Standard Life: „Neugeschäft soll sich bis 2023 verdoppeln“

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Der Versicherer Standard Life hat sein Portfolio grundlegend überarbeitet. Warum diese Renovierung gerade jetzt notwendig wurde, wollte procontra bei einem Live-Termin in Berlin mit Christian Nuschele, Vertriebsleiter Standard Life Deutschland und Österreich, in Erfahrung bringen.

Standard-Life-Vertriebschef Christian Nuschele (rechts) stand über den Dächern von Berlin den Fragen von procontra-Autor Detlef Pohl Rede und Antwort. Bild: Pohl

procontra: Standard Life (SL) war 2017 mit der Fondsgesellschaft Aberdeen zur Standard Life Aberdeen plc. fusioniert. Ein Jahr später wurde das gesamte Versicherungsgeschäft an den britischen Versicherungskonzern Phoenix Group abgegeben, zu dem seitdem Standard Life Deutschland und Österreich gehören – über die Standard Life International in Irland (procontra berichtete). Zur Einordnung: Was kennzeichnet Ihre drei fondsgebundenen Produktlinien ohne Garantien in Deutschland?

Nuschele: Wir haben uns ganz bewusst auf drei Produktlinien fokussiert, um den Vermittlern möglichst viel Klarheit und Trennschärfe zu bieten. „Maxxellence Invest“ ist das Produkt, mit dem die Kunden mit laufenden Beiträgen für ihre Altersvorsorge ansparen und Vermögen aufbauen können. „ParkAllee“ ist ein Einmalbeitragsprodukt, das sehr stark auf die Geldanlage fokussiert ist. „WeitBlick“ ist ebenfalls ein Einmalbeitragsprodukt, das allerdings speziell auf die Bedürfnisse der Zielgruppe 50plus ausgerichtet ist. Hier liegt der Fokus auf Entsparprozessen und der Vermögensverwendung, aber auch auf der Vermögensübertragung an nachfolgende Generationen, also bei der Finanz- und Ruhestandsplanung.

procontra: Sie haben im Lockdown das komplette Portfolio renoviert. Warum gerade jetzt?

Nuschele: Zum einen haben viele Kunden während des Lockdowns ihre bisherige Altersvorsorge überprüft. Auch die Makler beschäftigen sich intensiv mit neuen Produktlösungen. Dabei achten sie verstärkt auf das Preis-Leistungsverhältnis von Altersvorsorgelösungen und hier insbesondere auf die Kosten. Diesen Fokus hatten wir auch bei unserer Produktüberarbeitung. Das Preis-Leistungsverhältnis gehört in Zeiten niedriger Zinsen und zugleich schwieriger Aktienmärkte auch auf Anbieterseite immer mal wieder auf den Prüfstand. Als kundenorientierter Anbieter muss man sich fragen, ob man bei sich ausreichend auf die Kosten achtet. Das hatten wir strategisch in diesem Frühjahr vor. Die Corona-Krise hat die Umsetzung ein wenig verzögert.

procontra: Was sind die drei wichtigsten Veränderungen?

Nuschele: Die offensichtlichste Änderung ist die Umstellung der Illustrationsmethode. Wir verwenden die Bruttoillustration, weil wir diese Methode für transparenter, fairer und ehrlicher halten. Die zweite große Änderung betrifft unsere Fondspalette. Hier bieten wir in unserer neuen Produktgeneration nur noch provisionsfreie und damit kostengünstigere Anteilsklassen, so genannte Clean Share Classes. Auch mit unserem strategischen Partner Aberdeen Standard Investments konnten wir neue, verbesserte Konditionen für die internen Fonds verhandeln. Als dritte große Änderung würde ich die Erweiterung unseres Angebots passiver Vanguard-Fonds nennen. Insgesamt haben wir mehr als 60 Verbesserungen an unseren Produkten vorgenommen und dabei auch gezielt Vorschläge von Maklern umgesetzt.

procontra: Was hat es mit der die Umstellung von der Netto- auf die Bruttoillustration auf sich (procontra berichtete) und warum ist dies für Makler so wichtig?

Nuschele: Die Bruttodarstellung berücksichtigt neben dem angenommenen Illustrationszins für die Wertentwicklung (häufig 6 Prozent) und den Versicherungskosten auch die Auswirkungen der Fondskosten auf die Ablaufleistung. Die Investment- und Versicherungskosten werden seit dem Start am 16. Juni klar voneinander getrennt und für den Kunden nachvollziehbar ausgewiesen. Das ist ein enormer Fortschritt, denn bisher hat die Gilde der Fondspolicen-Anbieter sich nicht in die Karten der Gesamtkosten schauen lassen. Bei der Nettomethode sind regelmäßig die Fondskosten unterschlagen worden, die zudem sehr unterschiedlich berechnet wurden, obwohl der Name „Nettomethode“ genau dies verspricht.

procontra: Müsste man Kickbacks nicht auch noch berücksichtigen?

Nuschele: In der Tat. Doch die Kickbacks der Fondsgesellschaften an Versicherer und von denen gegebenenfalls an Kunden werden teils durchschnittlich, teils fondsindividuell berechnet und ausgeschüttet. In unseren alten Produktgenerationen haben wir die Kickbacks als Kundenbonus an die Kunden weitergegeben und dies sehr nachvollziehbar ausgewiesen. Wir waren also schon vergleichsweise transparent. Mit der Einführung von provisionsfreien Anteilsklassen und mit dem Verzicht auf Kickbacks gehen wir aber in Sachen Transparenz nochmal einen deutlichen Schritt weiter.

procontra: Das klingt nach Einbußen bei der Vergütung der Vertriebspartner.

Nuschele: Nein, es gibt keinen Nachteil für Vermittler, denn die Gesamtvergütung hat sich in keinem Punkt verschlechtert. Zum Beispiel kann im Einzelfall und je nach Vertragsgestaltung die Abschlusscourtage geringer ausfallen – zugunsten höherer laufender Courtage.

procontra: Warum werden jetzt nur noch provisionsfreie Anteilsklassen verwendet?

Nuschele: Wir bieten im Neugeschäft ausschließlich provisionsfreie und damit kostengünstige Anteilsklassen an, weil das für den Kunden neben den erwähnten Transparenzvorteilen auch deutliche Kostenzvorteile bringt. Der Kostenvorteil der Clean Shares gegenüber der Retail-Klasse ein- und desselben Fonds kann bis zu 0,85 Prozentpunkte betragen. Dies wirkt sich sehr positiv auf die Wertentwicklung aus.

Seite 1: Wie die Verschleierung von Fondskosten beendet wurde
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Die Folgen provisionsfreier Anlageklassen für Kunden und Makler

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