamts und von Eurostat ausgewertet. Der Ausblick für das erste Halbjahr wurde auf Basis der Entwicklung der Kapitalmärkte mit Hilfe statistischer Schätzverfahren ermittelt.

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