So können Anleger von Themenfonds profitieren

Investmentfonds Top News von Marilena Piesker

Investments mit einem speziellen Branchen- oder Themenfokus liegen zwar im Trend, sind aber nicht immer die richtige Wahl. Wo die konzeptionellen Chancen und Schwierigkeiten liegen und warum Anlegern Konzentrations- und Verwässerungsrisiken drohen.

Investments mit einem speziellen Branchen- oder Themenfokus liegen im Trend.

Investments mit einem speziellen Branchen- oder Themenfokus liegen im Trend. Bild: Adobe Stock/fottoo

Wasser – Big Data – Robotik. Themenfonds, mit denen Anleger gezielt auf besondere Trends setzen können, sind gefragt. Es gibt kaum ein Thema, für das Fondshäuser kein neues Produkt entwickeln. Ende 2019 steckten nach Angaben des Fondsana­lysehauses Morningstar weltweit knapp 180 Milliarden Euro in aktiv und passiv verwalteten Themenfonds. Das entspricht derzeit zwar nur einem Prozent der Fondsgelder weltweit – vor zehn Jahren lag diese Quote aber noch bei 0,1 Prozent. Fonds, die Geschichten erzählen, verkaufen sich offenbar besser.

So soll etwa der Echiquier Artificial Intelligence von der Faszination profitieren, die das Thema künstliche Intelligenz bei Anlegern hervorruft. Und in Pandemiezeiten machen Fonds wie der Credit Suisse Digital Health Equity Furore, die weltweit in Unternehmen investieren, um nach eigener Aussage Innovationen im Gesundheitswesen voranzubringen.

Storytelling sei das eine, aber nicht jede Story führe automatisch auch zu einer hohen Rendite, mahnt Ali Marsawah, Chefredakteur von Morningstar Deutschland. Im Gegenteil: Die durchschnittliche Performance von Themenfonds ist nach seinen Analysen alles andere als überzeugend. „Wer in einen Themenfonds investiert, geht oftmals eine Wette gegen den Markt ein“, betont Masarwah. „Er spekuliert darauf, dass sich ein sehr spezielles Thema am Finanzmarkt durchsetzt.“

Diese Wette geht aber nur selten auf. Das wiederum ist aus mehreren Gründen problematisch. Erstens entgeht Anlegern, die auf das falsche Pferd gesetzt haben, Rendite. Zweitens verlieren Geldgeber und Anbieter nach einigen Jahren oft das Interesse an den Trendthemen und -fonds. Daher werden Themenfonds auch häufiger liquidiert oder mit anderen Fonds verschmolzen. Drittens entstehen Klumpenrisiken. Wer auf ein bestimmtes Thema wie erneuerbare Energien oder Freizeitaktien setzt, verlässt sich nun einmal auf eine überdurchschnittliche Wertsteigerung in einem kleinen Wirtschaftsbereich. Das Risiko, mit solchen Fonds Kapital zu verlieren, ist allein wegen der eingeschränkten Auswahl der Titel deutlich größer als beispielsweise mit einem breit gestreuten Indexfonds (ETF).

E-Commerce und KI vorn

Experten von Morningstar haben analysiert, welche Themenfonds im laufenden Jahr eine gute Performance erreicht haben. Ihr Ergebnis: Fonds aus den Bereichen E-Commerce, künstliche Intelligenz und digitale Gesundheit schnitten zuletzt besonders gut ab. Mit Agrar-, Wasser- und Tourismusfonds haben Anleger in diesem Jahr dagegen hohe Verluste gemacht. Allein diese Gegenüberstellung zeigt das Drama der Themenfonds: Kaum jemand hätte Anfang des Jahres wohl mit einem Niedergang der Reisebranche gerechnet. Doch verliert jede Wachstumsstory eines Fonds zu Zeiten einer Pandemie ihre Aussagekraft.

Hier sollten gerade Makler genau hinschauen. Denn wer in Themenfonds inves­tieren möchte, muss auf jeden Fall strukturelle Veränderungen von kurzfristigen Trends unterscheiden können. Mit tief greifendem Wandel lässt sich nicht unbedingt schnelles Geld verdienen. Selbst wer langfristig anlegt, muss Sektor- und Unternehmensrisiken einkalkulieren – wie in der Touristikbranche. Immerhin: Wer den richtigen Themenfonds erwischt, kann entgegen allen Warnungen auch hohe Gewinne abschöpfen.

Themenfonds richtig diversifizieren

Damit Anleger von Themenfonds profitieren können, sollten sich Berater deren Zusammensetzung gründlich anschauen, empfehlen die Analysten von Morningstar. So zeigt etwa das Megatrendthema Digitalisierung, wie viele Zugänge Anlageberater zu einem Thema wählen können. Ein stark spezialisierter Themenfonds wie der ETF WisdomTree Cloud Computing bildet zum Beispiel bis zu 50 Einzeltitel junger Nischenunternehmen ab, die auf innovative Videotechnologien wie Zoom setzen. Andere Fondsgesellschaften übersetzen Digitalisierung viel breiter – oder investieren vor allem in die Marktführer wie der Digital Leaders Fund.

Wer im Portfolio Namen wie Alphabet oder Siemens findet, weiß, dass recht verlässliche Gewinner digitaler Innovationen dabei sind. Nischenfonds mit Kleinunternehmen bewegen sich dagegen oft in sehr speziellen Marktumfeldern. Das kann womöglich zwar die Diversifikation im Depot erhöhen. Wenn ein Themenfonds nur aus kleinkapitalisierten Unternehmen besteht, ist aber auch das Risiko von Verlusten verhältnismäßig hoch. Außerdem sind Unternehmen eines Themenfonds regelmäßig ähnlichen operativen Risiken ausgesetzt, etwa dem Verbraucherverhalten oder Gesetzesänderungen.

Ob groß oder klein, breit oder schmal – Themenfonds sollten sich auf jeden Fall deutlich vom breiten Markt unterscheiden. Sonst verwässert das ursprüngliche Thema und das Produkt liefert keinen Mehrwert. So sind etwa an der US-Technologiebörse Nasdaq alle großen IT-Konzerne vertreten. Allein damit lässt sich der Digitalisierungstrend auch ganz gut abbilden.  

Berater sollten ihren Kunden in jedem Fall raten, Themenfonds allenfalls als Beimischung im Depot einzusetzen. Dann kann auch ein kleines Trendthema aus portfoliostrategischen Aspekten interessant sein.

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